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07.04.2026 10:00

Gefährliche Fehlinformationen: Auf TikTok werden psychische Erkrankungen oft falsch dargestellt

Dr. Milena Hänisch Referat für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Essen

    Auf TikTok wird psychische Gesundheit in vielen Fällen teilweise oder ganz falsch dargestellt, das zeigt eine neue Studie. Von „Symptome einer Angststörung: zu viel essen“ bis zu „Narzissten lieben niemanden“ – solche Aussagen sind in deutschsprachigen TikTok-Videos weit verbreitet. Doch nur knapp jeder fünfte Videoinhalt ist korrekt. Forschende der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen haben 177 Videos mit rund 94 Millionen Aufrufen untersucht und ihre Erkenntnisse kürzlich in „Clinical Psychology in Europe“ veröffentlicht.

    Mehr als die Hälfte der Inhalte ist falsch oder übertrieben
    Von den analysierten Videos wurden nur 19,2 % als korrekt eingestuft. 33,3 % waren falsch, 18,1 % übergeneralisiert (also zu allgemein formuliert, ohne wissenschaftliche Grundlage), und 29,4 % handelten lediglich von persönlichen Erfahrungen und gaben keine wissenschaftlichen oder medizinischen Hintergrundinformationen wieder.

    Expert:innen sind die zuverlässigsten Quellen
    Die Studie zeigt: Videos von Fachleuten wie Ärzt:innen, Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen sind deutlich zuverlässiger. Sie erreichen bessere Bewertungen in Bezug auf Richtigkeit, Klarheit und wissenschaftliche Qualität. Im Gegensatz dazu sind Inhalte von Laien oder sogenannten „Coaches“ oft unzureichend recherchiert und ungenau oder sogar irreführend.

    Junge Menschen sind besonders gefährdet
    Wenn sich Menschen auf TikTok zu ihren eigenen Symptomen informieren wollen und dabei vor allem auf Fehlinformationen stoßen, könnte dies zu falschen Selbstdiagnosen oder einem verzögerten Therapiebeginn führen. Dies könnte vor allem für die zahlreichen jungen Nutzer:innenauf TikTok relevant sein.

    Was können Betroffene und Fachkräfte tun?
    Aaron Mroß, der die Studie zusammen mit Dr. Benedikt Langenbach aus der AG Psychopathologische Forschung unter Leitung von Prof. Dr. Katja Kölkebeck entwickelt und durchgeführt hat, wünscht sich, dass Gesundheitsinstitutionen und Behandler:innen sich stärker als bisher in die sozialen Medien einbringen: „Wenn Fachleute auf Social Media klare, verständliche und ansprechende Inhalte erstellen, könnten sie den Fehlinformationen entgegenwirken.“ „Social Media kann zwar ein wertvolles Forum für den Austausch sein, es ist aber kein Ersatz für medizinische bzw. psychotherapeutische Beratung und Diagnostik“, ergänzt Dr. Langenbach, der Letztautor der Studie. „Umso wichtiger ist es, dass medizinische Expert:innen und Berufsverbände dort qualitativ hochwertige Informationen anbieten, damit Patient:innen möglichst schnell eine für sie passende Behandlung finden können.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Benedikt Langenbach


    Originalpublikation:

    Link zur Originalveröffentlichung:
    Insufficient quality of mental health information on German-speaking TikTok: A content analysis
    https://cpe.psychopen.eu/index.php/cpe/article/view/17279


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-due.de/med/meldung.php?id=1914


    Bilder

    Aaron Mroß (links) und Dr. Benedikt Langenbach (rechts)
    Aaron Mroß (links) und Dr. Benedikt Langenbach (rechts)

    Copyright: privat

    Prof. Dr. Katja Kölkebeck
    Prof. Dr. Katja Kölkebeck

    Copyright: UDE


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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