idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
13.04.2026 14:09

Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Afrika: Neues Handbuch bündelt Forschung jenseits westlicher Modelle

Kristin Voigtländer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

    Das Routledge Handbook of Social Cohesion in Africa bietet eine systematische Übersicht zur Forschung über gesellschaftlichen Zusammenhalt auf dem afrikanischen Kontinent. Es zeigt, dass Konzepte aus dem Globalen Norden bei der Analyse oft an Grenzen stoßen. Herausgegeben von Constanze Blum und Ulf Engel (FGZ) sowie Christi van der Westhuizen, bündelt der Band Studien aus verschiedenen Regionen und verbindet Forschung und Praxis. Er stellt afrikanische Konzepte wie ubuntu, Gadaa und asabiyyah vor, die soziale Beziehungen und lokale Ordnungssysteme in den Mittelpunkt rücken, und zeigt zugleich, dass „Zusammenhalt“ kein neutraler Begriff ist, sondern auch Machtverhältnisse stabilisieren kann.

    Mit dem "Routledge Handbook of Social Cohesion in Africa" liegt eine systematische Bestandsaufnahme der Forschung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf dem afrikanischen Kontinent vor. Die Beiträge zeigen: Die Anwendung sozialwissenschaftlicher Konzepte aus dem Globalen Norden kann auf Grenzen stoßen.

    Der Begriff „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ spielt in Politik und Forschung eine zentrale Rolle. Er soll Frieden sichern, Entwicklung fördern und Staaten stabilisieren. Doch oft bleibt unklar, was genau gemeint ist. Hier setzt das Handbuch an. Es zeigt: Es gibt nicht den einen Zusammenhalt. Jede Gesellschaft versteht ihn anders – und auch innerhalb von Gesellschaften gehen die Vorstellungen auseinander.

    Die Herausgeber:innen Constanze Blum und Ulf Engel vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) sowie Christi van der Westhuizen von der University of the Western Cape bündeln Studien aus vielen Regionen Afrikas. Die Beiträge bringen Forschung und Praxis zusammen. Sie machen deutlich: Eine Analyse des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Afrika, die sich lediglich der im Global Norden bewährten analytischen Konzepte bedient, greift zu kurz.

    Das Buch stellt diesen Blick infrage und erweitert ihn. Es führt afrikanische Konzepte ein, die eine andere Art des gesellschaftlichen Zusammenhalts beschreiben. Dazu zählen ubuntu im südlichen Afrika, Gadaa in Äthiopien und asabiyyah in Nordafrika. Sie rücken Gemeinschaft, Verantwortung und lokale Ordnungssysteme in den Vordergrund. So entsteht ein differenzierteres Bild sozialer Wirklichkeit.

    Zugleich bleibt der Band kritisch. Er zeigt: Der Ruf nach „Zusammenhalt“ kann auch Probleme verdecken. In manchen Fällen stabilisiert er bestehende Machtverhältnisse, statt sie zu hinterfragen. Der Begriff ist also nicht neutral.

    „Wir müssen genauer hinschauen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht vor Ort – nicht am Reißbrett“, sagt Constanze Blum. Ulf Engel ergänzt: „Der Begriff wirkt oft harmlos. Doch er ist politisch. Unser Buch zeigt, wo er trägt – und wo er Probleme schafft.“

    Das Handbuch richtet sich an Forschende, politische Entscheidungsträger und Fachöffentlichkeit. Es bietet eine erste systematische Grundlage für die weitere Debatte über gesellschaftlichen Zusammenhalt – in Afrika und darüber hinaus.

    Über das FGZ
    Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) ist ein interdisziplinäres, transferorientiertes und ortsverteiltes Institut. Es besteht seit 2020 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Das FGZ verbindet Grundlagenforschung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt mit anwendungsnaher Forschung zu aktuellen Herausforderungen aus einer Vielfalt an disziplinären Perspektiven.

    Pressekontakt FGZ
    Kristin Voigtländer
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)
    Tel. +49 341 97 37762 | presse@fgz risc.de
    www.fgz risc.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ulf Engel
    Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), Standort Leipzig
    ulf.engel@fgz-risc.de

    Dr. Constanze Blum
    Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), Standort Leipzig
    constanze.blum@fgz-risc.de


    Originalpublikation:

    Blum, Constanze; Engel, Ulf; van der Westhuizen, Christi (Hg.) (2026): Routledge Handbook of Social Cohesion in Africa. London/New York: Routledge. ISBN: 978-1-032-75361-4.

    https://www.routledge.com/Routledge-Handbook-of-Social-Cohesion-in-Africa/Blum-E...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).