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30.03.2026 15:32

Hochschule Biberach beruft Prof. Dr.-Ing. Philipp Wiehle auf CZS Stiftungsprofessur für Bauen mit regionalen Baustoffen

Anette Schober-Knitz Hochschulkommunikation und Marketing
HBC Hochschule Biberach

    Die Hochschule Biberach (HBC) stärkt ihr Profil im nachhaltigen Bauen und beruft Prof. Dr.-Ing. Philipp Johannes Wiehle (* 1982) auf die von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderte CZS Stiftungsprofessur „Nachhaltige Nutzung regional gewinn- und erzeugbarer Werkstoffe im Bauwesen“. Die mit bis zu 1,8 Millionen Euro über fünf Jahre ausgestattete Professur ist an der Fakultät Bauingenieurwesen und Projektmanagement angesiedelt.

    Die Professur fügt sich in die strategische Weiterentwicklung der Hochschule ein: Bereits heute forscht die HBC interdisziplinär daran, wie das Bauen nachhaltiger werden kann und wie sich der immense Ressourcenverbrauch des Bausektors reduzieren lässt. Das Institut für Holzbau arbeitet u.a. zu innovativen Lehmbauweisen und anderen biobasierten Baustoffen und hat mit dem ersten „Earth Builder Summit“ 2025 eine Plattform geschaffen, die Expert*innen zum Bauen mit Lehm und weiteren regionalen Materialien zusammenbringt. Die Berufung von Philipp Wiehle knüpft unmittelbar an diese Aktivitäten an und verschränkt sie mit der langjährigen Holzbaukompetenz der HBC zu einem integralen Ansatz für biobasiertes Bauen.

    Zu den wesentlichen Rohstoffen, die für ein nachhaltigeres Bauen in Deutschland zur Verfügung stehen, gehören Holz, Lehm und Stroh. Während Holz als Bauweise inzwischen etabliert ist, gelten Lehm und Stroh als tragende Baustoffe häufig noch als Nischenanwendung. Es fehlen belastbare Datengrundlagen, normative Bemessungsmodelle und somit eine baurechtliche Einordnung, die über experimentelle Projekte hinausgeht. Genau hier setzt die Stiftungsprofessur an: In Forschungsvorhaben sollen tragende Lehmbauweisen wie Lehmmauerwerk und Stampflehm weiterentwickelt und normativ eingeordnet, die Bio-Stabilisierung von Lehmbaustoffen untersucht und tragfähige Konstruktions- und Bemessungsmodelle für den Strohballenbau erarbeitet werden.

    Dazu werden experimentelle und numerische Daten erhoben, die als Grundlage für die Bemessung dienen und nationale wie europäische Normung erweitern sollen. Auf dieser Basis können Lehm und Stroh schrittweise aus der Nische der Einzelgenehmigungen herausgeführt und zu regulären Bauweisen entwickelt werden. Im Bereich Stroh geht es darum, Tragmodelle zu etablieren, die die spezifischen Eigenschaften des Materials – von der Pflanzenart über die Faserstruktur bis zur Verarbeitung zu Ballen – berücksichtigen und einen standardisierten Einsatz ermöglichen. Ziel ist, dass Lehm und Stroh mittelfristig als echte Alternativen zu Stahlbeton und Mauerwerk zur Verfügung stehen und so einen spürbaren Beitrag dazu leisten, CO₂-Emissionen und Abfallmengen im Bauwesen zu reduzieren.

    Für Philipp Wiehle ist dieser Wandel unausweichlich. Der Bausektor gehöre zu den größten Ressourcenverbrauchern weltweit, betont er, und ein „Weiter so“ mit konventionellen Baustoffen sei angesichts Klimakrise, Energieunsicherheit und Wohnungsbedarf keine Option. Es brauche eine „disruptive Entwicklung“, die den Wohnungsbau in klimaverträgliche und ressourcenschonende Bahnen lenke. Gerade regionale, biobasierte Baustoffe wie Holz, Lehm und Stroh böten hier enorme Potenziale, wenn sie mit dem Wissen und den Technologien der Gegenwart kombiniert würden. Rückblicken heiße in diesem Zusammenhang nicht zurückschreiten: Die Erfahrungen mit Holz, Lehm und Stroh seien Jahrtausende alt, doch aus ihnen ließen sich zeitgemäße, dauerhafte und kreislauffähige Bauweisen entwickeln, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen. Welche Innovationen, die HBC in diesem Bereich bereits vorantreibt, wird auch beim HBC. Innovationsforum am 17. April sichtbar.

    In der Lehre möchte Wiehle klassische Frontalformate aufbrechen und stärker auf kooperative und projektorientierte Formate setzen. Interdisziplinäre Reallabore, in denen Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens gemeinsam an realen Fragestellungen aus Holz-, Lehm- und Strohbau arbeiten, sollen Bestandteil des Studiums werden. Wichtig ist ihm eine offene Fehler- und Feedbackkultur: Lernprozesse sollen sichtbar werden dürfen, Experimente sind ausdrücklich erwünscht.

    Das Bauen hat Wiehle selbst von der Pike auf gelernt. Seine handwerkliche Ausbildung als Zimmerer verbindet er mit wissenschaftlicher Exzellenz und internationale Erfahrung. Das Studium des Bauingenieurwesen absolvierte er an der Technischen Universität Berlin (Bachelor und Master), als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er an der ETH Zürich und am Future Cities Laboratory Singapur tätig sowie an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. Dort vertiefte er seine wissenschaftliche Expertise, u.a. über seine Promotion zum Thema „Einfluss der Feuchtigkeit auf das Tragverhalten von Lehmmauerwerk“. Seit Januar 2025 ist er zudem als Leiter Forschung und Entwicklung bei einem Hersteller von Lehmbaustoffen tätig.

    Über die Carl-Zeiss-Stiftung
    Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert Wissenschaft und Lehre in den MINT-Disziplinen
    Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Als Partnerin exzellenter
    Wissenschaft ermöglicht sie Freiräume für Grundlagen- und anwendungsorientierte
    Forschung. Die Stiftung wurde 1889 von Ernst Abbe in Jena gegründet und ist heute eine
    der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie
    ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und der SCHOTT AG. Ihre Fördertätigkeit wird aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Peof. Dr-Ing. Philipp Wiehle - wiehle@hochschule-bc.de


    Weitere Informationen:

    https://www.hochschule-biberach.de


    Bilder

    Prof. Dr.-Ing. Philipp Wiehle hat die CZS Stiftungsprofessur „Nachhaltige Nutzung regional gewinn- und erzeugbarer Werkstoffe im Bauwesen“ an der HBC inne
    Prof. Dr.-Ing. Philipp Wiehle hat die CZS Stiftungsprofessur „Nachhaltige Nutzung regional gewinn- u ...
    Quelle: Foto: HBC/Nico Schlegel


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Bauwesen / Architektur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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