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16.04.2026 14:02

Volkswagenstiftung fördert zwei Projekte an der Humboldt-Universität

Heike Bräuer Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

    Prof. Dr. Miriam Bouzouita und Prof. Dr. Thomas Wischmeyer erhalten „Momentum“-Fördermittel zur strategischen Weiterentwicklung ihrer Professuren in den Bereichen Computerdialektologie und Verwaltungsrecht.

    Die Volkswagenstiftung fördert erstmals zwei Forschungsvorhaben an der Humboldt-Universität zu Berlin mit jeweils rund 940.000 Euro im Rahmen ihrer "Momentum - Förderung für Erstberufene". Prof. Dr. Miriam Bouzouita erhält die Förderung für ihr Projekt „Every Voice Matters: Scaling Dialectology with Computational Methods“. Ebenfalls ausgezeichnet wird Prof. Dr. Thomas Wischmeyer für sein Forschungsvorhaben „Simulating Bureaucracy? The Uncertain Future of the Administrative State“.

    Computerdialektologie: Sprachliche Vielfalt im Zeitalter der KI bewahren

    Die Dialektologie untersucht, wie sich Sprachen regional etwa in Aussprache, Wortschatz und Grammatik unterscheiden, um zu verstehen, wie sich Sprachvarietäten im Raum und im Laufe der Zeit entwickeln. Klassische Feldinterviews mit schriftlicher Dokumentation werden zunehmend durch internetgestützte Ansätze ergänzt. Die Romanistin Prof. Dr. Miriam Bouzouita erforscht den weltweiten Rückgang von Dialekten, die zunehmend durch großräumigere, vereinheitlichte Regiolekte verdrängt werden. Zugleich orientieren sich moderne Sprachverarbeitungssysteme und Künstliche Intelligenz (KI) überwiegend an der Standardsprache und blenden kleinere Varietäten aus. Diese Verzerrung kann Sprecher*innen sowie ganze Sprachgemeinschaften unsichtbar machen. Mit ihrem Forschungsprogramm baut Prof. Miriam Bouzouita das interdisziplinäre Feld der Computerdialektologie aus. Ziel ist eine methodische Verbindung von Dialektologie, Soziolinguistik, Registerforschung und computergestützten Verfahren, um sprachliche Variation nach Faktoren wie Geografie, Alter oder Geschlecht systematisch zu erfassen. Dazu gehören der Aufbau systematisch erhobener und wissenschaftlich aufbereiteter Sammlungen von Sprachaufnahmen aus dem Alltag, die unterschiedliche Sprechweisen, Dialekte und regionale Varianten abbilden, sowie die Entwicklung eines human-in-the-loop-Workflow für automatische Spracherkennung (ASR). Dafür werden Expert*innen stetig eingebunden, um automatische Ergebnisse zu überprüfen und gezielt zu optimieren, besonders im Hinblick auf geografische und sprachliche Vielfalt. Die Datenerhebung nutzt internetbasierte Bürgerforschung (‚Citizen Science‘) und spielerische Beteiligungsformate (‚Gamification‘). So soll das Projekt dazu beitragen, dass Sprachtechnologien die volle Vielfalt des Spanischen anerkennen statt zu normieren und so wissenschaftliche, kulturelle und soziale Teilhabe stärken.

    Verwaltungsrecht: Mit Simulationen Entscheidungen in Krisenzeiten treffen

    Klimawandel, Pandemien und ein rasanter technologischer Wandel stellen staatliches Handeln vor enorme Herausforderungen. Traditionell setzen Verwaltung und Verwaltungsrecht auf Kontrolle, Planbarkeit und Rechtssicherheit. In Krisenzeiten müssen Entscheidungen jedoch oft unter tiefer Unsicherheit und ohne belastbare Erfahrungswerte oder Daten getroffen werden. Prof. Dr. Thomas Wischmeyer untersucht, wie öffentliche Verwaltungen unter diesen erschwerten Bedingungen handlungsfähig bleiben können. Im Zentrum seiner Forschung steht die Frage, inwieweit neuartige Instrumente wie Computersimulationen und Modellierungen – für die sich erste Ansätze bereits im Klimarecht und in der KI-Verordnung finden – der Verwaltung Orientierung geben können. Prof. Wischmeyer baut hierfür ein interdisziplinäres Team aus Rechts- und Sozialwissenschaftler*innen auf und sucht den engen Austausch mit der Praxis.

    Über die "Momentum - Förderung für Erstberufene"

    Die „Momentum“-Förderung der Volkswagenstiftung richtet sich an Professor*innen drei bis fünf Jahre nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur. Das fachlich offene Förderangebot unterstützt Konzepte, mit denen Professor*innen Forschung und Lehre weiterentwickeln und neue Schwerpunkte setzen können. Die Fördersumme beläuft sich auf bis zu 850.000 Euro in einer ersten vierjährigen Phase; in einer möglichen zweiten Phase von zwei Jahren können noch einmal bis zu 200.000 Euro eingeworben werden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Miriam Bouzouita
    Institut für Romanistik der Humboldt-Universität zu Berlin
    Tel.: 030 2093 73555
    E-Mail: miriam.bouzouita@hu-berlin.de

    Prof. Dr. Thomas Wischmeyer
    Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
    E-Mail: thomas.wischmeyer@hu-berlin.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Recht, Sprache / Literatur, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte, Personalia
    Deutsch


     

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