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Hochkarätiger Gast an der Universität Würzburg: Der Chemieprofessor Makoto Fujita aus Tokio kommt als Humboldt-Forschungspreisträger ins Team von Professor Frank Würthner.
Die Forschenden am Zentrum für Nanosystemchemie der Universität Würzburg können sich auf einen renommierten Gast freuen: Ab 26. April 2026 hält sich der Chemiker Professor Makoto Fujita von der Universität Tokio für ein halbes Jahr in Würzburg auf. Gefördert wird er mit einem der renommierten Forschungspreise der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
Makoto Fujita ist ein Wegbereiter der metallosupramolekularen Chemie: Auf diesem Gebiet geht es um Moleküle, die sich mittels koordinativen Bindungen zu größeren Komplexen zusammenlagern – und die dann oft sehr spezielle Funktionen ausüben können.
Käfige und Netzwerke mit kleinen Hohlräumen
Der japanische Professor synthetisierte im Jahr 1990 das erste molekulare Quadrat durch Koordination von 4,4‘-Bipyridin-Einheiten an Pd(II)-Ecken. Darauf aufbauend konnte er in den folgenden Jahrzehnten mit seiner Gruppe Polyeder enormer Größe aus einfachsten Bausteinen aufbauen.
Der Clou an diesen großen Molekülen: Sie bilden Hohlräume, in denen andere Moleküle wie in einer kleinen Box eingeschlossen werden können. Das eröffnet viele Anwendungsmöglichkeiten – etwa als Sensoren für schädliche Stoffe oder in der Katalyse als künstliche Reaktionsräume, in denen chemische Reaktionen schneller oder sauberer ablaufen.
Professor Frank Würthner, Leiter des Zentrums für Nanosystemchemie und des Lehrstuhls für Organische Chemie II, hat den japanischen Wissenschaftler für den Humboldt-Forschungspreis nominiert: „Ich freue mich sehr, dass Professor Fujita unser Team für sechs Monate bereichern wird! Seine Käfigverbindungen könnten sich als Matrixmaterialien für unser Internationales Graduiertenkolleg zur ‚Photoluminescence in supramolecular Matrices‘ eignen.“
Forscher mit ungebrochener Schaffenskraft
Makoto Fujita hat im Lauf der Jahre immer neue metallosupramolekularen Strukturen hergestellt, deren Realisierung in der Fachwelt zuvor als schwierig bis unmöglich galt.
Neben seinen bahnbrechenden Arbeiten zu metallosupramolekularen Quadraten und Polyedern gehörte er auch zu den Ersten, die in den 1990er-Jahren Koordinationsnetzwerke realisierten. Im Jahr 2013 führte er dann die „kristalline Schwamm-Methode” ein. Mit dieser Technik werden nicht kristallisierbare oder lediglich in Spuren vorliegende Moleküle wie Naturstoffe in die poröse kristalline Matrix von metallosupramolekularen Polyedern aufgenommen. Aus den dann zugänglichen kristallographischen Daten lässt sich die Struktur der unbekannten Moleküle ermitteln.
Die Schaffenskraft von Makoto Fujita, Jahrgang 1957, ist bis heute ungebrochen: Als Distinguished Professor der Institutes for Advanced Study der Universität Tokio arbeitet er daran mit, neue Forschungsrichtungen zu erschließen und innovative Anwendungen der supramolekularen Chemie zu demonstrieren. Den Titel „Distinguished Professor“ bekommen an der Universität Tokio nur ausgewählte Persönlichkeiten, die exzellente internationale Forschungsleistungen erbracht haben.
Gemeinsame Forschung an der JMU
Für den sechsmonatigen Aufenthalt von Makoto Fujita an der JMU ist eine Zusammenarbeit zu zwei Forschungsthemen vereinbart.
Fluoreszierende Farbstoffstapel:
Das erste Projekt untersucht sogenannte π Stapel. Das sind übereinander angeordnete Farbstoffmoleküle, die besondere Leuchteigenschaften haben. Promovierende und Postdocs sind daran interessiert, ihre Farbstoffe in Polyederkäfige von Makoto Fujita einzulagern und daraus neue Materialien für Organische Leuchtdioden (OLED) zu entwickeln.
Strukturanalyse großer Moleküle:
Mehrere Gruppen am Zentrum für Nanosystemchemie arbeiten kristallographisch, also an der Entschlüsselung komplexer Molekülstrukturen. Da der Gastprofessor auf diesem Feld über viel Erfahrung mit sehr großen metallo-supramolekularen Käfigen verfügt, erwarten die Teams Einblicke in methodische Fortschritte sowie in praktische Erfahrungen bei der Kristallzucht.
Über das Zentrum für Nanosystemchemie
Während seines Aufenthalts an der Universität Würzburg wird Professor Fujita sein Büro im Zentrum für Nanosystemchemie haben.
Das Zentrum wurde 2016 vom Freistaat Bayern als KeyLab für supramolekulare Materialien zur Umwandlung von Sonnenenergie gegründet. Es ist Teil des gemeinsamen Forschungsprogramms „Solar Technologies Go Hybrid“ (SolTech) von fünf bayerischen Universitäten (Bayreuth, Erlangen-Nürnberg, LMU und TU München, Würzburg), das derzeit bis Ende 2026 Fördermittel für rund 30 Promovierende erhält.
Am Zentrum für Nanosystemchemie finden auch alle Veranstaltungen des Internationalen Graduiertenkollegs IRTG 2991 „Photoluminescence in Supramolecular Matrices“ statt, das die Universität Würzburg gemeinsam mit dem Indian Institute of Science Education and Research (IISER) Thiruvananthapuram etabliert hat.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Chemie
überregional
Personalia
Deutsch

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