idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Die AfD Sachsen-Anhalt verfolgt das Ziel, die Hochschulen des Landes hierarchischer, ideologischer und abgeschotteter auszurichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Grundlage der Untersuchung sind parlamentarische Initiativen der AfD-Landtagsfraktion in der laufenden Legislaturperiode sowie hochschulpolitische Passagen des im April 2026 beschlossenen Regierungsprogramms des Landesverbandes.
Politischer Grundkonsens für das Hochschulsystem gerät unter Druck
Die Analyse zeigt: Die hochschulpolitischen Vorstellungen der AfD Sachsen-Anhalt würden Hochschulautonomie, Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Handlungsfähigkeit der Hochschulen des Landes erheblich einschränken. Die Partei stellt damit in zentralen Punkten den Grundkonsens infrage, an denen sich die deutsche Hochschulpolitik bislang orientiert.
Stattdessen zielt das hochschulpolitische Verständnis der AfD Sachsen-Anhalt auf eine Mischung aus politischer Steuerung und Rückkehr zur „alten deutschen Ordinarien-Universität“. Letztere steht für ein Hochschulmodell, das stärker hierarchisch, ideologisch und national ausgerichtet ist – und weniger partizipativ, qualitätsgesichert, innovationsorientiert und international.
Fünf zentrale Positionen mit weitreichenden Folgen
Im CHECK arbeitet das CHE wesentliche hochschulpolitische Positionen der AfD in Sachsen-Anhalt und ihre Folgen heraus:
• die Abschaffung interner Mitspracherechte, etwa für Studierende,
• die Abschaffung moderner Steuerungsinstrumente wie Zielvereinbarungen,
• ideologisch motivierte Eingriffe in die Freiheit der Hochschulen, ihre Forschungsthemen und Fachinhalte zu bestimmen,
• die Abkehr vom Bologna-System und damit die Aufgabe international anschlussfähiger Abschlüsse
• sowie eine Relativierung wissenschaftlicher Qualitätsstandards.
Für Studierende, Lehrende, Forschende und Hochschulleitungen hätte die Umsetzung des AfD-Regierungsprogrammes nach Einschätzung des CHE erhebliche Folgen – von geringerer Mobilität aufgrund verschlechterter nationaler und internationaler Anschlussfähigkeit hin zu mehr politischem Einfluss auf Forschung, Lehre und Ressourcenverteilung. Besonders hervorgehoben werden in der Publikation Risiken für die Wissenschaftsfreiheit, institutionelle Handlungsfähigkeit und internationale Kooperationen.
„Die Hochschulpolitik der AfD Sachsen-Anhalt will den Rückwärtsgang einlegen. Damit würden die Hochschulen wieder im letzten Jahrhundert landen. Aber in einer Gegenwart, die von Umbrüchen und globalen Herausforderungen geprägt ist, sind überholte Konzepte der Vergangenheit und übergriffige ideologische Einflussnahme die falsche Antwort“, so Ulrich Müller, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter politische Analysen beim CHE.
Sachsen-Anhalt als politisch relevantes Fallbeispiel
Das CHE hat Sachsen-Anhalt als Fallbeispiel ausgewählt, weil dort nach der Landtagswahl im September 2026 eine reale Möglichkeit politischer Gestaltungsmacht für die AfD besteht und zugleich eine breite Quellengrundlage in Form pointierter parlamentarischer Äußerungen und eines elaborierten Regierungsprogramms vorliegt.
Was jetzt zu tun ist: Hochschulen müssen ihre Resilienz stärken
Die CHE Analyse leitet einen bundesweiten Handlungsauftrag ab: Hochschulen und wissenschaftspolitische Akteure sollten sich intensiver und konkreter als bislang geschehen mit der Frage befassen, wie vulnerabel die institutionellen Leitplanken für Wissenschaftsfreiheit, Hochschulautonomie, gute wissenschaftliche Praxis und strategische Selbststeuerung unter veränderten politischen Bedingungen sind. Das CHE empfiehlt unter anderem, politische Entwicklungen stärker im Risikomanagement zu berücksichtigen, juristische Vorsorge zu treffen, abgestimmt zu handeln und die gesellschaftliche Legitimation von Hochschulen durch gute Wissenschaftskommunikation zu stärken.
Ulrich Müller resümiert „Was Deutschland braucht, sind nach vorne schauende, innovative Universitäten und HAW. Positiv zukunftsgestaltend sind Hochschulen, wenn sie authentisch, autonom, plural, qualitätsorientiert und international anschlussfähig ihre Stärke entfalten können.“
Über die Publikation:
Autor*innen der Publikation „CHECK AfD-geprägte Hochschulpolitik in Sachsen-Anhalt –Zurück zur ‚Herrlichkeit der alten deutschen Ordinarien-Universität‘?“ sind Ulrich Müller, Sara Carina Richau, Damian Wollai, Carolina Kaube und Klara Meyer-Wehrmann. Der CHECK versteht sich als szenariobasierte Folgenabschätzung: Die Autor*innen der Publikation gehen der Frage nach, welche Konsequenzen drohen, wenn zentrale hochschulpolitische Positionen der AfD tatsächlich in Regierungshandeln übersetzt würden. Weiterführende Informationen zu den Themen Resilienz und Wissenschaftsfreiheit finden sich hier: www.resiliente-hochschulen.de
Über das CHE Centrum für Hochschulentwicklung:
Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung ist ein gemeinnütziger und politisch unabhängiger Think Tank für die Hochschullandschaft mit mehr als 30 Jahren Erfahrung. Das CHE unterstützt Hochschulen und Politik dabei, die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche zu verstehen, ihre Tragweite zu erkennen und adäquate Lösungen zu entwickeln, um die Zukunft positiv zu gestalten. Parteipolitische Unabhängigkeit ist für das CHE Voraussetzung seiner Arbeit. Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie sind jedoch nicht verhandelbar. Wo sie unter Druck geraten, bezieht das CHE klar Position und setzt sich für den Schutz des Hochschulsystems vor politischer Einflussnahme ein.
Ulrich Müller
Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter politische Analysen
CHE Centrum für Hochschulentwicklung
+49 5241 9761-56
Ulrich.Mueller@che.de
Müller, Ulrich; Richau, Sara Carina; Wollai, Damian; Kaube, Carolina; Meyer-Wehrmann, Klara: CHECK - AfD-geprägte Hochschulpolitik in Sachsen-Anhalt. Zurück zur "Herrlichkeit der alten deutschen Ordinarien-Universität"?, CHE, Gütersloh, 2026, ISBN 978-3-911128-32-2, 26 Seiten
https://www.che.de/download/check-sachsen-anhalt/ - Link zur Publikation
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
fachunabhängig
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).