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MHH-Kinderradiologie: Ein MRT-Simulator bereitet kleine Patientinnen und Patienten spielerisch auf die Untersuchung in der „Röhre“ vor.
Termine in der Klinik empfinden viele Kinder als unangenehm – erst recht, wenn es sich dabei um eine Untersuchung per Magnetresonanztomografie (MRT) handelt. Gut, wenn die jungen Patientinnen und Patienten darauf vorbereitet werden können und ihnen die Angst vor der „Röhre“ genommen wird. In der Kinderradiologie der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt es dafür jetzt ein Trainingsgerät. In einem MRT-Simulator können Kinder die Untersuchung spielerisch üben. Es ist der erste MRT-Simulator in Niedersachsen. Die Kosten für das Gerät in Höhe von rund 30.000 Euro brachte das Spieloasen-Team der Kinderklinik mit einer großen Spendenaktion zusammen.
Enge Anlage mit lauten Geräuschen
In der Kinderklinik werden pro Jahr mehr als 1.000 MRT-Untersuchungen vorgenommen. Mit der Methode können ohne Röntgenstrahlen hochauflösende Schnittbilder von weichen Geweben wie Organen, Muskeln, Nerven und Gefäßen erstellt werden. „MRT kommt beispielsweise nach Verletzungen von Gelenken, bei entzündlichen Veränderungen sowie bei onkologischen Fragestellungen zum Einsatz“, erklärt Prof. Dr. Diane Renz, Leiterin der Kinderradiologie, ein Bereich des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Die MRT-Untersuchungen dauern durchschnittlich 30 bis 45 Minuten. Für die Kinder sind das lange Stillliegen, die lauten Geräusche und die Enge in der Anlage eine große Herausforderung. Nicht alle schaffen das. Wenn der Vorgang abgebrochen werden muss, steht eine erneute Untersuchung an, dann allerdings in Narkose oder mit Beruhigungsmitteln. „Darauf würden wir natürlich lieber verzichten, denn eine Narkose ist mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden und birgt auch durchaus Risiken“, sagt Professorin Renz. Die Kinderradiologin freut sich sehr, dass es mit dem MRT-Simulator nun eine Möglichkeit gibt, die Kinder optimal auf die Untersuchung vorzubereiten. So werden Doppeluntersuchungen vermieden und die Aufnahmen haben eine bessere Bildqualität, weil es zu weniger Bewegungsartefakten wie Verwacklungen oder Verwischungen kommt.
Alle Schritte werden trainiert
Der MRT-Simulator in Form einer „Rakete“ sieht aus, als würde er zu einem kleinen Abenteuerflug einladen. Mit seiner Hilfe können die Kinder die Untersuchung üben – inklusive der verschiedenen Geräusche. Dabei helfen ihnen die Mitarbeiterinnen der Kinderradiologie oder der Spieloase. Sie erklären die Untersuchung genau und schieben das jeweilige Kind auf einer Liege in das Gerät. Dann werden gemeinsam alle Schritte des Prozesses durchgespielt. „Dazu gehört beispielsweise auch das für die Untersuchung notwendige Atmen und Luftanhalten“, erläutert Stefanie Günther, leitende Medizinische Technologin für Radiologie (MTR) der MHH-Kinderradiologie. Danach wird die Übung ausgewertet, damit das Kind weiß, was es gut gemacht hat und was vielleicht noch ein bisschen besser laufen könnte. Der MRT-Simulator, der hauptsächlich für die Altersgruppe der Vier- bis Achtjährigen gedacht ist, hat sich in den ersten Tests schon bewährt. „Die Kinder bekommen ein besseres Zeitgefühl und können einschätzen, was auf sie zukommt. Das hilft ihnen ungemein“, stellt Stefanie Günther fest. Zahlen aus Paris geben ihr recht: Im größten Kinderkrankenhaus der Stadt ist ein MRT-Simulator schon seit 2013 im Einsatz. Dort kann bei fast 80 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren auf Narkose- und Beruhigungsmittel für eine MRT-Untersuchung verzichtet werden. Einen ähnlichen Erfolg erhofft sich das Team der Kinderradiologie auch in der MHH.
Sportler und Sportlerinnen spendeten Trikots
Die Idee, ein MRT-Simulationsgerät anzuschaffen, hatte das Spieloasen-Team der Kinderklinik. Denn auch die Erzieherinnen hatten immer wieder bemerkt, dass eine MRT-Untersuchungen für viele Kinder keine einfache Sache ist. „Wir haben uns 2021 das Gerät in London angeschaut und waren sofort begeistert“, berichtet Claudia Erzfeld-Dokanikis, Leiterin der Spieloase. Um das nötige Geld zusammenzubekommen, startete sie eine große Trikot-Versteigerung – und wurde dabei von vielen bekannten Vereinen sowie Sportlern und Sportlerinnen unterstützt. Mit dabei waren beispielsweise der EC Hannover Indians, die Hannover Scorpions, die Basketballer Hannover United, der Waspo 98 Hannover, die Recken TSV Hannover-Burgdorf und der Kunstturner Andreas Toba. Aber auch viele internationale Vereine stellten Trikots mit Autogrammen zur Verfügung, etwa Lazio Rom, Atlético Madrid und FC Arsenal. Alle rund 70 Trikots konnten Interessierte vor der Versteigerung auf der Webseite der Förderstiftung MHH plus in Augenschein nehmen und sich ihren Favoriten aussuchen. MHH plus übernahm auch die Spendenabwicklung der Aktion.
Mehr Spenden als erwartet
Höhepunkt der Spendenaktion war eine Veranstaltung im Jagdschloss Springe im Sommer 2024. Rund 400 Gäste waren gekommen, um bei der Versteigerung ein Trikot zu ergattern. Schirmherr des Ganzen war der Fußballer, Trainer und Rapper Martin Rietsch. „Es war ein gelungener Nachmittag, der uns bei der Finanzierung des Gerätes einen Riesenschritt nach vorn gebracht hat. Zusammen mit weiteren Spenden von Elternvereinen sind insgesamt 35.000 Euro zusammengekommen“, sagt Claudia Erzfeld-Dokanikis. „Mit der Summe konnten wir nicht nur den Bau des MRT-Simulators in Auftrag geben, sondern hatten auch noch Geld für Zubehör und kleine notwendige Umbauarbeiten.“
SERVICE
Weitere Informationen erhalten Sie bei Prof. Dr. Diane Renz, renz.diane@mh-hannover.de, und Claudia Erzfeld-Dokanikis, erzfeld-dokanikis.claudia@mh-hannover.de.
Feiern das Ergebnis der Gemeinschaftsaktion: Mitarbeiterinnen der Spieloase und der Kinderradiologie ...
Copyright: Karin Kaiser/MHH.
Spaß mit Lerneffekt: Während das Kind im MRT-Simulator die Untersuchung übt, kann es sich einen Film ...
Copyright: Karin Kaiser/MHH.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
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Organisatorisches
Deutsch

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