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Im Vorfeld des Baus der Gleichstromverbindung SuedOstLink fanden im Salzlandkreis in enger Abstimmung mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz archäologische Untersuchungen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt statt. Eine bereits 2024 bei Alsleben im Block geborgene Grube aus der frühen Jungsteinzeit gibt nun ihre Geheimnisse preis: Der Befund enthält Überreste von mindestens 12 Bibern, die wohl wegen ihres Pelzes gejagt wurden.
Hintergrund: Archäologie am SuedOstLink
Die SuedOstLink-Stromtrasse verläuft in Sachsen-Anhalt von Wolmirstedt bis Droyßig, weitgehend in Bündelung mit den Autobahnen 14 und 9. Auf ihrer Länge von 170 Kilometern durch Sachsen-Anhalt führt die Trasse durch Altsiedelland mit überaus fruchtbaren Böden. Entsprechend hoch ist die Anzahl an Fundstellen, die in enger Abstimmung mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz im Vorfeld des Trassenbaus untersucht und wissenschaftlich dokumentiert werden.
Außergewöhnliche Tierknochenfunde aus einer stichbandkeramischen Grube
Für die Gleichstromtrasse SüdOstLink soll die Saale bei Alsleben, Salzlandkreis, mit Hilfe eines geschlossenen Verfahrens unterquert werden. Im Bereich der Startgrube wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine oberhalb der Saale gelegene Geländemarke untersucht. Das Areal war bereits im Neolithikum (Jungsteinzeit) als Siedlungsplatz ausgewählt worden und auch in der Bronze- und Eisenzeit nicht in Vergessenheit geraten.
Unter einer Vielzahl an Pfostengruben, Vorratsgruben, Schlitzgruben und auch Grablegen stach ein Befund besonders heraus. Eine zunächst unscheinbar wirkende Grube von etwa 80 Zentimetern Durchmesser war dicht mit Tierknochen verfüllt worden, unter denen die typisch orange bis rötlich-braun gefärbten Zähne von Bibern sofort auffielen. Noch am Grabungsplatz wurde in den oberen fünf Zentimetern der Verfüllung ein Feuersteinartefakt entdeckt, das auf eine frühe Zeitstellung des Befundes hinwies. Aufgrund dessen Komplexität wurde er im Block geborgen, um eine weitere Untersuchung unter Laborbedingungen zu ermöglichen. Eine Radiokarbondatierung bestätigte das hohe Alter der Grube. Sie gehört in den Zeitraum zwischen 4935 bis 4787 vor Christus, in die nach ihrer Keramik so benannte Stichbandkeramische Kultur.
Die Knochenpackung in der Grube besteht ausschließlich aus den Überresten von Bibern. Die Knochen sind ausgesprochen gut erhalten und mehrheitlich unfragmentiert. Anhand der bereits freigelegten Schädel ist davon auszugehen, dass in der Grube die Reste von mindestens zwölf Individuen entsorgt wurden. Das Fehlen einiger Knochen und der fehlende anatomische Zusammenhang der vorhandenen Überreste belegen, dass die Tierkörper zum Zeitpunkt der Niederlegung bereits skelettiert waren. Verschiedene Altersklassen von recht jungen (1. Lebensjahr) bis zu alten Tieren (über acht Jahre) lassen sich aufgrund der Knochen belegen.
In Alsleben dürfte die Jagd auf Biber an der Saale möglich gewesen sein. Die Konzentration der Knochen in einem einzigen Befund spricht für ein einmaliges Ereignis. Vermutlich wurden die Tiere zur Pelzgewinnung gejagt, gehäutet und die Kadaver zwischengelagert, bis sie zerfallen waren. Die einzelnen Knochen wurden später in der Grube entsorgt. Der Befund von Alsleben verweist damit nicht nur auf spezialisierte Jagdstrategien im frühen Neolithikum, er lässt auch Rückschlüsse auf die Kleidung in dieser Zeit zu, die wir uns recht aufwendig vorstellen dürfen.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Geschichte / Archäologie
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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