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11.03.2026 09:00

Starke Signale für eine zirkuläre Batterieindustrie – 2nd Conference on Battery Direct Recycling setzt neue Maßstäb

Dipl.-Geophys. Marie-Luise Righi PR und Kommunikation
Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

    Vom 3. bis 5. Februar 2026 versammelte die 2nd Conference on Battery Direct Recycling im Congress Centrum Würzburg erneut internationale Expertinnen und Experten aus Forschung, Industrie und Politik. Die Veranstaltung, zum zweiten Mal organisiert vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC, zeigte eindrucksvoll, wie dynamisch sich das Forschungsfeld des Direct Recyclings von Batteriematerialien in nur anderthalb Jahren weiterentwickelt hat.

    Bereits die erste Konferenz 2024 hatte mit über 150 Teilnehmenden eine starke Community begründet. Die zweite Ausgabe mit mehr als 170 Teilnehmenden unterstrich nun mit einem noch breiteren Spektrum an Beiträgen, wie rasant der Wissens- und Technologiefortschritt im Bereich des Direct Recycling voranschreitet. Ein besonderes Highlight waren die 13 Industrievorträge und die kleine, aber feine Industrie-Ausstellung. Sie betonten die zunehmende praktische Relevanz und Marktnähe der vorgestellten Recyclingprozesse und das Interesse der Unternehmen, in diese Zukunftstechnologie zu investieren.

    Am Anfang eine Frage der richtigen Definition

    Direct Recycling bedeutet, die Bestandteile von Batterien, die für die Energiespeicherung und das Laden und Entladen entscheidend sind, ohne größere Umwege aus ausgedienten Batterien oder Produktionsabfällen zurückzugewinnen und direkt wieder in Batterien einzusetzen, also ein funktionserhaltendes Recycling. Bisher wird dagegen überwiegend funktionszerstörend recycelt, d. h. nur wenige Rohstoffe werden aus den Batterien zurückgewonnen und müssen aufwändig wieder in einen Aufbereitungs- und Produktionsprozess eingespeist werden. Vor der wachsenden Aufgabe, die zukünftigen Mengen an ausgemusterten Batterien ökonomisch sinnvoll, ressourcenschonend und umweltfreundlich wiederzuverwerten, gewinnt auch bei Batterieherstellern und Automobilherstellern der Direct Recycling-Ansatz zunehmend starke Fürsprache. Premiumhersteller BMW hat kürzlich sogar eine Forschungsanlage zum direkten Recycling von Produktionsabfällen in Betrieb genommen.


    Vielfältiges Programm: Von Politik über Prozesse bis Reintegration

    Das wissenschaftliche Programm umfasste zehn Sessions und bot 48 Fachvorträge und mehr als 40 Posterpräsentationen mit Schwerpunkten wie Direct Recycling – Methoden und Prozesse, Design for Circularity, Sustainability & Digitalization, Policy & Market Frameworks. Vertreter:innen renommierter Institutionen wie Fraunhofer-Institute, Universitäten aus Europa, Nordamerika und Asien sowie zahlreiche Industrieunternehmen präsentierten neueste Ergebnisse zu Fragen rund um das direkte Recycling von Batteriematerialien. Themen wie Delamination, strukturelle Reparatur, Prozesssimulation, Recyclingrouten für Lithium-Eisenphosphat (LFP) oder Nickel-Mangan-Kobalt (NMC), automatisierte Demontage und materialwissenschaftliche Charakterisierung standen dabei im Fokus. Von den Teilnehmenden wurde dabei die hohe Qualität der Vorträge positiv hervorgehoben.

