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16.04.2026 07:57

Wasserstoffimporte: Pipeline-Transporte von flüssigen Derivaten bis zu zehnmal günstiger als von Wasserstoffgas

Kosta Schinarakis Pressestelle
Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG

    Mehr Planungssicherheit für Politik und Netzbetreiber bringt eine aktuelle Fallstudie von Fraunhofer IEG und Fraunhofer ISI. Sie belegt, dass flüssige Wasserstoffderivate wie Methanol günstiger per Pipeline nach Deutschland gelangen können als elementarer Wasserstoff. Anhand des Beispiels der Route Triest–Karlsruhe zeigt sie erstmals mit einer verlässlichen Kostenanalyse und einem realen Routenmodell, wie Investoren Importachsen bewerten können, um den Pipelinetransport flüssiger Energieträger techno-ökonomisch abzubilden und Planungsrisiken zu reduzieren. Die Funktion und erste Ergebnisse des Simulationsmodells HyTROM+ stellen sie nun in der Fachzeitschrift »Energy Strategy Reviews« vor.

    »Unser Modell kann belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik und Pipeline-Betreiber schaffen«, erklärt Natalia Pieton von Fraunhofer IEG, die Erstautorin der Studie. »Es lässt sich nun leichter klären, welche Energieträger und Importwege technisch sinnvoll und wirtschaftlich robust sind.« Fraunhofer stellt mit dem neuen Modell HyTROM+ eine Entwicklung vor, die für energiepolitische und industrielle Planung gleichermaßen wichtig ist. HyTROM+ bildet flüssige Wasserstoffderivate wie Methanol, Fischer-Tropsch-Rohöl oder Kerosin realitätsnah im Pipeline-Transport ab und vergleicht diese mit dem Pipelinetransport der gasförmigen Rohstoffe Wasserstoff und CO2.

    Die ersten Ergebnisse zeigen: Flüssige Derivate können bis zu zehnmal günstiger transportiert werden als Wasserstoff. Das schafft Planungssicherheit für Investitionen in Importkorridore und Leitungsnetze. »Für den Import von Energiemolekülen sind flüssige Wasserstoffderivate eine echte Option, da sie leicht zu transportieren und zu speichern sind.«
    Wasserstoffgas zu transportieren, kann nur dort sinnvoll sein, wo es als direkter Rohstoff benötigt wird. In anderen Sektoren wie Raffinerie, Chemie und Schwerverkehr können Derivate die günstigere Ausgangsbasis der Wertschöpfung sein. Jedoch könnte dies auch bedeuten, dass potenzielle Wertschöpfung in Länder mit günstigem erneuerbarem Strom zur Produktion von Wasserstoff und weiteren Veredelung zu Derivaten ausgelagert wird. Weitere Untersuchungen zu Lieferkosten, die die Transport- und Produktionskosten beinhalten, sind der notwendige nächste Schritt.

    Wie das Modell funktioniert

    HyTROM+ kombiniert Geodaten, physikalische Stoffeigenschaften und wirtschaftliche Kennzahlen zu einem durchgängigen Kostenmodell. Es berechnet den Verlauf einer Pipeline anhand von Geodaten des Fraunhofer ISI, wie etwa echter Landnutzungsdaten, Höhendifferenzen, Bevölkerungsdichte und bestehender Infrastruktur. Das Modell zerlegt ein Areal in kleine Abschnitte, bewertet diese nach Umgebung, Höhendifferenz, Leitungslänge, Druckverlust und Pump- oder Kompressorkapazität, ermittelt mögliche Routen und wählt daraus die kostengünstigste Gesamtstrecke. Dieser Ansatz ermöglicht realistische Aussagen zu Transportkosten und Routen.

    Übertragbare Fallstudie aus den Alpen

    Die Fallstudie untersucht die Route vom italienischen Triest nach Karlsruhe. Sie zeigt, wie Pipelineimporte über Landesgrenzen hinweg analysiert werden können. Die Ergebnisse lassen sich auf andere Importachsen übertragen. Der untersuchte Alpenkorridor dient als Stresstest: Wenn flüssige Derivate selbst in schwierigem Gelände kostengünstig transportierbar sind, gilt das erst recht für flachere Regionen. Für Entscheidungen im Rahmen der deutschen Wasserstoffstrategie liefert dies wichtige Orientierung. In der Fallstudie kostet auf knapp 700 Kilometern der Transport pro Megawattstunde von Wasserstoffgas in einer umgenutzten Pipeline 3,9 Euro und in einer neu zu bauenden Pipeline 11,4 Euro. Flüssige Derivate wären schon für 0,4 bzw. 1,9 Euro pro Megawattstunde zu transportieren.

    HyTROM+ zeigt, dass die Wiederverwendung bestehender Öl- und Gasleitungen für flüssige Energieträger Investitionskosten deutlich reduziert. Das Modell macht transparent, wann sich die Nachnutzung von fossiler Infrastruktur lohnt und wo neue Leitungen wirtschaftlicher sind. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für strategische Importüberlegungen und Investoren, die Risiken und Kapitalkosten nachvollziehbar bewerten möchten.

    Partner der Studie

    Fraunhofer IEG entwickelte das Modell HyTROM+ aufbauend auf dem Modell HyTROM (Hydrogen Transport Route Optimization) des Fraunhofer ISI, gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der ETH Zürich, der Technischen Universität Dänemark (DTU) und dem Fraunhofer CINES. Gefördert wurde die Forschung im Projekt MOHN (Förderkennzeichen 03SF0675B) in Zusammenarbeit mit Fraunhofer CINES. Die Ergebnisse sind nun im Fachmagazin »Energy Strategy Reviews« erschienen:
    Transporting the future: A methodology and case study for pipeline imports of hydrogen derivatives to Germany, N. Pieton et al., https://doi.org/10.1016/j.esr.2026.102146

    Weitere Informationen finden Sie unter: www.ieg.fraunhofer.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Natalia Pieton, natalia.pieton@ieg.fraunhofer.de


    Originalpublikation:

    »Energy Strategy Reviews« erschienen:
    Transporting the future: A methodology and case study for pipeline imports of hydrogen derivatives to Germany, N. Pieton et al., https://doi.org/10.1016/j.esr.2026.102146


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Chemie, Energie, Geowissenschaften, Verkehr / Transport, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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