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Bilfinger und Fraunhofer IOSB entwickeln im Auftrag der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ein teleoperiertes Bergungssystem für die Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II. Ziel ist, die Freilegung und Bergung der Abfallfässer sicher, präzise und effizient zu ermöglichen – mit multifunktionalen Arbeitsmaschinen, moderner Robotik und Assistenzfunktionen für den Leitstand.
Würzburg / Karlsruhe, 29.4.2026
Herausforderung Schachtanlage Asse II: Rückholung als Generationenprojekt
Die vor über 15 Jahren beschlossene Rückholung der rund 126.000 Fässer ist eines der herausforderndsten Umwelt- und Sicherheitsprojekte Deutschlands. Die Einlagerungskammern liegen hunderte Meter unter der Erdoberfläche in einem über Jahrzehnte gealterten, feuchten und korrosiven Umfeld. Die Lagerbedingungen sind divers, einige Fässer sind von Salz überdeckt, einige liegen frei zugänglich. Teilweise wurden die Fässer seinerzeit ordentlich gestapelt, teilweise liegen sie ungeordnet durcheinander. Für eine sichere Rückholung werden Arbeitsmaschinen benötigt, die robust, präzise und aus der Ferne steuerbar sind – Maschinen, die es so bislang nicht für die im Salzbergwerk vorherrschenden Umgebungsbedingungen gibt.
Spezialmaschinenbau für extreme Bedingungen
Bilfinger entwickelt hierfür ein spezialisiertes Bergesystem, dessen Kern ein hochautomatisierter multifunktionaler Versuchsbagger ist. Dieser wird als Erprobungssystem für die komplexen Handhabungsprozesse aufgebaut und verfügt über Sonderwerkzeuge wie Spezialgreifer, Fräsen und Löffel. Als langjähriger Partner der Nuklearindustrie und dank der fundierten Engineering-Expertise ist Bilfinger in der Lage, maßgeschneiderte Maschinen zu entwickeln, die auch unter extremen Bedingungen zuverlässig arbeiten.
Robotik, Sensorik und Assistenz
Bei der Steuerung und Automatisierung setzt Bilfinger auf die langjährige Expertise des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB. Das Institut bringt unter anderem seine Erfahrungen aus dem Kompetenzzentrum »Roboter für die Dekontamination in menschenfeindlichen Umgebungen (ROBDEKON)« ein, in dem es teleoperierte und autonome Baumaschinen erforscht und entwickelt. Dazu gehören Sensorfusion, 3D-Umgebungswahrnehmung und die Automatisierung der Maschinen. Eine inverse Kinematik ermöglicht es dem Bedienpersonal, das Werkzeug direkt und intuitiv zu positionieren – den Weg dorthin koordiniert die Maschine selbstständig. Sich wiederholende Arbeitsschritte wie das Ablegen gegriffener Fässer in einer Transportbox sollen perspektivisch automatisiert ablaufen.
Sichere Bedienung aus der Distanz
Im Zusammenspiel dieser Technologie entsteht ein System, das den Leitstand in den Mittelpunkt rückt: Die Maschinenbedienerinnen und -bediener sollen die Bergung aus sicherer Entfernung durchführen können, auf Basis einer präzisen räumlichen Orientierung, die über einfache Kamerabilder weit hinausgeht, und unterstützt wird durch fortgeschrittene Assistenzfunktionen. Ein Digitaler Zwilling der Bergungsanlage bildet dabei die reale Umgebung virtuell ab und ermöglicht es, Betriebszustände, Bewegungen und Lastfälle bereits vor dem Einsatz zu analysieren und zu optimieren. In einer komplexen Testumgebung simuliert Bilfinger zusätzlich die Bedingungen im Salzbergwerk, damit das Zusammenspiel von Mechanik, Sensorik und Software optimal abgestimmt werden kann.
Zukunftsweisendes Gesamtkonzept
Mit der Beauftragung von Bilfinger und dem Fraunhofer IOSB setzt die BGE auf starke Industrie- und Forschungspartner, die im Schulterschluss zukunftsweisende Technologien vorantreiben, die Sicherheit des Personals maximieren und die planmäßige Umsetzung dieser Generationenaufgabe unterstützen.
Die laufende Entwicklung des Bergungssystems zeigt: Im Zusammenspiel von Robotik-Forschung, Spezialmaschinenbau und verantwortungsbewusster Projektführung werden auch Herausforderungen bewältigbar, die den bisherigen Stand der Technik übersteigen. Zugleich entsteht Know-how, das auch in anderen Anwendungsfeldern – etwa bei Dekontaminations- oder Instandhaltungsarbeiten in schwer zugänglichen oder gefährlichen Bereichen – große Bedeutung haben kann.
Pressekontakt:
Bilfinger Nuclear & Energy Transition GmbH
Michaela Müller, Engineering & Sales Assistant
0931/903-6003
michaela.mueller@bilfinger.com
Fraunhofer IOSB
Ulrich Pontes, Leiter Presse und Kommunikation
0721/6091-301
presse@iosb.fraunhofer.de
Dr.-Ing. Janko Petereit | Gruppenleiter Autonome Robotersysteme | Fraunhofer IOSB |
Telefon +49 721 6091-578 | janko.petereit@iosb.fraunhofer.de
Der Versuchsträger (kleines Bild) und sein digitaler Zwilling
Copyright: Bilfinger
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Energie, Geowissenschaften, Informationstechnik, Maschinenbau
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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