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17.03.2026 09:25

Neuer Ansatz in der Migränebehandlung

Philipp Kressirer Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

    Migräne gezielter behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen spürbar verbessern, das ist das Ziel des Projekts „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“. Digitale Anwendungen, Schulungs- und Informationsangebote für Ärzte und Patienten sowie klare, leitliniengerechte Therapiepfade sollen Lücken in der Migräneversorgung schließen. In den kommenden 18 Monaten sollen rund 1.000 Patientinnen und Patienten aufgenommen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert das Innovationsfondsprojekt des LMU Klinikums München, der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) sowie weiterer Projektpartner mit über fünf Millionen Euro.

    Jeder Zehnte in Deutschland leidet an Migräne, sie trifft vor allem Menschen jungen und mittleren Alters. Oft sind die Lebensqualität und berufliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Gleichzeitig erhalten nicht alle Migränepatientinnen und -patienten eine leitliniengerechte und individuell passende Behandlung. „Digitale Anwendungen können die Kopfschmerzversorgung entscheidend voranbringen“, sagt PD Dr. Ruth Ruscheweyh, Leiterin des Projekt-Konsortiums MIGRA-MD am LMU Klinikum München und DMKG-Präsidiumsmitglied. Das Therapieprogramm für Migränepatientinnen und -patienten läuft über zwölf Monate und kombiniert digitale Angebote mit strukturierter Aufklärung und klaren Therapiepfaden.

    Bessere Daten, gezieltere Therapie

    Rund 50 Fachzentren in ganz Deutschland nehmen an dem Projekt teil. Fachärztinnen und -ärzte werden gezielt zur Migränebehandlung geschult. Im Arztportal des DMKG-Kopfschmerzregisters können sie übersichtlich die Daten ihrer Patienten sowie Checklisten für die leitliniengerechte Diagnostik und medikamentöse Therapie sehen. „Mit einer solchen Datengrundlage können Fachärztinnen und -ärzte viel gezielter behandeln“, sagt Ruscheweyh.

    Aktive Rolle für Patientinnen und Patienten

    Die Teilnehmenden dokumentieren ihre Kopfschmerzen digital über die DMKG-App und einen Kopfschmerzfragebogen. Sie nehmen drei Behandlungstermine bei geschulten Fachärztinnen und Fachärzten wahr. Parallel bietet die Online-Plattform MIGRA-MD Wissen kurze Videos und Audios über Migräne, verstärkende Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten. Auch Anleitungen zur nichtmedikamentösen Migränevorbeugung stehen dort bereit, zum Beispiel zu Stressreduktion, Entspannungsverfahren und Bewegungstherapie. DMKG-Expertinnen und -experten haben diese Materialien speziell für MIGRA-MD entwickelt.

    „Meet the Expert“-Runden zu Kopfschmerzthemen

    Regelmäßige Live-Webinare zu Kopfschmerzthemen mit DMKG-Expertinnen und -experten bieten zusätzliche Informationen und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. PD Dr. Lars Neeb, Präsident der DMKG, ist überzeugt: „Wenn Betroffene gut über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten informiert sind, werden sie eher selbst aktiv und die Therapie wird wirksamer. Speziell dafür haben wir MIGRA-MD Wissen entwickelt.“

    Patientenrekrutierung am 1. März gestartet

    Seit dem 1. März 2026 nimmt das Therapieprogramm Patientinnen und Patienten auf. Teilnehmen können gesetzlich krankenversicherte Erwachsene mit Migräne, die regelmäßig zwischen vier und 25 Kopfschmerztage pro Monat haben und nicht mehr als zwei migräneprophylaktische Medikamente ohne Erfolg versucht haben. Die MIGRA-MD-Plattform informiert über das Projekt und prüft anhand von Fragen die Eignung von interessierten Patientinnen und Patienten.

    Ziel: Überführung in die Regelversorgung

    Das Projekt läuft bis 2029, dann ist eine Evaluation von MIGRA-MD geplant. Zeigt diese, dass das Therapieprogramm die Kopfschmerzhäufigkeit und die Beeinträchtigungen im Alltag der Teilnehmenden reduziert hat, kann eine Überführung von MIGRA-MD in die Regelversorgung empfohlen werden. Die Selbsthilfeorganisation MigräneLiga e.V. begleitet das Projekt von Anfang an. Die Präsidentin Veronika Bäcker sagt: „MIGRA-MD ist ein großer Schritt vorwärts in der Migräneversorgung. Ich kann die Teilnahme nur empfehlen.“

    Die MIGRA-MD Projektpartner

    Die Konsortialführung von MIGRA-MD liegt beim LMU Klinikum München. Als Konsortialpartner sind beteiligt: die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de), das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald, das Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, die smartlytic GmbH, die Universitätsmedizin Rostock, der Berufsverband Deutscher Neurologen e.V., das Koordinierungszentrum für klinische Studien der Technischen Universität Dresden, sowie als Konsortialkassen die BARMER und die AOK Bayern. Die MigräneLiga e.V. unterstützt das Projekt als Kooperationspartner.

    Informationsplattform zu MIGRA-MD: https://mitmachen.migra-md.de/


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    PD Dr. med. Ruth Ruscheweyh
    Klinik und Poliklinik für Neurologie, LMU Klinikum München
    E-Mail: ruth.ruscheweyh@med.uni-muenchen.de
    Tel. +49 89 4400-52455


    Weitere Informationen:

    https://www.lmu-klinikum.de/newscenter/pressemitteilungen/neuer-ansatz-in-der-mi...


    Bilder

    Innovationsfondsprojekt MIGRA-MD
    Innovationsfondsprojekt MIGRA-MD
    Quelle: MIGRA-MD
    Copyright: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

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