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Wie können Länder im südlichen Afrika zu wichtigen Akteuren im globalen Handel mit grünem Wasserstoff werden? Und welchen Einfluss haben die Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsvorgaben der Importländer auf diese Entwicklung? Ein neues Whitepaper, herausgegeben von den Fraunhofer‑Instituten IEE, ISI, IEG und IMWS, analysiert erstmals systematisch, wie unterschiedliche Power‑to‑X‑Zertifizierungsanforderungen den Markthochlauf von Wasserstoff und synthetischen Energieträgern aus der SADC‑Region prägen – und warum strategische Entscheidungen bereits in frühen Projektphasen entscheidend sind.
Grüner Wasserstoff und seine Derivate gelten als Schlüsseltechnologien für eine klimaneutrale Industrie und den internationalen Energiehandel. Für Länder der Southern African Development Community (SADC) eröffnen sich damit neue wirtschaftliche Perspektiven als Exportregionen. Gleichzeitig stellen die teils stark divergierenden Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsvorgaben der Importländer eine zentrale Herausforderung dar: Sie beeinflussen maßgeblich, ob und unter welchen Bedingungen PtX‑Produkte Zugang zu internationalen Märkten erhalten können.
Das Whitepaper ist im Rahmen des vom BMFTR geförderten Projekts HySecunda entstanden. In dem Verbundprojekt arbeiten neun Fraunhofer‑Institute interdisziplinär für einen internationalen Markthochlauf von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten in der SADC‑Region. "Der erfolgreiche Hochlauf einer internationalen Wasserstoffwirtschaft erfordert mehr als technologische Innovationen allein. Mit HySecunda verfolgen wir deshalb einen systemischen Ansatz, der Technologieentwicklung, regulatorische Rahmenbedingungen und Capacity Building integriert zusammenführt. Nur wenn diese drei Dimensionen gemeinsam gedacht werden, können nachhaltige Wertschöpfung, internationale Marktintegration und belastbare Wasserstoffpartnerschaften entstehen", sagt Marie Plaisir, Projektleiterin am Fraunhofer IEE.
Qualitative Analyse relevanter Importmärkte
Im Rahmen des Projekts wurde nun ein Whitepaper mit dem Titel „Navigating PtX Certification Challenges: Qualitative Assessment of Sustainability Requirements and Cost Dynamics for Exports from the SADC‑Region“ veröffentlicht. Der Fachbeitrag bietet einen umfassenden qualitativen Überblick über politische, rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen für PtX‑Exporte aus der SADC‑Region.
Analysiert werden vier potenzielle Importregionen – die Europäische Union, das Vereinigte Königreich, Südkorea und Japan – mit Blick auf ihre jeweiligen Zertifizierungsschemata, rechtlichen Anforderungen und Marktanreizmechanismen. Untersucht werden unter anderem die EU‑Renewable‑Energy‑Directive (RED III) sowie Instrumente wie H2Global, atmosfair fairfuel, das britische RTFO‑System und verschiedene Sustainable‑Aviation‑Fuel‑Mandate. Der Vergleich zeigt, welche regulatorischen Anforderungen für Produzenten in der SADC‑Region besonders relevant sind und wie stark die Erwartungen zwischen den Importmärkten variieren.
Auswirkungen auf Anlagendesign, Kosten und Investitionsentscheidungen
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass sich die Nachhaltigkeitskriterien in den untersuchten Importregionen deutlich unterscheiden und in der EU am striktesten und detailliertesten ausgestaltet sind. Diese unterschiedlichen Anforderungen wirken sich unmittelbar auf das technische Systemdesign, die Auslegung der PtX‑Produktionsanlagen sowie auf Investitions- und Betriebskosten aus. Für Projektentwickler bedeutet dies, dass eine frühzeitige Festlegung auf einen Zielmarkt erforderlich ist, um Anlagen zertifizierungskonform und wirtschaftlich auslegen zu können.
Darüber hinaus fasst das Whitepaper politisches Feedback zu den EU‑PtX‑Kriterien sowie Ergebnisse aus Stakeholder‑Diskussionen zur PtX‑Zertifizierung in der SADC‑Region zusammen. Aufbauend auf den qualitativen Erkenntnissen sind im Projekt HySecunda weiterführende quantitative Analysen geplant, die bis zum Jahresende den Einfluss der Nachhaltigkeitsanforderungen auf Kostenstrukturen und Systemkonfigurationen von PtX‑Anlagen vertiefend untersuchen sollen.
Marie Plaisir, Fraunhofer IEE
https://www.iee.fraunhofer.de/de/presse-infothek/Presse-Medien/2026/neues-whitep...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Chemie, Elektrotechnik, Energie, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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