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Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt tagtäglich die fundamentale Notwendigkeit einer breit angelegten Luftverteidigung sowohl zum Schutz der Bevölkerung und der eigenen Streitkräfte, als auch zur Sicherheit für kritische Infrastrukturen und für andere militärische wie zivile Objekte. Mit dem Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM und dem Entwicklungsvorhaben LVS NNbS (Luftverteidigungssystem Nah- und Nächstbereichsschutz) will die Bundeswehr bestehende Fähigkeitslücken, vor allem im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung, schnellstmöglich schließen.
Entsprechend wurde seitens des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) eine Sofortbeschaffung für IRIS-T SLM bei Diehl Defence beauftragt und ein Entwicklungsauftrag für das LVS NNbS mit der Arbeitsgemeinschaft ARGE NNbS, einem Zusammenschluss führender deutscher Rüstungskonzerne, abgeschlossen. Mit Diehl Defence arbeiten Wissenschaftler der Abteilungen »Systemergonomie« und »Mensch-Maschine-Systeme« des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE eng zusammen.
Ganzheitliche Analyse der Ergonomie
Mit Blick auf die geopolitische Lage verfolgen alle Beteiligten das Ziel, möglichst schnell verfügbare Lösungen bereitzustellen und bestehende Systeme bzw. Systemkomponenten noch weiter zu verbessern. Damit diese auch den ergonomischen Anforderungen entsprechen, stehen FKIE-Wissenschaftler in dem Großprojekt mit ihrer ergonomischen Expertise bereit und untersuchen im engen Austausch mit den Herstellern und Nutzern die bestehenden wie auch die neu zu entwickelnden Systeme. »Insbesondere bei komplexen Systemen muss das Zusammenspiel von Soldaten, Technologie und Organisation von Beginn an ausreichend berücksichtigt werden, damit der Bundeswehr ein tatsächlicher Nutzen entsteht«, benennt Dr. ‑Ing. Marcel Baltzer, Leiter der FKIE-Abteilung »Systemergonomie«, die Ausgangslage. »Als Forschungsinstitut nehmen wir eine ganzheitliche Analyse der Ergonomie vor und werfen von außen einen wissenschaftlich-neutralen Blick auf die einzelnen Bestandteile der Systeme sowie auf das Gesamtsystem. Und die Liste der zu analysierenden Aspekte ist lang, denn sie bildet die Grundlage für die anschließende Konzeption, Entwicklung und Umsetzung von Lösungen zur Erschließung ergonomischer Verbesserungspotenziale«, beschreibt Dr.-Ing. Christopher Brandl, der das Projekt am FKIE leitet, die aktuellen Tätigkeiten.
Verbesserungen unmittelbar ins System integriert
Den Vorteil der engen Zusammenarbeit mit den FKIE-Wissenschaftlern sieht auch Dr.-Ing. Alexander Wolf, Human Factors Engineer bei Diehl Defence. »Ohne die Expertise des Fraunhofer FKIE und die exakte Prüfung der Ergonomie-Anforderungen wären wir innerhalb des Projekts LVS NNbS noch nicht so weit in der Umsetzung. Wir sind dadurch nicht nur deutlich schneller geworden, sondern konnten auch direkt Verbesserungen in die Systeme integrieren. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Ergonomie von Beginn an zu berücksichtigen und an dieser Stelle einen wissenschaftlichen Partner einzubinden.«
Forschung kommt direkt bei der Truppe an
Forschung und Entwicklung als wesentliche Grundlage für den erfolgreichen Wissenstransfer in die praktische Anwendung – das sieht auch FKIE-Institutsleiter Prof. Dr. Peter Martini so: »Mit der Einbindung in diese Projekte zeigt das Fraunhofer FKIE exemplarisch, wie angewandte Forschung an unserem Institut gelebt und praktiziert wird. Jeder Partner im Projekt gibt in seiner Funktion das Beste, lässt dem Anderen aber auch definitiv die nötigen Freiräume, sodass die jeweilige Expertise zu einer tatsächlichen und partnerschaftlichen Weiterentwicklung von Systemen hin zu konkreten Lösungen und Beschaffungsmaßnahmen für die Bundeswehr führt.« Durch den intensiven und permanenten Austausch mit den Nutzern könne das FKIE insbesondere im Bereich der Ergonomie konkrete Ergebnisse liefern, die wiederum in die Optimierung der Systeme einfließen. Martini: »Das ist ein Idealkreislauflauf und für uns als Forschungsdienstleister genau der richtige Ansatz, um der Bundeswehr und den Soldaten in amtsbegleiteten Industrieprojekten in ihrem Einsatz zu helfen und sie in ihrem Tun zu stärken.«
Die IRIS-T-basierten Systeme seien ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Forschung unmittelbar bei der Truppe ankomme und in der Ukraine auch bereits erfolgreich eingesetzt werde. Durch die wissenschaftliche Analyse seitens des FKIE könne die funktionale Sicherheit des Produkts unter Berücksichtigung der Ergonomie gewährleistet und weiter verbessert werden. Das beschleunige die internen Abnahmeabläufe und den Beschaffungsprozess deutlich. Martini: »So fließt von Beginn an und immer wieder das Feedback der Nutzer in die Optimierung der Systeme zurück. Und davon profitiert jeder Soldat im Einsatz. Und zwar jeden Tag!«
Bodengebundene Luftverteidigungssysteme
Copyright: © Diehl Defence
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
fachunabhängig
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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