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17.03.2026 12:30

3 Millionen Euro für Klimaschutz: OTH Regensburg forscht an Reduzierung der CO₂-Emissionen bei der Zementproduktion

OTH Regensburg Stabsstelle Kommunikation
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

    Die OTH Regensburg entwickelt gemeinsam mit der Linde GmbH und der TU München neue Technologien zur Abscheidung von CO₂ aus Zementwerken. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderte Projekt soll dazu beitragen, einen besonders klimabelastenden Industriezweig nachhaltiger zu gestalten.

    Die Zementindustrie liefert einen unverzichtbaren Baustoff, aber sie zählt auch zu den größten industriellen CO₂-Verursachern. Allein in Deutschland entstehen bei der Zementherstellung rund 20 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr, weltweit ist die Branche für etwa sieben Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Gleichzeitig gilt diese Industrie als besonders schwer zu dekarbonisieren.

    Ein wesentlicher Grund dafür liegt im Herstellungsprozess selbst: Zement wird aus Kalkstein gewonnen, der bei hohen Temperaturen gebrannt wird. Dabei wird das im Kalkstein chemisch gebundene CO₂ freigesetzt – ein technisch unvermeidbarer Prozess. Pro Tonne Zement entstehen so rund 400 Kilogramm CO₂ allein aus dem Rohstoff, das sind etwa zwei Drittel der Gesamtemissionen. Die restlichen Emissionen fallen aus dem Energieeinsatz an.

    Um Zement dennoch klimaneutral herstellen zu können, braucht es Technologien, die das entstehende CO₂ direkt aus dem Abgas abscheiden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt DECIDE an.

    Das vom BMWE geförderte Verbundprojekt startete im Januar 2026 und ist auf drei Jahre angelegt. DECIDE erforscht unterschiedliche Verfahren zur CO₂-Abtrennung, die Absorption, die Adsorption und sogenannte OxyFuel-Prozesse. Ziel ist in allen Fällen, sauberes CO₂ bereitzustellen, das entweder stofflich weiter verwertet (Carbon Capture Usage, CCU) oder gespeichert (Carbon Capture Storage, CCS) werden kann. Neben der OTH Regensburg und der Linde GmbH ist auch die Technische Universität München an dem Projekt beteiligt.

    Ein bislang kaum untersuchtes Forschungsfeld

    Im Fokus des Teilprojekts an der OTH Regensburg steht die adsorptive CO₂-Abscheidung. Die OTH Regensburg wird in diesem Projekt mit ca. drei Millionen Euro durch das BMWE gefördert. Die Projektleitung übernimmt Prof. Dr. Philipp Keil von der Fakultät Angewandte Natur- und Kulturwissenschaften (ANK) der OTH Regensburg.

    Bei der adsorptiven CO₂-Abscheidung wird Kohlendioxid an der Oberfläche spezieller Materialien, sogenannter Adsorbentien, gebunden. Eine besondere Herausforderung stellen die zahlreichen Spurenstoffe im Rauchgas von Zementwerken dar, darunter Schwefel- und Stickoxide, Schwermetalle oder organische Verbindungen. Wie diese Stoffe die Leistungsfähigkeit und Langzeitstabilität der Adsorbentien beeinflussen, ist bislang kaum untersucht.

    „Damit CO₂-Abscheidung in der Zementindustrie zuverlässig funktioniert, müssen die eingesetzten Materialien auch unter den sehr anspruchsvollen und wechselnden Bedingungen stabil bleiben“, erklärt Prof. Dr. Philipp Keil, Projektleiter seitens der OTH Regensburg. „Im Projekt DECIDE untersuchen wir erstmals systematisch, wie reale Rauchgase aus der Zementindustrie auf Adsorbentien wirken und schaffen so die Grundlage für robuste, industrielle Prozesse, die durch effiziente Dekarbonisierung einen schnellen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

    Test unter Realbedingungen in Pilotanlage

    Gemeinsam mit dem Projektpartner Linde GmbH konzipiert und betreibt das OTH-Team eine mobile Container-Pilotanlage, die direkt an einem Zementwerk eingesetzt wird. Dort werden kommerziell verfügbare Adsorbentien im Langzeitbetrieb unter Realbedingungen getestet. Ergänzend dazu laufen umfangreiche Laboruntersuchungen, um die Wechselwirkungen zwischen Gaszusammensetzung, Prozessparametern und Materialeigenschaften detailliert zu analysieren. Ziel ist es, Kriterien für besonders widerstandsfähige und effiziente Adsorbentien abzuleiten und Potenziale für optimierte, anwendungsspezifisch angepasste Materialien aufzuzeigen. Letztendlich soll gezeigt werden, wie sich CO₂-Abtrennungstechnologien künftig im industriellen Maßstab einsetzen lassen und so eine Lösung für schwer dekarbonisierbare Branchen darstellen.

    DECIDE leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der industriepolitischen Klimaziele in Deutschland und Europa. Mit dem Projekt unterstreicht die OTH Regensburg ihre Rolle als starker Forschungspartner für nachhaltige industrielle Transformation. Der Verbund aus Wissenschaft und Industrie in DECIDE wird Lösungen entwickeln, die nicht nur im Labor, sondern auch in der Praxis funktionieren und damit konkrete Perspektiven für eine klimafreundlichere Zementproduktion eröffnen.


    Bilder

    Prof. Dr. Philipp Keil leitet das Forschungsprojekt DECIDE an der OTH Regensburg. Darin untersuchen die Forschenden, wie CO₂ aus Abgasen der Zementproduktion abgeschieden werden kann.
    Prof. Dr. Philipp Keil leitet das Forschungsprojekt DECIDE an der OTH Regensburg. Darin untersuchen ...
    Quelle: Simone Grebler
    Copyright: OTH Regensburg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Chemie, Energie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

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