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28.04.2026 09:00

Gemälden auf der Spur: Digitale Ausstellung zur Provenienzforschung

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Wie lässt sich die Herkunft von Gemälden recherchieren? Wie klären, wem ein Kunstwerk rechtmäßig gehört? Das zeigen Forschende der Universität Würzburg in einer digitalen Ausstellung.

    Die Würzburger Museumswissenschaftlerinnen Nora Halfbrodt und Inga Benedix waren von 2019 bis 2022 in der Gemäldesammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg auf Spurensuche. Sie ergründeten dort die Herkunft aller Neuzugänge, die zwischen 1933 und 1998 inventarisiert wurden.

    Diese Arbeit heißt Provenienzforschung. Ihr Ziel ist es, die Geschichte und Eigentumsverhältnisse von Kunst- und Kulturobjekten zu klären: Wurden sie rechtmäßig weitergegeben? Tat die abgebende Person das freiwillig und unter fairen Bedingungen? Ist das Objekt aktuell in rechtmäßigem Besitz? Wenn nicht: An wen ist es zurückzugeben?
    Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen führte am Ende dazu, dass das Universitätsmuseum zwei Werke ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgeben konnte.

    Forschungsarbeit dramaturgisch und digital aufbereitet

    Eine digitale Ausstellung macht nun einige Ergebnisse des Projekts der Öffentlichkeit zugänglich. Susanne Bremer und Lyric Stott vom Lehrstuhl für Museumswissenschaft haben sie im Story- und Scrollytelling-Format erarbeitet. Beim Scrollytelling navigieren die Betrachterinnen und Betrachter durch multimediale, dramaturgisch miteinander verwobene Elemente.

    Der Titel der Ausstellung: „Auf den Spuren der Bilder. How to: Provenienzforschung in einem der größten Universitätsmuseen Deutschlands“.

    Recherchen in Telefonbüchern, Zeitschriften und Militärakten

    Die Ausstellung macht die Methoden der Provenienzforschung an elf ausgewählten Gemälden anschaulich. Sie zeigt, wie alte Telefonbücher, Auktionsunterlagen, Zeitschriften und US-Militärakten halfen, die oft wechselvolle Geschichte der Gemälde nachzuzeichnen.
    Beim Gemälde „Narcissus“ zum Beispiel, welches das Museum 1959 vom Frankfurter Kunsthändler Karl Lengler gekauft hat, konnte über den weiteren Vorbesitz nichts herausgefunden werden.

    Doch wegen Lenglers Biografie und seiner Verbindungen zu einem Mann, der viele Auktionen mit Kunstgegenständen aus jüdischem Besitz organisiert hatte, stuften die Forscherinnen das Gemälde auf der Provenienzampel als „orange“ ein. Das heißt: Es gibt starke Hinweise darauf, dass ein unrechtmäßiger Erwerb stattgefunden hat, auch wenn sich das mit heutigem Wissen nicht genauer klären lässt.

    Rechtmäßige Besitzer zweier Gemälde gefunden

    Auf der Provenienzampel als rot markiert wurde das Bild „Tod und Geizhals“. Die Besitzer hatten es dem Museum 1933 unter Zwang überlassen. 90 Jahre später konnte es der Würzburger Freimaurerloge „Zu den zwei Säulen an der festen Burg“ zurückgegeben werden.

    Rot zeigte die Ampel auch für einen 36 auf 40 Zentimeter messenden Klappaltar. Hier konnten die rechtmäßigen Erbinnen und Erben der Vorbesitzer, des Ehepaars Sigmund und Sara Seligsberger, ermittelt werden. Die 16 in Kanada, den USA und Israel lebenden Nachfahren beschlossen, den Flügelaltar dem Martin von Wagner Museum als Dauerleihgabe zu überlassen.

    Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste

    Das Provenienz-Forschungsprojekt im Martin von Wagner Museum war vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg finanziert worden. Die Leitung lag bei Professor Guido Fackler vom Lehrstuhl für Museumswissenschaft in Kooperation mit Museumsdirektor Professor Damian Dombrowski.

    Gewusst wie: digitale Ausstellungen

    Wer mehr über digitale Ausstellungen erfahren möchte, sollte sich den Tagungsband „Exponat – Raum – Interaktion. Perspektiven für das Kuratieren digitaler Ausstellungen“ besorgen. Herausgegeben wurde er von Hendrikje Cariaus und Guido Fackler. Der Band gibt es als kostenfreien Download in der eLibrary des Verlags Brill | Vandenhoeck & Ruprecht | Böhlau: https://www.vr-elibrary.de/doi/book/10.14220/9783737012584


    Weitere Informationen:

    https://storymaps.arcgis.com/stories/b521626c134d4a10ba8d9fd9896b10dc Zur Webseite der Ausstellung


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Kunst / Design
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

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