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Wissenschaft
Vorschlag für integrierte Ethik auf Grundlage eines aktiven Dialogs, um ethisch verantwortungsvolle Forschung mit embryonalen Modellen auf Stammzellenbasis zu ermöglichen.
Auf den Punkt gebracht:
Integrierte Ethik in der Forschung an Embryonenmodellen basierend auf menschlichen Stammzellen: Ein Team bestehend aus Expertinnen und Experten in der Ethik, des Rechts und der Wissenschaft, darunter Jesse Veenvliet vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, schlägt einen Ansatz zur integrierten Ethik vor, um verantwortungsvolle Forschung im Umgang mit Embryonenmodellen basierend auf menschlichen Stammzellen zu ermöglichen. Auf diese Weise könnten Fortschritte in diesem Bereich gemacht werden, ohne das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gefährden.
Kontinuierlicher Dialog: Die schnellen wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der auf menschlichen Stammzellen basierenden Embryomodelle stellen eine Herausforderung für die traditionellen ethischen Ansätze dar. Die integrierte Ethik ist ein dynamischer, integrativer Ansatz, bei dem Wissenschaft, Ethik und Regulierungsbehörden in einen kontinuierlichen Dialog treten, um laufende Forschungsprojekte ethisch zu bewerten. Auf diese Weise könnte die ethische Überprüfung mit dem wissenschaftlichen Wandel Schritt halten.
Vertrauen und Verantwortung stärken: Mit einem integrierten ethischen Ansatz lässt sich Vertrauen aufbauen; zudem kann er als Instrument der öffentlichen Politik dienen, um sicherzustellen, dass die Forschung an Embryomodellen auf Basis menschlicher Stammzellen sowohl wissenschaftlichen als auch gesellschaftlichen Werten gerecht wird. So kann ethisches Denken zu einem sich weiterentwickelnden Instrument werden, das Innovationen fördert und gleichzeitig das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft bewahrt – insbesondere in sensiblen Bereichen.
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In der Wissenschaft sorgen ethische Richtlinien dafür, dass Forschung im Einklang mit dem öffentlichen Vertrauen und auf verantwortungsvolle Weise durchgeführt wird. Traditionelle Verfahren zur ethischen Begutachtung funktionieren gut bei Projekten, die etablierten Praktiken folgen, bieten jedoch wenig Flexibilität, wenn unerwartete Herausforderungen, neue Ansätze, oder unvorhergesehene Forschungsrichtungen und Ergebnisse aufreten. Für Forschungsarbeiten, die unbekanntes ethisches Terrain betreten, wie beispielsweise Studien mit Embryomodellen auf Basis menschlicher Stammzellen (hSCBEMs), sind herkömmliche Ansätze zur ethischen Begutachtung daher ungeeignet.
Aus pluripotenten Stammzellen erzeugte Embryomodelle auf Basis menschlicher Stammzellen (hSCBEMs) sind ein neues, vielversprechendes Instrument zur Erforschung der frühen menschlichen Entwicklung und für den Fortschritt in der biomedizinischen Forschung. Diese Modelle werden immer komplexer und ähneln echten menschlichen Embryonen zunehmend. Die rasanten Fortschritte auf diesem Gebiet stellen eine Herausforderung dar für Ethikkommissionen, die in der Regel eher langsam reagieren, sowie für die Frage, wie schnell sich Gesetze und Vorschriften anpassen können.
Eine zentrale Herausforderung haben alle neuen, wegweisenden Technologien gemeinsam: Die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen sind noch unbekannt, da nicht alle Anwendungen und Folgen vorhersehbar sind. Für die hSCBEM-Forschung steht das Vertrauen der Öffentlichkeit auf dem Spiel, wenn bestimmte Entwicklungen als ethisch bedenklich empfunden werden; gleichzeitig könnten voreilige oder unnötig strenge Vorschriften, die auf mutmaßlichen Ängsten oder Bedenken beruhen, vielversprechende wissenschaftliche Fortschritte bremsen, noch bevor deren biomedizinischer Nutzen zum Tragen kommt. Es ist daher wichtig, das richtige Gleichgewicht zu finden, indem Innovationen gefördert werden und gleichzeitig ethische Aspekte und das Vertrauen der Öffentlichkeit berücksichtigt werden.
