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12.03.2026 07:35

Klimaziele lassen sich deutlich kosteneffizienter erreichen

Bastian Thüne Presse und Redaktion
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Die geplante Einführung des neuen EU-Emissionshandels für Gebäude und Straßenverkehr (ETS2) ab 2028 kann die europäische Klimapolitik erheblich kosteneffizienter machen. Dafür muss er aber als echtes marktbasiertes Leitinstrument ausgestaltet werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim zur CO₂-Bepreisung in der EU. Demnach belaufen sich die kumulierten volkswirtschaftlichen Kosten der bestehenden EU-Klimapolitik für den Zeitraum 2028 bis 2048 auf über fünf Billionen Euro. Ein besser ausgestalteter ETS2 könnte diese Kosten um gut 20 Prozent, bzw. um bis zu 824 Milliarden Euro, senken.

    „Ein EU-weiter CO₂-Preis kann Emissionen dort reduzieren, wo es am günstigsten ist. Genau dieses Prinzip wird derzeit durch nationale Budgets und überlappende Maßnahmen ausgebremst“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Sebastian Rausch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Umwelt- und Klimaökonomik“. „Der ETS2 ist kein Selbstläufer. Seine Effizienzgewinne realisieren sich nur, wenn er nicht zwischen nationalen Vorgaben und Doppelregulierung eingeklemmt wird. Entscheidend ist daher, das Preissignal wirken zu lassen und gesellschaftliche Verteilungskonflikte über eine gezielte Rückverteilung der Einnahmen, statt über Preisdeckel oder Ausnahmen zu lösen.“

    Fragmentierte CO₂-Preise verteuern Klimaschutz

    Die ZEW-Analyse zeigt erhebliche Preisunterschiede im aktuell bestehenden System. Während der CO₂-Preis im bisherigen EU-Emissionshandel (ETS1) bis Mitte der 2040er Jahre auf rund 180 bis 200 Euro pro Tonne steigt, liegen die impliziten CO₂-Preise in den nicht vom ETS1 erfassten Sektoren – also vor allem Gebäude und Verkehr – im EU-Durchschnitt bei bis zu 360 Euro pro Tonne. Hinzu kommen große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Diese Fragmentierung führt dazu, dass Emissionen nicht EU-weit dort gemindert werden, wo es am kostengünstigsten wäre. Langfristig wäre dazu ein einheitlicher EU-weiter CO₂-Preis (Integration von ETS1 und ETS2) nötig.

    Nationale Maßnahmen bremsen das Preissignal

    In vielen Mitgliedstaaten existiert in den ETS2-Sektoren bereits ein dichter Mix aus ordnungsrechtlichen Vorgaben, Standards und Förderprogrammen. Diese Maßnahmen können zwar Marktbarrieren adressieren, schränken aber zugleich die Flexibilität bei der Preisgestaltung des ETS2 ein. Das Gutachten zeigt: die EU-weite CO2-Bepreisung kann ihr Effizienzpotenzial nur dann ausschöpfen, wenn der ETS2 nicht mehr durch bindende nationale CO2-Budgets und technologiepolitische Vorgaben überlagert wird. Die Wohlfahrtsgewinne würden dann im Zeitverlauf deutlich ansteigen – insbesondere bei ambitionierten Reduktionszielen – wenn die Grenzvermeidungskosten stark zunehmen.

    Methodik

    Die quantitativen Ergebnisse basieren auf einem neu entwickelten, dynamischen makroökonomischen Gleichgewichtsmodell für die 27 EU-Mitgliedsstaaten. Das Modell bildet Produktions-, Konsum- und Handelsentscheidungen sowie die Interaktion von ETS1, ETS2, nationalen Emissionsbudgets (ESR) und nicht-marktbasierten Maßnahmen ab. Dabei werden verschiedene Politikszenarien bis 2050 simuliert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Sebastian Rausch
    Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Umwelt- und Klimaökonomik“
    Tel.: +49 (0)621 1235-200
    E-Mail: sebastian.rausch@zew.de


    Originalpublikation:

    https://www.zew.de/fileadmin/FTP/gutachten/ZEW_Hintergrundpapier_CO2_Bepreisung_...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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