idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Seit Kurzem liegen 66 Empfehlungen der „FinanzKommission Gesundheit“ vor, mit denen das milliardenschwere Defizit in der Gesetzlichen Krankenversicherung abgefangen werden soll. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sieht in den Empfehlungen wichtige Schritte zu einer evidenzbasierten und effizienteren medizinischen Versorgung – auch wenn die Einsparungen an vielen Stellen schmerzhaft sein werden.
Das Problem ist bekannt, um Lösungen wird seit Jahren gerungen: Die Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen stärker als die Einnahmen. Das Defizit wächst Jahr für Jahr. Abwarten kann keine Option mehr sein.
Neue Impulse versprechen die 66 Empfehlungen, die die „FinanzKommission Gesundheit“ kurz vor Ostern vorgestellt hatte: 480 Seiten, die vielfältigen Reformbedarf aufzeigen. Das größte Sparpotenzial sieht die Kommission bei Praxen, Krankenhäusern und Pharmaherstellen. Aber auch Bund, GKV und Versicherte werden einbezogen. Alle sind herausfordert: Bürgerinnen und Bürger, ambulante und stationäre Versorgung sowie ärztliche und nichtärztliche Leistungserbringende.
Gemeinsames Handeln statt Verteidigen von Eigeninteressen
„Wir haben großen Respekt vor der Leistung der Finanzkommission, die viele Sonderregelungen und Verflechtungen innerhalb unseres extrem komplexen Systems analysiert, deren Kosten bzw. Einsparpotentiale berechnet und umsetzungsnahe, ausgewogene Vorschläge entwickelt hat“, kommentiert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.
Dass unser Gesundheitssystem ineffizient und damit teuer ist, kritisiert die DEGAM schon lange: „Wir leisten uns ein ungesteuertes und kostenintensives Gesundheitssystem mit Fehlanreizen, sektoralen Brüchen und strukturellen Defiziten“, sagt Vizepräsident Prof. Marco Roos. „Nun sind wir an einem Punkt, an dem wir echte und vor allem gemeinsame Anstrengungen brauchen, um unser System nicht nur zu erhalten, sondern zukunftsfähig zu machen. Das geht nur, wenn alle mitziehen – und keine langen Diskussionen um Eigeninteressen anfangen.“
Evidenz als Pflicht, nicht als Option
Medizinische Versorgung braucht Nutzennachweis und Evidenz – diese Aussage unterstützt die DEGAM ausdrücklich, betrifft sie doch zentrale DEGAM-Themen: Was ist gute Medizin? Was ist Überversorgung? Wo kann weniger Diagnostik und Therapie sogar mehr Gesundheit bewirken? „Diese Fragen müssen wir endlich anpacken. Und zwar auf allen Ebenen: sowohl die direkte Versorgung der Patienten als auch strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem brauchen Evidenz und Nutzennachweis. Dazu benötigen wir Daten und Evaluationen. Nur so können wir eine moderne, dauerhafte und hochwertige Patientenversorgung entwickeln “, ergänzt Vizepräsidentin Prof. Jutta Bleidorn.
Strukturelle Reformen müssen folgen: hin zu einem verbindlichen Primärversorgungssystem
Neben kurz- und mittelfristigen Einsparungen setzt sich die DEGAM für einen Strukturwandel in der ambulanten Versorgung ein: „Wir müssen neu denken. Wir müssen die weitere Entwicklung klug und vorausschauend planen. Statt Ineffizienz und Fehlanreizen brauchen wir eine bedarfsgerechte Steuerung. Konkret heißt das: Wir brauchen endlich ein verbindliches hausärztlich geleitetes Primärversorgungssystem in interprofessionellen Praxisteams – mit klar definierten Versorgungspfaden und gezielter Einbindung. Damit lassen sich im Übrigen langfristig wichtige Ressourcen einsparen“, so Eva Hummers abschließend.
Inzwischen hat Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ein Gesamtpaket an Sparmaßnahmen vorgestellt, das Ende April als Gesetzesentwurf ins Kabinett eingebracht werden soll. Laut Aussage des Ministeriums sollen rund drei Viertel der Empfehlungen der Kommission – teils modifiziert – aufgegriffen werden.
Pressekontakt:
Natascha Hövener
Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: presse@degam.de
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
http://www.degam.de
Über die DEGAM
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung werden überwiegend von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) realisiert.
Prof. Dr. med. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM
E-Mail: eva.hummers@med.uni-goettingen.de
Die DEGAM unterstützt die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit
Quelle: marijana1
Copyright: pixabay / marijana1
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Medizin
überregional
Wissenschaftspolitik
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).