idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
19.03.2026 10:34

Mehr Humus, mehr Klimaschutz: Wie ökologisch-regenerative Landwirtschaft die Böden stärkt

Caroline Link Presse, Kommunikation und Marketing
Justus-Liebig-Universität Gießen

    Kompost und Pflanzenkohle können den Humusaufbau fördern, zeigen zwei Feldstudien unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen

    Agrarböden gelten in Deutschland nach dem Wald als größter terrestrischer Kohlenstoffspeicher. Ein Schlüssel dazu ist der Humus: Böden mit mehr Humus sind fruchtbarer, speichern mehr Wasser und binden klimaschädliches Kohlendioxid. Der Erhalt und der Aufbau von Humus und die damit einhergehende langfristige Kohlenstoffbindung sind wichtige Voraussetzungen für fruchtbare und intakte Böden sowie für den Agrarklimaschutz in Deutschland und Europa. Zwei Freilandstudien in Hessen unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) belegen, dass gezielte Maßnahmen wie der Einsatz von Kompost und Pflanzenkohle die Humusvorräte im Boden deutlich erhöhen können – und das mit Ressourcen, die direkt auf dem Hof anfallen. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der Kollektion „Regenerative Agriculture“ der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

    Beim regenerativen Ackerbau kombinieren die Landwirtinnen und Landwirte verschiedene Maßnahmen wie eine reduzierte Bodenbearbeitung, vielfältige Zwischenfrüchte und eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung. Zudem setzen sie Kompost-, Pflanzenkohle- oder Mulchgaben ein, um Bodenqualität, Pflanzengesundheit und Nährstoffkreisläufe gezielt zu fördern.

    Kompost stabilisiert Humus über Jahre

    Im Rahmen des Langzeit-Verbundprojekts AKHWA (Anpassung an den Klimawandel in Hessen – Erhöhung der Wasserretention des Bodens durch regenerative Ackerbaustrategien) der Universität Kassel auf der Versuchsstation Neu-Eichenberg wurde im Rahmen einer der beiden Studien untersucht, wie sich die regelmäßige Zugabe von Kompost auf ökologisch bewirtschaftete Äcker auswirkt. Das Ergebnis: Durch die Kombination von Kompost und einer schonenden Bodenbearbeitung stieg der Humusgehalt deutlich stärker an als bei herkömmlicher Bewirtschaftung. „Kompost liefert nicht nur Nährstoffe, sondern fördert auch das Bodenleben und die Struktur des Bodens“, erklärt der Bodenökologe und Klimaschutzexperte Prof. Dr. Andreas Gattinger, Professor für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung an der JLU. Entscheidend dabei: Die eingesetzten Mengen entsprachen genau dem, was ein Betrieb selbst an pflanzlichen Reststoffen erzeugen kann – etwa durch Grünschnitt, Erntereste oder Mist. „Das zeigt, dass nachhaltige Bodenverbesserung ohne zusätzliche externe Ressourcen möglich ist.“

    Pflanzenkohle als Booster für Humusaufbau

    Auch im Versuch im heHumuvation – Innovative Anbausysteme zur Förderung der Ertragsstabilität und des Humusaufbausssischen Gilserberg testeten die Forschenden einen Ansatz, der sich in die Praxis übertragen lässt: die Einbringung von Pflanzenkohle in den Wurzelbereich von Zwischenfrüchten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination aus Pflanzenkohle und regenerativer Bewirtschaftung bereits nach kurzer Zeit zu messbar höheren Humusvorräten führte. „Pflanzenkohle hilft, Kohlenstoff länger im Boden zu halten und verbessert wichtige Bodenfunktionen, etwa die Wasserspeicherung“, sagt Prof. Gattinger. Auch hier galt: Die Menge orientierte sich am realistischen Aufkommen eines Betriebs – etwa durch die Verarbeitung von Restholz oder Stroh.

