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10.03.2026 08:00

Innovationskraft in Deutschland lässt weiter nach – Politik und Unternehmen müssen schnell handeln

Stefan Schelp Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

    Die Innovationsdynamik der deutschen Unternehmenslandschaft schwächt sich ab. Die Zahl der Firmen mit innovativen Spitzenleistungen schrumpft und die Zahl innovationsschwacher Unternehmen wächst. Um Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und Zukunftsfähigkeit zu sichern, braucht es eine klare Neuausrichtung der Innovationspolitik und eine konsequente Umsetzung strategischer Prioritäten vor allem bei Zukunftstechnologien.

    Gütersloh, 10. März 2026. Die Innovationstätigkeit der deutschen Unternehmen lässt deutlich nach. Ausgerechnet in einer Phase verschärften globalen Wettbewerbs, geopolitischer Spannungen und beschleunigter technologischer Entwicklungen verliert die deutsche Wirtschaft an Innovationsdynamik. Nur noch 13 Prozent der Unternehmen zählen 2026 zur innovationsstarken Spitze in Deutschland. 2019 war es noch rund ein Viertel.

    Gleichzeitig ist der Anteil innovationsschwacher Unternehmen auf nahezu 40 Prozent gestiegen. Innovation verliert damit in der Breite an strategischer Verankerung. Dies zeigt die Studie "Innovative Milieus 2026“ im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, für die mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden. „Die Innovationsbasis unseres Landes schrumpft, während der internationale Wettbewerb härter wird. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, riskieren wir einen nachhaltigen Verlust an technologischer Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Armando García Schmidt, Innovationsexperte der Bertelsmann Stiftung.

    Industrie verliert an Gewicht – digitale Dienstleister rücken vor

    Industrielle Kernbranchen verlieren Innovationskraft, während wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft in Deutschland zunehmend die Rolle technologischer Vorreiter übernehmen. Zugleich gibt es seltener grundlegende Neuerungen – Unternehmen setzen häufiger auf schrittweise Produkt- und Prozessverbesserungen.

    Trotz des negativen Gesamttrends zeigt sich, dass digitale Schlüsseltechnologien deutlich an Bedeutung gewinnen und sich immer stärker auch jenseits der innovationsstarken Spitze verbreiten. 70 Prozent der befragten Unternehmen nutzen heute Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, ein Viertel aller Unternehmen sogar intensiv. Für die kommenden Jahre erwarten noch mehr Unternehmen eine hohe strategische Relevanz dieser Technologien für ihre Produkte und Geschäftsmodelle.

    Anders ist die Lage bei komplexen Deep-Tech- und anspruchsvollen Green-Tech-Anwendungen. Technologien wie CO₂-Abscheidung oder andere forschungsintensive Zukunftstechnologien werden nur von wenigen Unternehmen intensiv genutzt. Auch im Bereich Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind Fortschritte sichtbar – doch eine breite Anwendung bleibt bislang aus. Anspruchsvolle Hochtechnologien nutzen nur wenige Unternehmen.

    Trotz der kritischen Befunde zeigt die Studie aber auch: Innovationsstärke ist gestaltbar. Unternehmen, die klare Innovationsstrategien verfolgen, gezielt kooperieren und systematisch in Kompetenzen investieren, erzielen messbare Fortschritte – unabhängig von ihrer Größe.

    Hightech-Agenda muss schnell Wirkung entfalten

    Die Ergebnisse stehen nicht isoliert. So zeigt eine im Januar veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung eine spürbare Investitionszurückhaltung im Innovationsbereich – insbesondere bei kleineren und innovationsfernen Unternehmen. Im aktuellen Sustainability Transformation Monitor der Stiftung nennen Unternehmen unsichere politische Rahmenbedingungen und fehlende Marktanreize als Gründe für ihre abnehmende Veränderungsbereitschaft. Wo Planbarkeit fehlt, werden Risiken stärker abgewogen und Innovation vorsichtiger betrieben.

    Klar ist: Der beobachtbare Trend gefährdet den Standort Deutschland. Für einen Neustart braucht es von Seiten der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, klare Prioritäten und eine strategische Fokussierung. Die neue „Hightech-Agenda Deutschland“ kann dabei ein zentraler Hebel sein: Sie soll Impulse in Schlüsseltechnologien setzen und technologische Souveränität stärken. Entscheidend ist dabei, dass die Agenda entschlossen und schnell umgesetzt wird. Flankiert werden sollte sie durch weitere Reformschritte, die Investitionen erleichtern, Bürokratielasten und Innovationshemmnisse abbauen.

    Auch die Unternehmen selbst stehen in der Verantwortung: Sie müssen technologische Entwicklungen früh aufgreifen, Innovationsprojekte strategisch bündeln und stärker auf Skalierung und Marktdurchsetzung ausrichten. "Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben und bei Zukunftstechnologien vorne mitspielen wollen. Was wir jetzt brauchen, ist eine kohärente Wirtschafts- und Innovationspolitik, mit einer Hightech-Agenda, die auch die Breite der Unternehmenslandschaft neu in Bewegung bringt“, sagt García Schmidt.

    Zusatzinformationen: Grundlage der Studie ist eine repräsentative Befragung von 1.146 Unternehmen im IW-Zukunftspanel. Die IW Consult hat zum dritten Mal seit 2019 auf der Grundlage von mehr als 30 Fragen die Innovationstätigkeit der deutschen Unternehmenslandschaft umfassend analysiert. Zusätzlich wurden für die aktuelle Studie Fragen zur aktuellen und künftigen Nutzung von 13 Schlüsseltechnologien gestellt.

    Ansprechpartner:

    Armando García Schmidt, Telefon: 0 52 41 81 81-543
    E-Mail: armando.garciaschmidt@bertelsmann-stiftung.de


    Originalpublikation:

    https://pub.bertelsmann-stiftung.de/Innovative-Milieus-2026


    Weitere Informationen:

    https://www.bertelsmann-stiftung.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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