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26.03.2026 09:37

Jede Menge Elefantenfleisch: Forschungsteam findet Nachweise für Jagderfolg des Neandertalers von Lehringen

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Eine Mergelgrube nahe Lehringen in Niedersachsen im Jahr 1948: Ein Schuldirektor legt mit Helfern in 125.000 Jahre alten Ablagerungen der letzten Warmzeit das Skelett eines Waldelefanten frei. Er ahnt nicht, dass er einer Sensation auf der Spur ist: Zwischen den Rippen entdeckt das Team eine vollständige Holzlanze des Neandertalers. Nach der Entdeckung sind sich viele Forschende einig, dass der gemeinsame Fund von Skelett und Lanze von einer erfolgreichen Großwildjagd zeugt. Später gibt es Zweifel, ob eine originale Situation erhalten geblieben ist.

    Ein Team der Universität Göttingen und des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) hat die Rolle des Neandertalers für die Ablagerungen nun erstmals systematisch untersucht. Zahlreiche Schnittspuren an den überlieferten Rippen belegen demnach, dass Neandertaler den Elefanten vor Ort zerlegt haben. Damit sei es wahrscheinlich, dass die Lanze zwischen den Rippen ein Jagdereignis bezeugt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

    Der Lage der Schnittspuren nach öffneten die Neandertaler die Bauchhöhle des Elefanten, entnahmen die Organe und versorgten sich reichlich mit Nahrung. Der rund 30 Jahre alte Bulle konnte mit 3.500 Kilogramm Fleisch, Organen und Fett eine größere Gruppe über längere Zeit versorgen. Der Elefant gilt als prominentester Vertreter vergangener Warmzeiten, mit etwas höheren mittleren Jahrestemperaturen als heute und dichten Laubwäldern. Zusätzlich wurden in Lehringen an einem ehemaligen Seeufer pflanzliche Überreste und rund 2.000 Knochen von 16 Tierarten gefunden, darunter Fische, Vögel und Schildkröten. Das Forschungsteam entdeckte auch Nachweise für die Zerlegung eines Auerochsen. Er war mit einer Widerristhöhe von bis zu 1,8 Metern ebenfalls gefährlich und fleischreich. Zerlegungsspuren an Knochen eines Braunbären weisen hingegen auf die Nutzung seines Knochenmarks hin. Und an Biberknochen fand das Team Schnittspuren von der Fleisch- und Pelzgewinnung.

    Mit den Ergebnissen lässt sich der Fund neu bewerten: „Allem Anschein nach hielt sich der Neandertaler in Lehringen über einen langen Zeitraum immer wieder am See auf und verfolgte eine vielfältige Jagdstrategie“, sagt Ivo Verheijen vom NLD, Erstautor der Studie. „Nicht nur die Gewinnung großer Fleischmengen war wichtig, sondern auch von Knochenmark und Biberpelz.“ Mit Holzwaffen, umfangreichem Wissen und kooperativem Verhalten beherrschte der Neandertaler die Jagd auf das gesamte Spektrum der warmzeitlichen Tierwelt. Er erscheint zwar als ausgeprägter Fleischesser, nutzte aber wohl auch Fisch, Muscheln und das pflanzliche Nahrungsangebot am See, vermuten die Forschenden.

    Prof. Dr. Thomas Terberger, Projektleiter am NLD und Professor am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen, ist begeistert: „Die 1948 unter schwierigen Bedingungen geborgenen Funde liefern über 75 Jahre nach ihrer Entdeckung einen entscheidenden Baustein zu einem modernen Verständnis des Neandertalers, der bereits vor 125.000 Jahren ein dem später auftretenden anatomisch modernen Menschen ebenbürtiger Jagdstratege war.“

    Die aktuelle Untersuchung wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziell unterstützt. Sie erfolgt in Kooperation mit dem Museum Domherrenhaus e.V. in Verden und der vom Land Niedersachsen geförderten Initiative „Klimawandel und früher Mensch im Norden“, an der sich unter anderem die Universität Göttingen und das NLD beteiligen, um Niedersachsens eiszeitliches Kulturerbe zu erforschen. Mehr Informationen dazu sind unter www.ccehn.de zu finden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Thomas Terberger
    Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
    Scharnhorststraße 1, 30175 Hannover
    und
    Georg-August-Universität Göttingen
    Seminar für Ur- und Frühgeschichte
    Nikolausberger Weg 15, 37073 Göttingen
    E-Mail: thomas.terberger@phil.uni-goettingen.de

    Ivo Verheijen
    Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
    Scharnhorststraße 1, 30175 Hannover
    Telefon: 0531 1225-5007
    E-Mail: Ivo.Verheijen@NLD.Niedersachsen.de


    Originalpublikation:

    I. Verheijen, G. Di Maida, G. Russo, T. Terberger. Faunal exploitation at the elephant hunting site of Lehringen, Germany, 125,000 years ago. Scientific Reports (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-42538-4


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=8117 weitere Fotos


    Bilder

    Die Zeichnung illustriert, wie Neandertaler den Elefanten zerlegt haben: Mit Geräten aus Feuerstein brachen sie die dicke Haut auf, um dann Organe und Fleisch herauszulösen. Die Jagd eines solchen Bullen konnte nur als gut organisierte Gruppe gelingen.
    Die Zeichnung illustriert, wie Neandertaler den Elefanten zerlegt haben: Mit Geräten aus Feuerstein ...
    Quelle: Tom Björklund, NLD
    Copyright: Tom Björklund, NLD


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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