    Modelle für die EU-Klimapolitik

    Beide Studien liefern wertvolle Erkenntnisse für die europäische Agrarpolitik. „Sie belegen, dass Humusaufbau im Rahmen eines geschlossenen Betriebskreislaufs funktioniert – ein zentrales Kriterium für das geplante ‚Carbon Removal and Carbon Farming Framework‘ (CRCF) der EU“, betont Prof. Gattinger. Das CRCF soll Landwirtinnen und Landwirten Anreize bieten, Kohlenstoff im Boden zu binden. Diese Maßnahmen sind sowohl ökologisch als auch praktisch umsetzbar: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ökologisch-regenerative Landwirtschaft den Humusaufbau fördern und damit die Bodenfruchtbarkeit stärken kann“, sagt Lucas Kohl, der an der Professur für Ökologischen Landbau der JLU forscht und Erstautor der Studie zum Humuvation-Versuch ist. „Besonders vielversprechend sind Maßnahmenkombinationen, die Bodenstruktur und mikrobielle Aktivität gezielt verbessern.“

    „Die Studien liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung klimaangepasster und bodenschonender Anbausysteme im Ökolandbau“, sagt Dr. Wiebke Niether, Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur für Ökologischen Landbau der JLU und Erstautorin der Studie zum Langzeitversuch AKHWA. „Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme wird es immer wichtiger, landwirtschaftliche Böden sowohl resilienter als auch klimaschonender zu bewirtschaften.“

    Zugleich betonen die Forschenden, dass der Aufbau stabiler Kohlenstoffvorräte ein langfristiger Prozess ist. Veränderungen im Gesamtvorrat an Bodenkohlenstoff lassen sich häufig erst über längere Zeiträume sicher nachweisen. Früh reagierende biologische Indikatoren können jedoch bereits in den ersten Jahren Hinweise auf Veränderungen im Bodensystem liefern.

    Das Verbundprojekt AKHWA wird von der Universität Kassel geleitet und wird von 2020 bis 2028 durch das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) gefördert. Das Projekt Humuvation wurde von der Professur für Ökologischen Landbau der JLU geleitet und wurde von 2020 bis 2023 durch die Europäische Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI) sowie den Entwicklungsplan für den Ländlichen Raum Hessen (EPLR) gefördert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andreas Gattinger
    Professur für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung
    Telefon: 0641 99-37730


    Originalpublikation:

    Niether, W., Leisch-Waskönig, S., Finckh, M.R., Junge, S.M., Bilibio, C., Peth, S., Schmidt, J.H., Kamau, J.W. & Gattinger, A. Soil organic carbon stocks after ten years of reduced tillage, compost and mulch application in temperate organic agriculture. Sci Rep 16, 8260 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-42050-9

    Kohl, L., Minarsch, EM.L., Niether, W., Dix, B.A., Kammann, C., Clifton-Brown, J.C. & Gattinger, A. Early evidence for the benefits of biochar in organic regenerative agriculture. Sci Rep 16, 7833 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-40280-5


    Weitere Informationen:

    https://www.akhwa.de/ (Verbundprojekts AKHWA – Anpassung an den Klimawandel in Hessen – Erhöhung der Wasserretention des Bodens durch regenerative Ackerbaustrategien)
    https://www.humuvation.de/ (Humuvation – Innovative Anbausysteme zur Förderung der Ertragsstabilität und des Humusaufbaus)


    Bilder

    Innovative Einbringung von Pflanzenkohle im Langzeitversuch Humuvation in Gilserberg. Diese Maßnahme der regenerativen Landwirtschaft verbindet die Tiefenlockerung des Bodens mit der Applikation von Pflanzenkohle in der Wurzelzone miteinander.
    Innovative Einbringung von Pflanzenkohle im Langzeitversuch Humuvation in Gilserberg. Diese Maßnahme ...
    Quelle: Lucas Kohl
    Copyright: Foto: Lucas Kohl


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).