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Antiferroelektrika gelten als vielversprechende Materialien der Energieforschung. In ihrem Inneren richten sich elektrische Dipole normalerweise exakt gegeneinander aus, sodass das Material nach außen neutral erscheint. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Dennis Meier hat nun gezeigt, dass diese Ordnung in bestimmten Systemen leicht gekippt sein kann. Was zunächst wie eine kleine Abweichung wirkt, eröffnet neue physikalische Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse wurden in Nature Nanotechnology veröffentlicht.
Anschaulich lassen sich Antiferroelektrika mit winzigen Batterien vergleichen, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Diese perfekte Gegenordnung sorgt zwar für Stabilität, begrenzt aber die Funktionalität, da sich Plus- und Minuspole gegenseitig aufheben. In der Familie der Borate zeigt sich jedoch ein anderes Verhalten: In K₃[Nb₃O₆(BO₃)₂] sind die Dipole nicht exakt entgegengesetzt, sondern leicht gekippt – eine kleine Veränderung mit großer Wirkung.
„Schon ein minimaler Knick in der Dipolanordnung kann die elektrischen Eigenschaften grundlegend verändern“, erklärt Dennis Meier von der Universität Duisburg-Essen. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, Antiferroelektrika gezielt für Energiespeicher oder elektronische Bauteile zu nutzen.
In der internationalen Studie wurde untersucht, wie diese ungewöhnliche Ordnung im Kristall entsteht. Dabei zeigte sich, dass sich – wie in vielen Materialien – Bereiche mit unterschiedlich ausgerichteten Dipolen bilden. Durch das Verkanten erhalten diese sogenannten Domänen und ihre Grenzen zusätzliche Eigenschaften, die bisher als unvereinbar galten. Dazu zählen etwa geladene Grenzflächen, die man bislang nur aus Ferroelektrika mit parallel ausgerichteten Dipolen kannte.
Damit verbinden die Forschenden gewissermaßen das Beste aus zwei Welten. Solche Kombinationen unterschiedlicher Eigenschaften gelten als Schlüssel für leistungsfähigere Energiespeicher, multifunktionale Sensoren und innovative elektronische Komponenten.
Computermodelle halfen, das Verhalten zu erklären: Zwei unterschiedliche atomare Bewegungen wirken zusammen und erzeugen die ungewöhnliche Kombination aus Stabilität und funktionaler Flexibilität. Dieses Verständnis liefert erstmals eine Art Bauplan, um gezielt weitere Materialien mit ähnlichen Eigenschaften zu entwickeln.
Die Entdeckung zeigt, dass Antiferroelektrika deutlich wandelbarer sind als bisher angenommen. Schon kleinste Veränderungen in der Dipolstruktur können neue Funktionen ermöglichen. Von energieeffizienten Kondensatoren bis hin zu hochpräzisen elektronischen Bauteilen könnten schräg gestellte Dipole künftig eine zentrale Rolle spielen.
Prof. Dr. nat. Dennis Meier, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Physik und Universitätsallianz Ruhr, RC Future Energy Materials and Systems, dennis.meier@uni-due.de
https://www.nature.com/articles/s41565-026-02139-8
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Physik / Astronomie, Werkstoffwissenschaften
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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