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31.03.2026 09:53

DFG will besseren Schutz von Forschungsdateninfrastrukturen

Marco Finetti Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

    Senats-Arbeitsgruppe legt Empfehlungen zur Resilienz gegenüber zunehmenden Bedrohungen vor / Appell an Wissenschaft und Politik zu gemeinsamem Handeln

    Forschungsdaten und ihre Infrastrukturen müssen nach Ansicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) künftig weitaus besser gegen zunehmende Bedrohungen verschiedenster Art geschützt werden. Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe des Senats der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Einrichtung für die Selbstverwaltung der Wissenschaft in Deutschland hat dazu jetzt „Empfehlungen zur Resilienz von Forschungsdateninfrastrukturen“ formuliert. Diese richten sich an Wissenschaftler*innen, Fachgesellschaften und Förderorganisationen sowie an die Politik und zielen auf gemeinsame Initiativen der Akteure ab.

    Das Papier ist die erste Stellungnahme der aus Mitgliedern des DFG-Senats und -Präsidiums bestehenden Arbeitsgruppe unter der Leitung der Vizepräsident*innen Professorin Dr. Britta Siegmund und Professor Dr. Johannes Grave. Sie war im vergangenen Jahr eingesetzt worden, um auf verschiedenen Feldern Vorschläge zur Resilienz der Wissenschaft und des Wissenschaftssystems gegenüber aktuellen Herausforderungen zu erarbeiten.

    Die jetzige Veröffentlichung erfolgt vor einem doppelten Hintergrund: Forschungsdaten haben zum einen eine immer größere Bedeutung für nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen und sind längst „zentrale Ressourcen von strategischer Bedeutung für Forschung, Innovation und Wissenssouveränität“, wie es in dem Papier heißt.

    Zugleich jedoch werden die Daten und speziell die hochtechnisierten digitalen Infrastrukturen zu ihrer Verarbeitung und Bereitstellung immer verwundbarer und die Zahl und Intensität externer Bedrohungen haben erheblich zugenommen: „Cyberangriffe, institutionelle Krisen, ideologisch motivierte Förderentscheidungen sowie geopolitische Spannungen insgesamt können zur Manipulation von Daten, zu massiven Datenverlusten oder auch zum Verlust des Zugangs zu Daten führen“, konstatiert die Arbeitsgruppe und nennt als aktuelle Beispiele für Einschränkungen in den USA angesiedelte lebenswissenschaftliche und medizinische Daten und Publikationsdatenbanken (GenMed und PubMed) sowie Datenprogramme zur Klima- und Umweltforschung.

    Vor diesem Hintergrund ruft die DFG-Senats-AG Politik und Wissenschaft zu einer strategisch angelegten und dauerhaften Sicherung von Forschungsdateninfrastrukturen auf. „Die Finanzierung der Forschungsdateninfrastruktur sollte in zentralen Bereichen als Teil der Daseinsvorsorge und damit als nationale Kernaufgabe begriffen werden, die nicht ausschließlich privaten oder wettbewerblichen Akteuren überlassen werden darf“, heißt es in dem Papier, das auch Bezug nimmt auf die Aufnahme der Sicherung von Datenbeständen in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung und auf aktuelle Debatten im Deutschen Bundestag.

    Einen ersten wichtigen Schritt sieht die Arbeitsgruppe in der Verstetigung bereits bestehender Initiativen, nicht zuletzt der Ende 2025 gestarteten „Förderinitiative zur Sicherung von Datenbeständen und zur Datenresilienz“, die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert und von der DFG administriert wird. Auch Konsortien wie die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) böten Ansatzpunkte.

    Längerfristig solle die Finanzierung einer resilienten Dateninfrastruktur aber weder auf eine einzelne Förderorganisation noch auf einen einzelnen europäischen Nationalstaat konzentriert werden. Vielmehr müssten, auch unter Einbeziehung von weiteren Bundesministerien und von Stiftungen, Modelle für eine länderübergreifende europäische und internationale Finanzierung entwickelt werden. Hierbei müsse es auch um den Einsatz hoch qualifizierten Personals gehen, dessen Abwanderung in die Privatwirtschaft vorgebeugt werden müsse.

    Die einzelnen Wissenschaftler*innen wiederum, so die Arbeitsgruppe, sollten in gleicher Weise adäquat und souverän mit ihren eigenen Forschungsdaten umgehen, indem sie disziplinenspezifische Standards und überregionale Infrastrukturen für deren Beschreibung, Archivierung und Kuratierung nutzten. Zudem könne der reflektierte Einsatz von Open-Source-Produkten europäischer Herkunft dazu beitragen, die Abhängigkeiten von kommerziellen Produkten zu reduzieren und zu einer umfassenderen digitalen Souveränität zu kommen.

    Wissenschaftliche Fachgesellschaften und -verbände schließlich sollten sich nach Ansicht der Arbeitsgruppe künftig auf nationaler und auch internationaler Ebene sowohl untereinander als auch mit den entsprechenden Infrastruktureinrichtungen intensiver abstimmen, um so konkrete Maßnahmen zum Aufbau einer resilienten Dateninfrastruktur entwickeln zu können.

    Weiterführende Informationen

    Medienkontakt:
    Marco Finetti, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2109, presse@dfg.de

    Ansprechpersonen in der DFG-Geschäftsstelle:
    Dr. Anne Brüggemann, Tel. +49 228 885-2213, anne.brueggemann@dfg.de
    Kathrin Kohs, Tel. +49 228 885-2935, kathrin.kohs@dfg.de


    Weitere Informationen:

    https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2026/ifw-26... Die Empfehlungen im Wortlaut


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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