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Die Hochschule Düsseldorf hat auf der DGSA-Jahrestagung erstmals Zwischenergebnisse des Projekts MAVIOPA vorgestellt. Die Forschung zeigt, dass extrem rechte Gewalt gegen Menschen mit (kognitiver) Behinderung seit Jahrzehnten besteht, jedoch häufig unsichtbar bleibt. Analysiert werden Muster, Kontexte und neue Dynamiken – etwa im digitalen Raum – sowie der professionelle Umgang und Formen der Gegenwehr. Ziel ist es, das Thema stärker in Forschung, Praxis und politische Bildung zu verankern.
Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach hat die Hochschule Düsseldorf am 24. April erstmals Zwischenergebnisse des Forschungs- und Transferprojekts MAVIOPA (mapping far right violence against people with (cognitive) disabilities, resistance and professional approach) vorgestellt. Das interdisziplinäre Projekt analysiert extrem rechte Gewalt gegen Menschen mit (kognitiver) Behinderung, den professionellen Umgang damit sowie Formen der Gegenwehr.
„Der fachliche Austausch auf der DGSA-Jahrestagung hat gezeigt, wie groß der Bedarf an wissenschaftlicher Analyse und Auseinandersetzung zu diesem Thema ist“, erklärt Prof. Dr. Christiane Leidinger, Projektleiterin an der Hochschule Düsseldorf. „Unsere Zwischenergebnisse machen deutlich, dass Formen behindertenfeindlicher extrem rechter Gewalt seit Jahrzehnten bestehen, jedoch bislang zu wenig Beachtung finden. Umso wichtiger ist es, diese Perspektive stärker in Forschung und Praxis zu verankern.“
Ausgangspunkt der Untersuchung sind unter anderem wiederkehrende Muster extrem rechter Angriffe, wie sie sich etwa 2024 in Mönchengladbach gegen Einrichtungen der Behindertenhilfe gezeigt haben. Auf Grundlage von Fallrecherchen, der Auswertung von Fach- und Medienberichten sowie qualitativen Interviews mit Fachkräften untersucht das Projektteam Entwicklungen seit den 1990er Jahren. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass entsprechende Gewaltformen ein kontinuierliches Phänomen darstellen, das medial und politisch häufig unsichtbar bleibt. Wenn einzelne Fälle öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, werden medial dabei zumeist bekannte – etwa entpolitisierende – Muster der Auseinandersetzung mit extrem rechter Gewalt reproduziert sowie stereotype Darstellungen von Menschen mit Behinderung wiederholt.
Zugleich arbeitet das Projekt typische Situationen und Kontexte heraus, in denen diese Gewalt auftritt, und nimmt neue Dynamiken – etwa im digitalen Raum – in den Blick. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem professionellen Umgang mit entsprechenden Vorfällen innerhalb der Behindertenhilfe und im Sozialraum. Darüber hinaus dokumentiert MAVIOPA bestehende Schutz- und Interventionsansätze und macht Formen öffentlicher Gegenwehr sichtbar, darunter lokale Initiativen und politische Proteste wie Demonstrationen.
Das Verbundprojekt wird seit Juni 2025 an der Hochschule Düsseldorf durchgeführt und ist auf drei Jahre angelegt. Das zweite Teilprojekt ist am Institut für Rechtsextremismusforschung (Irex) an der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Dr. Heike Radvan angesiedelt und ist insbesondere auf den Transfer der Ergebnisse in die Praxis der Sozialen Arbeit sowie auf politische Bildung ausgerichtet. Zum Team gehören außerdem Dr. Lina Brink (HSD), Johanna Schiffner und die Promovendin Katja Sternberger (beide IRex).
Mit der Vorstellung der Zwischenergebnisse hat das Projektteam einen wichtigen Impuls für die fachwissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einem bislang wenig beachteten Themenfeld gesetzt.
Professorin Dr. Christiane Leidinger christiane.leidinger@hs-duesseldorf.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Gesellschaft
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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