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Wissenschaft
Die Akademie der Bildenden Künste München (AdBK) und die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) forschen gemeinsam zu NS-verfolgten Künstler*innen an ihren Institutionen. Dies ist die erste systematische und wissenschaftliche Aufarbeitung von Biografien der Künstler*innen, die an den Münchener Akademien für Bildende Kunst und für Tonkunst ausgeschlossen, verdrängt und verfolgt, in einigen Fällen anschließend auch ermordet wurden. Das Forschungsprojekt nimmt dabei auch das institutionelle Agieren im Zeitraum des aufkommenden Nationalsozialismus bis in die ersten Nachkriegsjahre in den Blick.
Die Kooperation zwischen der AdBK und der HMTM ermöglicht es, Musik und Bildende Kunst in Beziehung zueinander zu setzen sowie künstlerische Reaktionsweisen auf die Verfolgungsmechanismen im Nationalsozialismus herauszuarbeiten. Fragestellungen der künstlerischen Forschung leisten dabei einen wesentlichen Beitrag für den wissenschaftlichen Diskurs an den beiden Hochschulen. Zusammen mit Methoden der Geschichtsforschung eröffnen sich Neuansätze für eine kritische Institutionengeschichte.
Ihre Aktualität erhalten die Fragestellungen und Analysen mit Blick auf die heutige Situation, auf Konsequenzen für Studierende und Hochschulen in sich verschärfenden politischen Diskursen. Über die künstlerische Forschung und wissenschaftliche Lehre an den beiden Hochschulen hinaus wird es öffentliche Formate geben, in denen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.
Die Kooperation der Forschungsarbeit ist Teil der aktuellen Hochschulverträge der beiden Hochschulen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Das gemeinsame Forschungsprojekt wird in zwei Teilprojekten ausgestaltet:
Im Fokus des Teilprojekts an der AdBK steht die Ermittlung und Erforschung von im Nationalsozialismus verfolgten Hochschulangehörigen an der Akademie der Bildenden Künste und der Kunstgewerbeschule München sowie verfolgten Kunstschaffenden aus deren Umfeld. Umgesetzt wird das Projekt an der AdBK von Beo Tomek, seit 2023 wissenschaftlich-künstlerischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie von Prof. Dr. Maria Muhle.
Im Teilprojekt der HMTM geht es um verfolgte Mitglieder der Akademie der Tonkunst München, der Vorgängerinstitution der heutigen Hochschule für Musik und Theater München. Ihre Biografien sollen erforscht und so verschiedene Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung an der Institution untersucht werden. An der HMTM arbeitet seit 2025 Leon Zmelty als wissenschaftlicher Mitarbeiter in diesem Projekt, das am Musikwissenschaftlichen Institut der HMTM angesiedelt ist und von Dr. Tobias Reichard vom Ben-Haim-Forschungszentrum betreut wird.
»Die Forschungskooperation der beiden Hochschulen richtet ihren Blick auf diejenigen, deren Geschichte bisher nur wenig bekannt ist«, betont Prof. Lydia Grün, Präsidentin der HMTM. »Als Kunst- und Musikhochschulen verstehen wir uns als offene Diskursorte und treten bewusst für Diversität, Internationalität und Demokratie ein. Eine wissenschaftlich fundierte und künstlerisch gestaltete Erinnerungsarbeit, wie in diesem Gemeinschaftsprojekt, ist ausdrücklich Teil unseres Selbstverständnisses. Ich freue mich sehr, dass wir dadurch einen weiteren Beitrag dafür leisten können, verfolgte Künstler*innen und die Rolle unserer Institutionen sichtbar zu machen.«
Ausgrenzung und Verfolgung bedeuteten oft das Ende der künstlerischen Arbeit und in der Folge das Vergessen der Personen und ihrer künstlerischen Positionen. Über die individuelle Situation hinaus kommen die Auswirkungen für das künstlerische Schaffen allgemein, die künstlerischen Bewegungen und Szenen der Zeit in den Blick. Dieser zentrale Aspekt wird für Prof. Karen Pontoppidan, Präsidentin der AdBK, durch die Ansiedelung des Projektes im Bereich Philosophie ermöglicht: »Die Philosophie erlaubt andere Fragestellungen, ermöglicht neue Aspekte und andere Perspektiven, die jene der historischen Disziplinen ergänzen.«
Pressekontakte:
HMTM
Maren Rose (Ltg. Kommunikation) | Tel: 089-289-27440 | presse@hmtm.de
AdBK
Angela Holzwig | Presse-/Öffentlichkeitsarbeit | Tel: 089-3852-155 | holzwig@adbk.mhn.de
Kooperation der AdBK und HMTM_v.l.n.r. Leon Zmelty, Beo Tomek, Prof. Karen Pontoppidan, Prof. Lydia ...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Musik / Theater
überregional
Forschungsprojekte, Studium und Lehre
Deutsch

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