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23.03.2026 14:13

Neue Funde bringen alte Theorie ins Wanken

Stephan Laudien Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Internationales Grabungsteam findet Nachweise für frühmenschliche Besiedlungen in der arabischen Wüste

    Die Expansion des modernen Menschen aus Afrika verlief vermutlich anders, als bislang gedacht: Entgegen bisheriger Annahmen war Südostarabien während des späten Pleistozäns wiederholt von Menschen besiedelt. Einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Jena, Freiburg und Tübingen sowie der Oxford Brookes University (England) gelang in einer Kooperation mit der Sharjah Archaeology Authority der Nachweis menschlicher Besiedlung bei Ausgrabungen am Buhais Rockshelter im Emirat Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate). Wie der Projektleiter Dr. Knut Bretzke von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sagt, lassen die Funde verschiedene Besiedlungsphasen erkennen: Vor etwa 125.000 Jahren, vor 59.000, 35.000 und 16.000 Jahren. Seine Ergebnisse hat das Forschungsteam jetzt im Journal „Nature Communications“ veröffentlicht.

    Neue Funde widerlegen eine alte Theorie
    „Bislang wurde angenommen, dass in dieser Region während der letzten Eiszeit keine menschliche Besiedlung möglich war“, sagt Knut Bretzke. Zu trocken und damit lebensfeindlich sei die Region in dieser Phase gewesen. Die jetzt ausgewerteten Funde werfen diese Theorie jedoch über den Haufen. Sie legen nahe, dass das Felsdach Buhais Rockshelter immer wieder ein geeigneter Aufenthaltsort für Gruppen umherstreifender Jäger und Sammler war. In einer Sedimentfalle unterhalb des Felsdaches überdauerten Reste von Steinwerkzeugen, deren Alter bestimmt werden konnte. Wie Knut Bretzke erläutert, lassen sich unterschiedliche Sedimentschichten mit Steinartefakten klar voneinander unterscheiden. Diese Schichten erstrecken sich bis in eine Tiefe von 1,70 Meter. Sie zeigen, dass Menschen über Zehntausende von Jahren hinweg immer wieder in diese Region zurückkehrten.

    Südarabien war während der letzten Eiszeit nicht durchgängig unwirtlich
    „Unsere paläoökologischen Daten zeigen eindeutige Hinweise auf eine erhöhte Wasserverfügbarkeit zu Zeiten, als Menschen das Felsdach bewohnten“, sagt Prof. Dr. Adrian Parker von der Oxford Brookes University. Feldforschungen deuteten darauf hin, dass Phasen mit feuchteren Bedingungen die heutige Wüste in einen lebensfreundlicheren Lebensraum verwandelten, in dem Menschengruppen existieren konnten. Es ist ein Beleg dafür, dass Südarabien während der letzten Eiszeit nicht durchgängig unwirtlich war, so Adrian Parker.

    Die bekannten Modelle zur Ausbreitung des Menschen gehören überprüft
    „Jetzt liefern unsere Erkenntnisse die empirische Grundlage, die bekannten Modelle zur Ausbreitung des Menschen in Wüstengebieten rigoros zu überprüfen“, sagt Dr. Knut Bretzke. Es sei notwendig, lokale Gegebenheiten stärker in den Blick zu nehmen. Dazu gehörten die lokale Grundwassersituation und die davon abhängige Vegetation. Beides seien Voraussetzungen für ein Überleben von Menschengruppen. Die Funde vom Buhais Rockshelter ergänzen frühere Entdeckungen aus dem nahegelegenen Jebel Faya und erweitern die bekannten Belege für eine frühe Anwesenheit von Menschen in Südostarabien auf den Zeitraum zwischen 210.00 bis 16.000 Jahren vor heute.
    Das Gebiet um die Fundstellen ist jetzt Weltkulturerbe
    Der Buhais Rockshelter ist ein natürliches Felsdach aus Kalkgestein, das Schutz vor der Sonne, dem Wetter und partiell vor Raubtieren bot. Die dort zurückgelassenen Steinwerkzeuge wurden mit Sand verweht, herabfallende Steine versiegelten gewissermaßen die Artefakte. So konnte sich über die Jahrtausende eine feste Sedimentschicht bilden, in der die Steinartefakte wie in einer Zeitkapsel überdauerten. Die Datierung der Funde gelingt mit einem Lumineszenzverfahren, bei dem ermittelt wird, wann die jeweilige Schicht das letzte Mal dem Sonnenlicht ausgesetzt war. Wegen der außergewöhnlichen archäologischen Funde und des gut erhaltenen paläoökologischen Kontextes wurde die Paläolandschaft von Faya inklusive des Buhais Rockshelter und der Fundstätte Jebel Faya 2025 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Knut Bretzke
    Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Löbdergraben 24a, 07743 Jena
    Telefon: 03641 / 944794
    E-Mail: knut.bretzke(at)uni-jena.de


    Originalpublikation:

    Knut Bretzke, Seolmin Kim, Sabah Jasim, Eisa Yousif, Frank Preusser, Gareth W. Preston, Francesco Pallotino und Adrian Parker: Evidence from Buhais Rockshelter for human settlement in Arabia between 60.000 and 16.000 years ago, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-026-70681-z


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-jena.de


    Bilder

    Der Buhais Rockshelter diente Vormenschen temporär als Lagerplatz.
    Der Buhais Rockshelter diente Vormenschen temporär als Lagerplatz.
    Quelle: Knut Bretzke/Uni Jena


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Kooperationen
    Deutsch


     

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