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Wissenschaft
WR-Mitglieder diskutieren mit Minister Falko Mohrs und der VW-Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo in Wolfsburg
Deutschland steht vor tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen. Ob Sicherheit, Wirtschaft, Infrastruktur oder das Gesundheits- und Sozialsystem – die Liste der notwendigen Reformen ist lang. Ohne tiefgreifende Transformation sind Wohlstand, gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratische Grundordnung bedroht. Mit seiner neuen Arbeitsgruppe „Wissenschaft und Demokratie“ beschäftigt sich der Wissenschaftsrat (WR) unter anderem mit der Frage, welche Rolle Wissenschaft bei den Veränderungsprozessen einnimmt und wie sie die Demokratie stärken kann.
Vor den heute beginnenden Sitzungen des WR in Wolfsburg trafen sich am Vortag Mitglieder der Arbeitsgruppe „Wissenschaft und Demokratie“ mit dem Minister für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, Falko Mohrs, und Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, und diskutierten, wie die verschiedenen Akteure zum Gelingen der Transformationen beitragen können.
„Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Industrie müssen an einem Strang ziehen“, sagte der Vorsitzende des WR, Wolfgang Wick. „Wir müssen innovativer werden, damit Veränderungen gelingen und sichtbar wird, dass unser demokratisches System den Herausforderungen gewachsen und international konkurrenzfähig ist. Wissenschaft kann maßgeblich hierzu beitragen. Gefragt sind nicht nur technische, sondern auch soziale Innovationen und der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“, betonte Wick.
Deutschland, so der Konsens der Gespräche, steht vor Umbrüchen, die das Vertrauen in Wirtschaft und Staat herausfordern. Unsicherheit und die Angst vor sozialem Abstieg geben Populisten Nahrung. Nötig sind die ehrliche Vermittlung der notwendigen Veränderungen und die Erfahrung, dass Veränderungen gelingen und Vorteile bringen. Hierfür sind wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen erforderlich. Deutschland muss deshalb noch stärker in Forschung und Entwicklung investieren und damit bestehende Stärken, etwa in den Bereichen Mobilität, Chemie und Maschinenbau, ausbauen und gemeinsam mit europäischen Partnern in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Robotik international spitze werden.
Falko Mohrs, Minister für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, sagte: „Die tiefgreifenden Veränderungen unserer Arbeits- und Lebenswelt bringen Chancen, aber auch spürbare Brüche mit sich. Viele Menschen und Familien erleben diese Umbrüche nicht abstrakt, sondern ganz konkret – mit Sorgen um Ausbildungsplätze, sichere Beschäftigung oder verlässliche Perspektiven für ihre Kinder. Deshalb reicht es nicht aus, nur Ziele zu formulieren. Entscheidend ist, dass wir den Weg dorthin gemeinsam gestalten. Veränderung darf nicht überfordern oder ausgrenzen. Weiterbildung, faire Verteilung von Chancen und soziale Absicherung sind zentrale Voraussetzungen, damit Menschen diesen Wandel mitgehen können. Wissenschaft ist dabei weit mehr als reine Bildungsproduzentin: Sie muss Orientierung geben, Übergänge mitgestalten und Räume für gesellschaftliche Verständigung öffnen. Nur wenn Institutionen Verantwortung übernehmen und Perspektiven schaffen, kann Wandel Vertrauen stärken, statt Angst zu erzeugen.“
Volkswagens Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagte: „Der Netzwerk-Gedanke des Wissenschaftsrats ist richtig und wichtig. Denn der tiefgreifende Wandel unserer Industrie kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten gemeinsam und abgestimmt anpacken. Dabei wird es entscheidend sein, die Umbrüche sozialverträglich und mit größtmöglicher Rücksicht auf sichere Beschäftigung zu gestalten – daran müssen auch die Arbeitgeber ein Interesse haben. Denn andernfalls geriete die Akzeptanz für den nötigen Umbau massiv in Gefahr, zum Beispiel beim unerlässlichen Jahrhundertprojekt der industriellen Dekarbonisierung. Politische Profiteure von einem solchen Akzeptanzverlust wären ausgerechnet Populisten, Wissenschaftsfeinde und Realitätsverweigerer. Auch dieses Risiko ist ein gewichtiger Grund, jetzt alle Kräfte bestmöglich zu bündeln und zusammen vorzugehen.“
presse@wissenschaftsrat.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
fachunabhängig
überregional
Wissenschaftspolitik
Deutsch

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