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Wissenschaft
Um Paare mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützen zu können, muss die Herausbildung der menschlichen Keimzellen genau verstanden werden. Die Biochemikerin Melina Schuh erforscht die Entwicklung von Säugetier-Eizellen und fand heraus, wieso es zu Fehlern bei der Eizellbildung kommen kann. Hierfür würdigt sie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit der diesjährigen Carus-Medaille. Die Auszeichnung wird ihr im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 21. Mai in Schweinfurt überreicht.
Prof. Dr. Melina Schuh ist eine deutsche Biochemikerin. Ihre Forschung trug maßgeblich dazu bei, die Entwicklung von Säugetier-Eizellen zu verstehen, insbesondere wie es zu Fehlern bei der Chromosomentrennung und damit zu Fehlgeburten oder abnehmender Fruchtbarkeit kommen kann. Sie etablierte Methoden, mit denen der Prozess der Meiose erstmals hochaufgelöst in lebenden Maus-Eizellen aufgenommen werden konnte. Darauf aufbauend entwickelte sie Studien, um die Meiose in lebenden menschlichen Eizellen zu erforschen. Die Meiose, auch Reifeteilung genannt, ist ein grundlegender Prozess der geschlechtlichen Fortpflanzung. Dieser führt in mehreren Schritten zur Keimzellbildung, also zur Entstehung von Eizellen und Spermien. Dabei werden die Chromosomenpaare auf einen einfachen, „haploiden“ Chromosomensatz und zu einzelnen Chromatiden reduziert. Schuh untersuchte besonders die Rolle der sogenannten Spindel, die während der Meiose entsteht, um die Chromosomen zu trennen. Schuh entdeckte, dass dieser Spindelapparat beim Menschen im Vergleich zu anderen Säugetieren fehleranfälliger ist und bei der Eizellbildung Chromosomen häufiger falsch getrennt werden – besonders mit zunehmendem Alter der Frau. Schuhs Erkenntnisse können dazu beitragen, dass die In-Vitro-Befruchtung für Menschen mit Kinderwunsch häufiger gelingt.
Melina Schuh studierte Biochemie an der Universität Bayreuth. Nach ihrer Promotion am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und Forschungsstationen am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge/UK ist sie seit 2016 Direktorin am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, dem heutigen Max-Planck-Institut für multidisziplinäre Naturwissenschaften. Zudem gründete sie 2025 die Ovo Labs GmbH zur Kinderwunscherfüllung. Für ihre Forschung wurde Melina Schuh vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Falling Walls Science Breakthrough of the Year 2025, dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2019 und der EMBO Gold Medal der European Molecular Biology Organization 2018. Die Leopoldina nahm sie 2019 in die Sektion Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie auf.
Die Carus-Medaille wurde anlässlich des 50. Professorenjubiläums des XIII. Präsidenten der Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789–1869), gestiftet und erstmals im Jahr 1896 vergeben. Sie würdigt bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen oder Forschungsleistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Prof. Dr. Jacques Monod (1965), der im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt wurde, Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (1989), die 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt, und Prof. Dr. Stefan Hell (2013), der im Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Seit 1961 ist sie mit dem von der Stadt Schweinfurt –Gründungsort der Leopoldina – gestifteten und mit 5.000 € dotierten Carus-Preis verbunden.
Weitere Informationen zur Carus-Medaille: https://www.leopoldina.org/aufgaben/exzellenz-ehren/default-74aaffb6ea4522a5e7cf...
Die Übergabe der Carus-Medaille und des Carus-Preises 2026 findet am Donnerstag, 21. Mai 2026 in Schweinfurt statt.
Medienkontakt:
Sonja Kastilan
Leiterin der Abteilung Wissenschaftskommunikation
Tel.: +49 (0)345 472 39-800
E-Mail: presse@leopoldina.org
Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina:
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.
Prof. Dr. Melina Schuh, Preisträgerin der Carus-Medaille 2026
Quelle: Irene Böttcher-Gajewski
Copyright: MPI NAT
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Chemie, Medizin
überregional
Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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