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10.03.2026 08:00

Medikamenteneinnahme: Apps ersetzen Gesundheitsfachpersonen nicht

Lara Uebelhart Kommunikation
Universität Basel

    Viele Menschen haben Mühe, ihre Medikamente gemäss Verordnung richtig einzunehmen. Das hat gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen. Apps sollen bei der korrekten Einnahme unterstützen. Eine Studie der Universität Basel zeigt jedoch: Digitale Helfer ersetzen die persönliche professionelle Betreuung nicht. Ausserdem schöpfen sie ihr volles Potential noch nicht aus.

    Nach aktuellen Zahlen nehmen 30 bis 50 Prozent der Menschen, die regelmässig Medikamente benötigen, diese nicht korrekt ein. Diese sogenannte Non-Adhärenz hat nicht nur für die Gesundheit der Patienten und Patientinnen ernsthafte Folgen, wie reduzierter Therapieerfolg und höhere Todesraten. Auch das Gesundheitssystem trägt die Konsequenzen: «Eine länderübergreifende Übersichtsarbeit zeigt, dass jährlich zusätzliche Kosten von 950 bis 44'000 US-Dollar pro Person durch Non-Adhärenz entstehen», so die Pharmazeutin Dr. Kirstin Messner.

    In der Schweiz leben über zwei Millionen Menschen mit einer chronischen, nicht übertragbaren Erkrankung. Es würde sich also lohnen, die Medikamenten-Adhärenz, also das Übereinstimmen der tatsächlichen Einnahme mit der verordneten Einnahme, zu verbessern.

    Sind Apps die Lösung?

    Eine Lösungsstrategie ist der Einsatz von Gesundheits-Apps, die auf eine Verbesserung der Adhärenz abzielen. Die Gründe für Non-Adhärenz sind jedoch komplex und nicht für alle Betroffenen sind Apps eine geeignete Lösung. Sie können aber dabei helfen, die Einnahme nicht zu vergessen und den Überblick zu behalten.

    Ob die Apps diesen Erwartungen gerecht werden, hat Kirstin Messner im Rahmen ihrer Dissertation am Departement Pharmazeutische Wissenschaften untersucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «JMIR Mhealth and Uhealth» publiziert und zeigen, dass Adhärenz-Apps grundsätzlich ein nützliches ergänzendes Tool sind. Allerdings wünschen sich Nutzende Funktionen, wie das Exportieren und Teilen der Daten, die kostenlose Apps ungenügend erfüllen.

    Marktcheck in Schweizer App Stores

    Für die Studie untersuchte Messner neun kostenlose Medikamenten-Adhärenz-Apps. Anknüpfend an Ergebnisse einer früheren Studie prüfte die Forscherin, ob diese die folgenden fünf wünschenswerten Eigenschaften erfüllten: Einnahmehistorie, Diagramme, Statistiken, Belohnungen und Datenexport.

    In einem weiteren Schritt erarbeitete Messner mit zwei Fokusgruppen drei weitere App-Features, die für Nutzende wertvoll wären: 1) Professionelles Feedback zur Therapie, 2) zusätzliche Empfehlungen oder Informationen und 3) die Möglichkeit, die Daten mit einem Gesundheitsdienstleister zu besprechen. Diese Zusatzfunktionen deuten alle in dieselbe Richtung: der Wunsch nach persönlicher Unterstützung von Gesundheitsfachpersonen.

    Quantitative Umfrage bestätigt den Wunsch nach fachlicher Begleitung

    Ergänzend führte das Forschungsteam eine Online-Umfrage mit 60 Teilnehmenden durch, bei der sie die acht Funktionen der Adhärenz-Apps nach ihrer Relevanz einordnen sollten. Die Auswertung zeigte, dass die drei zusätzlichen Features, die auf den Kontakt mit Fachpersonen zielen, mittel bis hoch bewertet wurden. Als wichtigste Eigenschaft der Apps stellte sich die Einnahmehistorie heraus, am unwichtigsten wurden Belohnungen eingestuft.

    «Die Studie macht auf ein wichtiges Thema und Problem aufmerksam: Medikamenten-Adhärenz. Gleichzeitig adressiert sie eine zeitgemässe Lösung mit den Apps.» Es müsste weitere Forschung über Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Apps angeschlossen werden, betont Messner. Die Forscherin hofft, einen Anreiz in der Entwicklung und weiteren Forschung in dem Bereich gesetzt zu haben.

    Wünschenswert wäre laut Messner auch eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystems, um die Apps sinnvoll einzubetten. «Es heisst oft, die Apps ermöglichen bereits Selfmanagement zu Hause, aber die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen und Patienten explizit den Kontakt zu Gesundheitsfachpersonen wünschen.» Entsprechende Funktionen sollten daher Bestandteil der Apps sein. «Die Angst, dass die digitalen Tools Apotheker oder Ärztinnen ablösen, ist unbegründet. In der Zukunft sollte beides gemeinsam funktionieren.»


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Kirstin Messner, Universität Basel, Departement Pharmazeutische Wissenschaften, E-Mail: kirstin.messner@unibas.ch


    Originalpublikation:

    Kirstin Messner, Vanessa Sutter, Samuel Allemann, Isabelle Arnet
    Exploring the Fit Between the Outputs of Freely Available Medication Adherence Apps and Users’ Needs: Mixed Methods Study
    JMIR Mhealth Uhealth (2025), doi: 10.2196/68919
    https://mhealth.jmir.org/2025/1/e68919


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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