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27.03.2026 12:13

DESYs Zukunftsprojekt PETRA IV überzeugt den Wissenschaftsrat: bestes Vorzeichen für eine politische Entscheidung

Dr. Thomas Zoufal Presse und Kommunikation
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

    Ein heute veröffentlichtes Gutachten des Wissenschaftsrats hebt die besondere Relevanz des Forschungsgroßgeräts für Deutschland und Europa hervor. Die äußerst positive Bewertung durch das Expertengremium dient als Entscheidungsgrundlage für das Bundesforschungsministerium.

    Das Forschungszentrum DESY hat mit seinem Zukunftsprojekt PETRA IV im nationalen Priorisierungsverfahren für umfangreiche Forschungsinfrastrukturen einen weiteren Meilenstein erreicht: Der Wissenschaftsrat empfiehlt PETRA IV in seinem Gutachten insgesamt „als ein wissenschaftlich hoch relevantes, international herausragendes und für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland strategisch bedeutendes Vorhaben.“

    Dazu Prof. Beate Heinemann, Vorsitzende des DESY-Direktoriums: „Der Wissenschaftsrat hat sich mehr als deutlich positioniert, und das freut mich riesig! Der Bericht stellt die wesentliche Bedeutung von PETRA IV für den Wissenschaftsstandort Deutschland heraus, und macht deutlich, wie wichtig die Anlage für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas in zentralen Zukunftsfeldern wie Halbleitertechnologie, Klimaschutz, nachhaltiger Mobilität und Präzisionsmedizin ist. Mein Dank gilt allen Mitarbeitenden bei DESY, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, sowie dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg für die langjährige Unterstützung bei der Vorbereitung des Projekts.“

    Zum Verfahren: Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hatte im letzten Jahr in einem Priorisierungsverfahren eine Liste von umfangreichen Forschungsinfrastrukturen erstellt („Shortlist“), die als Anlagen von nationaler Bedeutung eingestuft wurden, unter ihnen PETRA IV. Im Dezember 2025 besuchte dann eine vom Wissenschaftsrat eingesetzte 12-köpfige Arbeitsgruppe DESY in Hamburg, um das Projekt vor Ort zu prüfen. Das darauf basierende Gutachten des Wissenschaftsrats ist jetzt veröffentlicht. Auf seiner Basis wird das BMFTR eine abschließende Entscheidung zur Finanzierung des PETRA IV-Projekts treffen.

    Als Röntgenlichtquelle der vierten Generation wird PETRA IV weltweit einzigartige Forschungsmöglichkeiten bieten, um Vorgänge im Nano-Bereich zu analysieren. Mit dem hochbrillanten Röntgenstrahl entstehen 500-fach detailreichere 3D-Strukturbilder als bei der jetzigen Anlage PETRA III. Die hohe räumliche Auflösung wird ergänzt durch die vierte Dimension der Zeit. Damit lassen sich Naturphänomene in Werkstoffen, biologischen Systemen und chemischen Reaktionen bis aufs Molekül genau in ihrer natürlichen Umgebung beobachten und sogar „live“ filmen.

    Prof. Britta Redlich, DESY-Direktorin für den Bereich Forschung mit Photonen: „Der ausgezeichnete Bericht des Wissenschaftsrats stimmt mich sehr zuversichtlich, dass zugunsten von PETRA IV entschieden wird. Im Dezember konnten wir in intensiven Gesprächen unsere Forschungsanlage vorstellen und die Relevanz von PETRA IV für Wissenschaft und Innovation diskutieren. Die visionäre Ausrichtung und das transformative Servicemodell werden eine völlig neue Klasse von Experimenten für unterschiedlichste Forschungsfragen ermöglichen.“

    Der Bericht des Wissenschaftsrats bestätigt das Potenzial von PETRA IV, Durchbrüche mit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wirkung zu ermöglichen – etwa bei der Entwicklung und Verbesserung nachhaltiger Energiematerialien und Batterien, bei grünen katalytischen Prozessen für eine klimaneutrale chemische Industrie, durch hochauflösende Einblicke in biologische Strukturen zur Bekämpfung von Krankheiten sowie durch die zerstörungsfreie 3D-Charakterisierung moderner Mikroelektronik für sichere und energieeffiziente Informationstechnologien.

    Als ein besonderes strategisches Innovations-Highlight hebt der Wissenschaftsrat die Entwicklung einer „Laser-Plasma-Injektion“ für PETRA IV hervor. Damit würde die Beschleunigung von Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit mit drastisch geringerem Energie- und Platzaufwand möglich als bei vergleichbaren Anlagen. Die Planung dieses weltweit einzigartigen Features hat auch zu der hervorragenden Bewertung beigetragen.

    Prof. Wim Leemans, Direktor des DESY-Beschleunigerbereichs: „Unser ‚Moonshot‘-Projekt – ein innovativer Plasmainjektor für PETRA IV – bildet einen entscheidenden Fortschritt in der weltweiten Entwicklung dieser Beschleunigertechnologie. Mit DESYs einzigartigem Know-how sind wir hervorragend aufgestellt, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen und eine wegweisende Technologie in PETRA IV zu verankern.“

    Außer vom hohen Forschungs- und Innovationspotenzial zeigte sich der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten insbesondere von der fundierten und detaillierten Projektplanung beeindruckt. So könnte das ehrgeizige Projekt bei einer zügigen positiven Entscheidung des BMFTR bereits 2027 starten und ab etwa 2032 Röntgenlicht für wissenschaftliche Experimente bereitstellen. Für die Umsetzung des Gesamtprojekts werden verteilt über neun Jahre rund 1,8 Milliarden Euro kalkuliert, basierend auf Kennzahlen aus 2025. Die Anlage wird mehr als drei Jahrzehnte in Betrieb sein. Es wird erwartet, dass pro Jahr rund 10 000 Forschende Untersuchungen mit PETRA IV durchführen werden.

    Schon seit rund 10 Jahren bereiten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie viele weitere Mitarbeitende bei DESY auf den Projektstart vor. Unter anderem in einem Vorbereitungsprojekt wurden bereits erste Prototypen entwickelt, umfangreiche Planungen zum Bau, zur technischen und wissenschaftlichen Umsetzung erarbeitet. Ein großes Anliegen dabei: In Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden für die Zukunft eine agile und flexible Arbeitsweise in dem umfangreichen Projekt zu erreichen. „Wir sind startklar und warten gespannt auf die Genehmigung des Ministeriums. Es wird eine spannende Zeit, wir sind gut vorbereitet und ich freue mich darauf, mit dem Bau zu beginnen“, sagt PETRA IV-Projektleiter Dr. Harald Reichert.


    Weitere Informationen:

    https://www.wissenschaftsrat.de/download/2026/3152-26 Stellungnahme des Wissenschaftsrats zu PETRA IV


    Bilder

    Visualisierung der geplanten Synchrotronlichtquelle PETRA IV auf dem DESY-Campus.
    Visualisierung der geplanten Synchrotronlichtquelle PETRA IV auf dem DESY-Campus.
    Quelle: ScienceCommunicationLab f. DESY
    Copyright: DESY

    Für die Experimente an PETRA IV wird eine rund 600 Meter lange unterirdische Experimentierhalle gebaut.
    Für die Experimente an PETRA IV wird eine rund 600 Meter lange unterirdische Experimentierhalle geba ...
    Quelle: ScienceCommunicationLab f. DESY
    Copyright: DESY


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Energie, Physik / Astronomie, Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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