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Wissenschaft
Der interdisziplinäre Austausch, inspirierende Diskussionen und praxisrelevante Symposien zur Neurointensiv- und Notfallmedizin standen im Vordergrund der ANIM 2026 vom 5. bis 7. Februar in Dortmund. Rund 800 Teilnehmende aus 16 Nationen nutzten die Gelegenheit zu vielfältigen Begegnungen mit Kolleg:innen aus Medizin, Pflege und weitere Berufsgruppen und setzten sich gemeinsam mit Themen aus der Stroke Unit, Neuro-ITS und in der Notfallversorgung auseinander.
An drei spannenden Kongresstagen wurden wissenschaftliche und praxisrelevante Themen in 59 Symposien und Sessions interdisziplinär und berufsgruppen-übergreifend von 198 Referierenden präsentiert. Die lebhaften Diskussionen reichten von klinischen Entscheidungsfragen über Pflegeperspektiven bis hin zu aktuellen Entwicklungen in Forschung und Versorgung. Weitere inspirierende Einblicke gab es in 11 interprofessionellen Workshops, Skills Labs sowie e-Postervorträgen.
Zum Jubiläumssymposium der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) präsentierte DGNI-Präsident Prof. Dr. Matthias Klein zentrale Meilensteine aus 40 Jahren Neurointensivmedizin mit Perspektiven für die Zukunft. Er stellte den Ehrenpreisträger der DGNI Prof. Dr. Joachim Jost vor, der als Pionier für die Neurointensivmedizin gilt, und überreichte den Ehrenpreis stellvertretend an Prof. Dr. Otto Busse, der Anfang der 90er Jahre die ersten Stroke Units in Deutschland etablierte. Die Geschichte der NeuroIntensivpflege wurde von Dr. Peter Nydal beleuchet. Prof. Waltraud Pfeilschifter, Präsidentin der DSG, gab Impulse für die weitere Zusammenarbeit der DGNI und der DSG bei der ANIM als einzigartigem Raum für inspirierende Begegnungen, um voneinander zu lernen und weiterzudenken.
Schwerunkte KI, „Gender Matters“ und Ausbildung
Kongresspräsident Prof. Dr. Oliver Müller legte den Fokus auf die Schwerpunkte „Künstliche Intelligenz in der Neuro-Medizin“ mit Potenzialen und rechtlichen Aspekten, „Gender Matters“ zu geschlechtsspezifischen Behandlungspfaden in der Neurointensivmedizin sowie „Praxisorientierte Ausbildung“ mit qualitätsgesicherten Standards. Bedarfe, Bedürfnisse und Bedingungen bei der Ausbildung in neurologischer Intensiv- und Notfallmedizin wurden im gleichnamigen Symposium unter Vorsitz von Prof. Dr. Julian Bösel, Neumünster, und Dr. Anne-Sophie Biesalski, Bochum, ausgelotet. Ausgehend von Entwicklung und Status Quo der Ausbildung in Deutschland, ging es auch um Vergleiche mit Standards in anderen Ländern. Prof. Dr. Konstantinos Dimitriadis, München, präsentierte Ansätze einer innovativen Aus- und Weiterbildung in Neurologischer Intensivmedizin.
Internationale Symposien: Komaforschung, IHA und Organspende
Besondere Highlights waren die gut besuchten internationale Symposien. Beim hochaktuellen Thema „Brain death and organ donation“ wurden internationale Perspektiven aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Europa mit aktuellen rechtlichen Herausforderungen diskutiert. Gut besucht war auch das Symposium, in dem neue Forschungsergebnisse zu irreversiblen Hirnfunktionsausfällen (IHA) und ihrer Bedeutung im medizinisch ethischen Prozess der Organspende in Deutschland präsentiert wurden – eins der zentralen Themen der modernen Intensivmedizin. Es ging um evidenzbasierte Abläufe, strukturierte Entscheidungsprozesse und qualitätsgesicherte Standards, die ein Höchstmaß an diagnostischer Sicherheit und Transparenz gewährleisten sollen. Der Aufbau einer Stabsstelle für Organspende in Leipzig hat maßgeblich zur Optimierung im Organspendeprozess beigetragen, wie Dr. Svitlana Ziganshyna, Leipzig, betonte. Der aktuelle Leitfaden zum IHA der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) wurde interdisziplinär diskutiert.