    Impulse aus Europa: EU-Projekte und regulatorische Dynamik

    Prominent vertreten waren zahlreiche europäische Initiativen und Projekte, darunter BATTERY 2030+, die europäische Batterie-Initiative, die selbst unterstützend bei einer Reihe von zukunftsweisenden europäischen Verbundprojekten tätig ist, sowie die Verbundprojekte RENOVATE, ReUse, RESPECT, REVITALISE und ReMade@ARI. Sie zeigten, wie europäische Programme direkt zur Weiterentwicklung technologischer Lösungen und eines zunehmenden Marktes beitragen, angefangen beim Aufbau digitaler Datenstrukturen über automatisierte Disassembly-Prozesse bis hin zu neuen Methoden der Materialcharakterisierung. Patrik Johansson, Leiter der Initiative BATTERY 2030+, betonte in seinem Vortrag, wie wichtig die Ausbildung zukünftiger Forscher in diesem Zusammenhang sei, und erklärte: »Die Batterie-Community ist größer denn je, und die DRC 2026 hat deutlich gezeigt, wie wir dies begrüßen. Auch qualitativ sind wir nicht mehr dieselben wie vor fünf Jahren, und der auffälligste Unterschied dieser Veränderungen ist die Betonung des (direkten) Recyclings und der Kreislaufwirtschaft – alles mit Blick auf eine gemeinsame nachhaltige Zukunft für Batterien.« Auch die politische Dimension war stark vertreten: Beiträge zu EU-Regulierung, zum Battery Passport und zur Circular Economy verdeutlichten, wie trotz technologischer Fortschritte Skalierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und regulatorische Rahmenbedingungen weiterhin zentrale Aufgaben bleiben.

    Ein wachsendes Forschungsfeld mit klaren Herausforderungen und Chancen

    In Ihren abschließenden Worten zog Conference Chair Dr. Guinevere Giffin, auch im Namen der Co-Chairs Dr. Andreas Flegler und Dr. Michael Hofmann vom Fraunhofer ISC, ein eindrucksvolles Fazit: Die wissenschaftliche Tiefe und Vielfalt der Beiträge habe sich seit 2024 »enorm weiterentwickelt« – von mechanistischen Erkenntnissen bis zur Prozessintegration. Direct Recycling sei kein einheitlicher Ansatz, sondern ein ganzer Baukasten unterschiedlicher Routen, der je nach Inputstrom die ökonomisch und ökologisch sinnvollste Lösung bietet. Der Aufbau einer wertvollen gemeinsamen Toolbox aus Methoden, Daten und Materialwissen sei entscheidend für zukünftige industrielle Skalierung. Persistente Herausforderungen wie Binderentfernung, Reintegration, Leistungsabfall, elektrische Eigenschaften, Porosität und Adhäsion blieben Kernforschungsfelder für das direkte Recycling.

    Simulation, Datenmanagement und industrienahe Kooperationen werden nach einhelliger Meinung der Teilnehmenden eine wesentliche Rolle spielen, um Prozesse effizienter, reproduzierbarer und wirtschaftlicher zu gestalten. Die Direct Recycling Community wächst und bietet immer mehr Chancen für zukunftsorientierte Unternehmen und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das Feld prägen werden und Direct Recycling als zentralen Baustein für eine nachhaltige europäische Batterieproduktion und Kreislaufwirtschaft voranbringen. Die Konferenz zeigte klare Fortschritte, aber auch den Handlungsbedarf bei Skalierbarkeit, Prozessverständnis und Reintegration. Der Aufbau einer starken, interdisziplinären Community bleibt ein entscheidender Erfolgsfaktor. Und Würzburg hat sich mit dem auf diesem Feld renommierten Fraunhofer ISC als einer der Hotspots der Direct Recycling Community etabliert, so das positive Resümee der Teilnehmenden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Andreas Flegler, andreas.flegler@isc.fraunhofer.de
    Dr. Guinevere Giffin, guinevere.giffin@isc.fraunhofer.de
    Dr. Michael Hofmann, michael.hofmann@isc.fraunhofer.de


    Bilder

    Zweieinhalb Tage hoch konzentriertes Vortragsprogramm bei der  DRC 2026 in Würzburg © K. Selsam, Fraunhofer ISC
    Zweieinhalb Tage hoch konzentriertes Vortragsprogramm bei der DRC 2026 in Würzburg © K. Selsam, Fra ...
    Quelle: K. Selsam
    Copyright: Fraunhofer ISC

    Wissenschaftlicher Austausch bei der Postersession am ersten  Konferenzabend
    Wissenschaftlicher Austausch bei der Postersession am ersten Konferenzabend
    Quelle: K. Selsam
    Copyright: Fraunhofer ISC


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Chemie, Elektrotechnik, Energie, Umwelt / Ökologie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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