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20.03.2026 09:57

Martha’s Rule“ rettet Leben – Sepsis-Stiftung fordert stärkere Stimme für Patienten und Familien

Heike Romeike Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Sepsis Stiftung

    Die Sepsis-Stiftung fordert nach dem Vorbild der britischen „Martha’s Rule“ mehr Mitsprache für Patienten und Angehörige in Deutschland. Die 2024 in England eingeführte Regel erlaubt es Familien, bei Sorgen eine dringende Zweitmeinung einzufordern. Daten des NHS belegen den Erfolg: Rund 450 lebensrettende Interventionen wurden so bereits aus-gelöst. Hintergrund ist der Tod der 13-jährigen Martha Mills an Sepsis, deren Symptome vom Personal nicht ernst genommen wurden. Da Sepsis eine der häufigsten vermeidbaren Todesursachen ist, betont die Stiftung, dass Angehörige Verschlechterungen oft früh erkennen. Klare Strukturen für Zweitmeinungen könnten auch hierzulande Leben retten.

    Berlin, 20.3.2026 – Neue Zahlen aus England zeigen die lebensrettende Wirkung der sogenannten „Martha’s Rule“. Seit Einführung der Regel im Jahr 2024 wurden in Krankenhäusern nahezu 450 potenziell lebensrettende medizinische Interventionen ausgelöst. Darüber berichtete unter anderem BBC News unter Berufung auf Daten des National Health Service.

    Die Regel ermöglicht es Patienten, Angehörigen oder Pflegepersonen, eine dringende Zweitmeinung anzufordern, wenn sie sich Sorgen um einen Patienten machen und den Eindruck haben, dass sie nicht gehört werden.

    Aus Sicht der Sepsis-Stiftung zeigt diese Entwicklung eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Angehörige stärker in die Patientensicherheit einzubeziehen.

    „Die Erfahrungen aus England zeigen eindrucksvoll, was viele Angehörige seit Jahren erleben: Familien erkennen oft sehr früh, wenn sich der Zustand eines Menschen gefährlich verschlechtert. Wenn ihre Hinweise ernst genommen werden und klare Strukturen für eine schnelle Zweitmeinung bestehen, können Leben gerettet werden. Patientensicherheit beginnt damit, zuzuhören.“
    (Zitat: Prof. Marlies Ostermann, Ärztin in London und Vorständin der Sepsis-Stiftung)

    Hintergrund: Der Tod von Martha Mills

    Die Initiative geht auf den Tod der 13-jährigen Martha Mills zurück. Sie starb im Londoner King’s College Hospital an einer Sepsis. Ihre Familie hatte wiederholt auf eine Verschlechterung ihres Zustands hingewiesen, fühlte sich jedoch nicht ausreichend gehört.

    Ein Gerichtsmediziner stellte 2022 fest, dass Martha wahrscheinlich überlebt hätte, wenn sie früher auf eine Intensivstation verlegt und entsprechend behandelt worden wäre.

    Nach einer öffentlichen Kampagne ihrer Eltern wurde Martha’s Rule 2024 im britischen Gesundheitssystem eingeführt. Inzwischen wird sie in allen Akutkliniken Englands umgesetzt – sowohl in der Erwachsenen- als auch in der Kindermedizin.

    Deutlich messbare Verbesserungen

    Die bisherigen Daten zeigen eine klare Wirkung:

    • rund 450 kritische medizinische Interventionen wurden durch Angehörigen-Anrufe ausgelöst
    • über ein Drittel der Fälle führte zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlung
    • die Zahl der Anrufe bei den Kontaktnummern hat sich seit Mitte 2025 mehr als verdoppelt

    Für Experten sind Martha´s Rules ein starkes Signal für die Rolle von Angehörigen in der Patientensicherheit.

    „Wenn auch in Deutschland die Möglichkeit zu einer Zweitmeinung im Krankenhaus möglich wäre, würde mein Sohn Jann mit höchster Wahrscheinlichkeit noch leben“ sagt Kerstin Martensen, die Initiatorin der Initiative Jülich rüstet gegen Sepsis. „Am Tag bevor Jann entlassen werden sollte sagte er noch: Mama, sie haben mich aufgegeben, Mama ich habe solche Angst und will nicht sterben." Mein Mann und ich haben den Ärzten seine Symptome geschildert - ohne selber zu wissen, dass es die Symptome einer Sepsis sind – diese wurden jedoch als nicht bedrohlich abgetan“ so Kerstin Martensen weiter.

    Bedeutung für Deutschland

    Die Sepsis-Stiftung sieht in den Entwicklungen in England ein wichtiges Signal auch für das deutsche Gesundheitssystem. Sepsis gehört weiterhin zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen in Krankenhäusern.

    Angehörige bemerken häufig frühzeitig Veränderungen im Zustand eines Patienten – etwa zunehmende Verwirrtheit, Atemprobleme oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands. Werden solche Hinweise strukturiert aufgenommen, kann dies entscheidend dazu beitragen, schwere Verläufe zu verhindern.

    Die Stiftung setzt sich daher für eine stärkere Einbindung von Patienten und Familien in die Patientensicherheit ein.

    Hintergrund: Sepsis

    Sepsis („Blutvergiftung“) ist eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung, die durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion entsteht.

    • Sie zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen.
    • Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Leben retten.
    • Verzögerungen bei der Erkennung erhöhen das Risiko für schwere Organschäden und Tod erheblich.

    Über die Sepsis-Stiftung

    Die Sepsis-Stiftung engagiert sich bundesweit für Aufklärung, Prävention und Forschung zu Sepsis sowie für die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen. Ziel ist es, die Früherkennung von Sepsis zu verbessern, Patientensicherheit zu stärken und vermeidbare Todesfälle zu reduzieren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    marlies.ostermann@gstt.nhs.uk
    konrad.reinhart@charite.de


    Weitere Informationen:

    https://sepsis-stiftung.de/wp-content/uploads/2026/03/Faktenkasten-Marthas-Rule....


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Pädagogik / Bildung, Politik
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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