Das Symposium „Coma: Inside and outside the box“ beleuchtete aktuelle Aspekte der Komaforschung. Die Präsentationen der rasch voranschreitenden Erkenntnisse über Cognitive Motors Dissociation (CMD), diagnostische Methoden mit EEG, Pupillometrie und Bildgebung sowie aktuelle Therapieansätze mit pharmakologischer, nichtinvasiver und invasiver Stimulation führten zu spannenden Diskussionen. Wie kann CMD auf der Intensivstation diagnostiziert werden? Was ist zu tun, wenn der Patient nicht auf äußere motorische Reize reagiert, es aber trotzdem Hinweise auf ein erhaltenes Bewusstsein gibt?
Hochkarätige Podiumsdiskussion beim Präsidentensymposium
„Die ANIM ist als ursprüngliche Arbeitsgemeinschaft der Neurointensivmedizin das optimale Forum, sich hier auszutauschen und mit Ideen zu vernetzen“, betonte Prof. Dr. Oliver Müller, der das Präsidentensymposium als „ideale Gelegenheit zum Austausch über die brennenden Themen von Kostendruck, Personalmangel und Aufrechterhaltung einer höchsten medizinischen Qualität“ nutzte und mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion besetzte.
Neben Prof. Dr. Waltraud Pfeilschifter (DSG), Prof. Dr. Peter Schramm, (DGNR), Prof. Dr. Lars Timmermann (DGN) und Dr. Michael Weber, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) nahm Prof. Dr. Thomas Westermaier an der kontroversen Diskussion zum sogenannten Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und seinen Auswirkungen auf die NeuroIntensiv- und Notfallmedizin teil und fragte: „Droht es ein Verschlechterungsgesetz für unsere Fachgebiete zu werden, weil kleinere Kliniken schließen müssen?“ Neben dem Thema Krankenhausreform wurde auch die Rolle neurovaskulärer Zentren und Netzwerke diskutiert.
Rückblick und Preisverleihungen
Mit einem besonderen Rückblick zur Bedeutung von ANIM und DGNI für die Entwicklung der NeuroIntensiv- und Akutmedizin setzte Prof. Dr. med. Dr. h.c. Werner Hacke ein starkes Signal für Forschung, Lehre und klinische Exzellenz. Unterlegt mit lauter Rockmusik, sah der pensionierte Neurologe auf die frühen Anfänge der Neurointensivmedizin zurück und hob in seinem Vortrag die unbedingte Notwendigkeit für Überleben und Outcome der Patienten auf der Intensivstation hervor.
Bei den feierlichen Preisverleihungen der DGNI wurden Prof. Dr. Patrick Schramm, Gießen und Marburg und Dr. Stefan Wolf, Berlin, mit dem Neurointensivpreis der DGN und der DGNI geehrt. Dr. Tobias Mederer, Regensburg, bekam den DGNI Nachwuchsförderungspreis und Dr. Ilko Maier, Göttingen, den DGNI Zukunftspreis.
Außerdem wurden sechs ANIM-Posterpreise verliehen.
Ausblick auf die ANIM 2027
Die ANIM 2026 endete mit großem Zuspruch und intensiven Gesprächen. Aus dem umfassenden und vielfältigen Programm mit wissenschaftlichen Symposien, Fortbildungskursen, Skills Labs, Workshops und Gesellschaftssymposien der ADNANI, IGNITE, DGNC, DGNR und DEGUM, der DSG Stroke Winterschool und Diskussionen zu aktuellen Fragen aus Forschung, Pflege und klinischer Praxis konnten die Teilnehmenden viele Impulse für ihren Klinikalltag und Anregungen für Forschung und interprofessionelle Zusammenarbeit mitnehmen. Der nächste einzigartige Austausch findet vom 21. bis 23. Januar 2027 in Berlin bei der ANIM 2027 statt, zu der Kongresspräsident Prof. Thomas Westermaier herzlich einlädt.
Prof. Matthias Klein, Präsident der DGNI, bei der Eröffnung der 40. Jubiläumstagung zur Neurointensi ...
Quelle: Helge Schubert
Copyright: Conventus
ANIM 2026: Interdisziplinäre Diskussionen beim Jubiläumskongress der Deutschen Gesellschaft für Neur ...
Quelle: Helge Schubert
Copyright: Conventus
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
überregional
Wissenschaftliche Tagungen, wissenschaftliche Weiterbildung
Deutsch

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