idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
14.04.2026 11:21

Datenbank zur Nürnberger Handelsgerichtsbarkeit ist online

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Einzigartige rechtshistorische Quellen zum Handelsplatz Nürnberg in der Frühen Neuzeit sind jetzt online zugänglich – dank eines Forschungsprojekts unter Leitung der Würzburger Juraprofessorin Anja Amend-Traut.

    Nach zehnjähriger Forschungsarbeit ist eine umfassende Datenbank zur Nürnberger Handelsgerichtsbarkeit der Frühen Neuzeit veröffentlicht worden. Sie steht allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung: go.nuernberg.de/datenbank_handelsgerichtsbarkeit

    Die Datenbank ist ein Ergebnis des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Nürnberger Handelsgerichtsbarkeit. Kaufmännische Gutachten, gerichtliche Praxis und ihr Beitrag zur Entwicklung einer handelsrechtlichen Normativität in der Frühen Neuzeit“.

    Juraprofessorin Anja Amend-Traut, Leiterin des Lehrstuhls für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht an der Universität Würzburg, hat das DFG-Projekt von 2015 bis 2025 geleitet.

    Ziel des Projekts war es, die sogenannten Nürnberger Pareres – kaufmännische Gutachten zu handelsrechtlichen Streitfragen – systematisch zu erschließen, der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen und in einem weiteren Schritt wissenschaftlich auszuwerten. Wie die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung schreibt, biete die Datenbank Forscherinnen und Forschern sowie historisch Interessierten einen neuartigen Zugang zu einer in Europa einzigartigen Quellenüberlieferung.

    Einzigartige serielle Überlieferung

    In Nürnberg erstellten die Marktvorsteher als erfahrenste Kaufleute des Handelsplatzes auf Anfrage aus dem In- und Ausland Gutachten zu handelsrechtlichen Fragen und Konflikten. Vergleichbare Expertisen kamen auch aus anderen Handelsstädten wie Frankfurt am Main oder Leipzig.

    Im Unterschied zu diesen Städten sind die Nürnberger Gutachten jedoch in einer nahezu geschlossenen seriellen Überlieferung erhalten: Die sogenannten Pareres-Bücher dokumentieren den Zeitraum von 1628 bis 1806 nahezu vollständig – mit Ausnahme eines verlorenen Bands für die Jahre 1660 bis 1677. Mit rund 1.400 überlieferten Gutachten übertrifft der Bestand vergleichbare Sammlungen anderer Handelsplätze deutlich.

    Ein Abgleich mit den sogenannten Kopierbüchern zeigte zudem, dass die Pareres-Bücher keine vollständige Sammlung darstellen. Daher wurden in dem Projekt auch jene Gutachten erfasst, die ausschließlich in den Kopierbüchern überliefert sind.

    Neue Zugänge durch digitale Erschließung

    Trotz ihres außergewöhnlichen Erhaltungszustands waren die Nürnberger Pareres bislang kaum wissenschaftlich ausgewertet worden. Der Umfang der Überlieferung und der lange Zeitraum erschwerten insbesondere die thematische Recherche und systematische Analyse.

    Hier setzt die Datenbank an: Eine rechtshistorische Verschlagwortung erleichtert das gezielte Auffinden einzelner Sachgebiete. Darüber hinaus sind personengeschichtliche, sozialgeschichtliche und ortsbezogene Recherchen möglich. Die Pareres können sowohl qualitativ-inhaltlich als auch quantitativ ausgewertet werden – bezogen auf einzelne Themenbereiche ebenso wie auf den Gesamtbestand.

    Jeder Datensatz ist mit einem hochauflösenden Scan der Originalquelle verknüpft, der zur besseren Lesbarkeit vergrößert werden kann. Ergänzend stehen Transkriptionen der handschriftlichen Texte zur Verfügung. Damit wird die Arbeit mit den frühneuzeitlichen Quellen erheblich erleichtert und beschleunigt.

    Die digitale Plattform ermöglicht es, Originalscan und Transkription parallel einzusehen und zugleich gezielte Suchabfragen durchzuführen – ohne einen Archivbesuch vor Ort. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung und Internationalisierung der rechtshistorischen Forschung.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Anja Amend-Traut, Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht, Universität Würzburg, anja.amend-traut@uni-wuerzburg.de


    Bilder

    Einband und Beispielseite eines Parere-Bands. Die historischen Dokumente enthalten kaufmännische Gutachten zu handelsrechtlichen Streitfragen im 17. und 18. Jahrhundert
    Einband und Beispielseite eines Parere-Bands. Die historischen Dokumente enthalten kaufmännische Gut ...
    Quelle: Stadtarchiv Nürnberg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Recht
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).