In einem kürzlich in „Nature Cell Biology“ veröffentlichten Fachartikel schlägt eine internationale Gruppe führender Experten für embryonale Modelle auf Stammzellenbasis und deren ethische und rechtliche Implikationen einen neuen Rahmen vor, um die ethische Bewertung direkt in die hSCBEM-Forschung zu integrieren. Die Veröffentlichung wurde von einem vom Europäischen Innovationsrat geförderten Konsortium namens „Engineered Living Materials“ initiiert, dem unter anderem Forschende des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und der Universität Oslo angehören. Anstatt die ethische Bewertung als reine Formalität oder als externes Urteil zu betrachten, plädieren die Autoren für einen Ansatz der integrierten Ethik. Dieses Ethikmodell sieht während des gesamten Forschungsprozesses aktive, gesellschaftsorientierte Diskussionen zwischen Forschung, Ethik, politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit vor. Ansätze der integrierten Ethik haben sich bereits in Forschungsbereichen etabliert, die eine vergleichbar hohe gesellschaftliche Relevanz und ethische Sensibilität aufweisen, wie beispielsweise die künstliche Intelligenz (KI).
Einer der leitenden und korrespondierenden Autoren des vorliegenden Artikels ist Jesse Veenvliet, Forschungsgruppenleiter am MPI-CBG, dessen Forschungsgruppe „Stembryogenesis“ die Entwicklung in der Petrischale nachbildet, um zu verstehen, wie Embryonen sich selbst aufbauen. „Von unserem integrierten ethischen Rahmenwerk profitieren alle Beteiligten. Es hilft Fachleuten aus den Bereichen Ethik und Recht, Wissenschaft aus erster Hand kennenzulernen und die Chancen und Grenzen der Forschung zu verstehen. Es hilft Forschenden, sich in ethischen Fragen zurechtzufinden und sich in politische und gesellschaftliche Debatten einzubringen. Der Gesellschaft wiederum garantiert es, dass wegweisende Forschung verantwortungsvoll erfolgt, wodurch öffentliches Vertrauen aufgebaut und gleichzeitig ein innovatives und wettbewerbsfähiges, aber dennoch verantwortungsbewusstes Forschungsökosystem gefördert wird“, erklärt Jesse Veenvliet.
Um eine wissenschaftlich fundierte und ethisch verantwortungsvolle Forschung mit hSCBEMs zu ermöglichen, bietet die integrierte Ethik einen flexiblen, fortlaufenden Rahmen für Forschung, Ethik und Recht. Im Gegensatz zu herkömmlichen ethischen Genehmigungsverfahren fördert sie einen frühzeitigen und offenen Dialog, der dabei hilft, Herausforderungen zu antizipieren, Entscheidungsprozesse zu lenken und Innovation mit Vorsicht in Einklang zu bringen. Vor allem bietet der vorgeschlagene Ansatz einen praktischen Weg, den iterativen, reaktionsfähigen Überwachungs- und Genehmigungsprozess umzusetzen, der in den neuesten hSCBEM-Richtlinien der International Society for Stem Cell Research (ISSCR) empfohlen wird. Durch die Integration kontinuierlicher ethischer Reflexion in die Konzeption und Durchführung von Experimenten macht die eingebettete Ethik ethische Überlegungen transparent und gemeinsam zugänglich, um verantwortungsvolle Forschung zu unterstützen, öffentliches Vertrauen aufzubauen und sicherzustellen, dass die Wissenschaft im Einklang mit gesellschaftlichen Werten weiterentwickelt werden kann.
Dr. Jesse Veenvliet
veenvlie@mpi-cbg.de
Heidi Beate Bentzen, Maxence Gaillard, Iftach Nachman, Daniel Reumann, Nikolaj Gadegaard, Laurent David, Fredrik Lanner, Naomi Moris, Vincent Pasque, Nicolas Rivron, Berna Sozen, Rosario Isasi, Stefan Krauss & Jesse V. Veenvliet: A guide to using embedded ethics in human stem-cell-based embryo model research. Nat Cell Biol (2026), doi: 10.1038/s41556-026-01909-9
Vergleich zwischen Embryo (links) und einem auf Stammzellen basierenden Embryomodell, das den embryo ...
Copyright: Jesse Veenvliet, MPI-CBG
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Philosophie / Ethik
überregional
Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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