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05.05.2026 09:45

Nachhaltige Chemie: Eisen ersetzt Edelmetalle bei der Katalyse

Christian Könemann Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

    Viele Produkte im Alltag und in der Industrie entstehen mithilfe chemischer Katalysatoren, etwa Arzneimittel, Kunststoffe und Beschichtungen. Häufig kommen dabei teure und begrenzt verfügbare Edelmetalle zum Einsatz. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) präsentieren nun erstmals eine an Luft stabile Eisenverbindung, die Eisen(I) für die Katalyse direkt nutzbar macht und anders als bisher ohne starke Reduktionsmittel auskommt. In einem ersten Test entstanden daraus aktive Eisenkatalysatoren. Ergebnisse im Journal of the American Chemical Society.

    Katalysatoren sorgen dafür, dass chemische Reaktionen schneller ablaufen oder überhaupt erst möglich sind. In etablierten Verfahren übernehmen diese Aufgabe Edelmetalle wie Rhodium, Iridium oder Palladium. Sie eignen sich gut für viele Anwendungen, sind aber teuer und selten. „Der Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf nachhaltigen und umweltfreundlichen Alternativen zu Edelmetallkatalysatoren“, erläutert Dr. Oliver Townrow vom Institut für Nanotechnologie des KIT. „Eisen ist das vierthäufigste Element der Erdkruste und kann in bestimmten katalytischen Reaktionen ähnliche Aufgaben übernehmen wie Edelmetalle.“

    Reaktives Eisen stabilisieren

    Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine modulare, voraktivierte Eisen(I)-Quelle für die Katalyse. Die römische Zahl beschreibt hier den elektronischen Zustand des Metalls. Eisen liegt in chemischen Verbindungen meist als Eisen(II) oder Eisen(III) vor. Für bestimmte katalytische Reaktionen ist Eisen(I) jedoch besonders geeignet, weil es Elektronen leichter aufnehmen oder abgeben kann. Dadurch ermöglicht es andere Reaktionswege.

    Bisher fehlte eine vergleichbar stabile Ausgangsverbindung, die Eisen(I) direkt für katalytische Anwendungen verfügbar macht. Deshalb mussten Forschende diese Eisenform oft erst während der Reaktion mithilfe zusätzlicher Stoffe erzeugen. Solche Reduktionsmittel bringen Eisen in die gewünschte reaktive Form, können aber auch andere Bestandteile verändern. „Das macht es schwer, genau zu kontrollieren, welche Eisenverbindung in der Reaktion entsteht und wie sie weiterreagiert“, erklärt Luise Kink, Erstautorin der Studie und Chemiestudentin am KIT. „Mit unserem Ansatz können wir diese reaktive Eisenform jetzt verlässlicher einsetzen.“

    Neue Eisenverbindungen herstellen und testen

    In ihren Experimenten stellte das Team Eisen(I) zunächst außerhalb der eigentlichen Katalyse als eigene Verbindung her: Das Eisen saß dabei zwischen zwei ringförmigen Kohlenwasserstoffen, Duren-Moleküle genannt, die das reaktive Metall stabilisieren. So bleibt das empfindliche Eisen(I) gegenüber Luftsauerstoff und Feuchtigkeit ausreichend stabil, um in weiteren Reaktionen eingesetzt zu werden.

    Anschließend ersetzten die Forschenden das Duren gezielt durch andere Moleküle und stellten so verschiedene Eisen(I)-Verbindungen her. Diese analysierten sie unter anderem mit Röntgenstrukturanalyse, spektroskopischen Verfahren und magnetischen Messungen. In einem ersten katalytischen Test zeigten sie außerdem, dass aus der neuen Verbindung ein aktiver Eisenkatalysator entstehen kann.

    Eisenkatalysatoren weiterentwickeln

    Die neue Eisen(I)-Verbindung schafft eine Grundlage für weitere Anwendungen. Forschende können nun systematischer prüfen, welche Varianten für bestimmte katalytische Reaktionen geeignet sind. „Unser Ergebnis zeigt, dass wir Eisen(I) für die Katalyse besser vorbereiten und kontrollierter einsetzen können als bisher“, so Townrow. „Langfristig soll unser Ansatz dazu beitragen, Edelmetalle in industriellen Anwendungen durch Eisen zu ersetzen.“ (ihe)

    Kontakt für diese Presseinformation:
    Isabelle Hartmann, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-41175, E-Mail: i.hartmann@kit.edu

    Im Dialog mit der Gesellschaft entwickelt das KIT Lösungen für große Herausforderungen – von Klimawandel, Energiewende und nachhaltigem Umgang mit natürlichen Ressourcen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, technologischer Souveränität und demografischem Wandel. Als Die Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft vereint das KIT wissenschaftliche Exzellenz vom Erkenntnisgewinn bis zur Anwendungsorientierung unter einem Dach – und ist damit in einer einzigartigen Position, diese Transformation voranzutreiben. Damit bietet das KIT als Exzellenzuniversität seinen mehr als 10 000 Mitarbeitenden sowie seinen 22 800 Studierenden herausragende Möglichkeiten, eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu gestalten. KIT – Science for Impact.

    Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: https://www.kit.edu/kit/presseinformationen.php


    Originalpublikation:

    Luise Kink, Robert Kruk, Oliver P. E. Townrow: A Simple, Air Stable Single-Ion Source of Iron(I). Journal of the American Chemical Society, 2026. DOI: 10.1021/jacs.6c01660. https://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/jacs.6c01660


    Weitere Informationen:

    https://www.townrowlab.com


    Bilder

    Molekülmodell der stabilen Eisen(I)-Verbindung, die Forschende am KIT als Ausgangspunkt für neue Katalysatoren entwickelt haben.
    Molekülmodell der stabilen Eisen(I)-Verbindung, die Forschende am KIT als Ausgangspunkt für neue Kat ...
    Quelle: Oliver Townrow, KIT
    Copyright: Oliver Townrow, KIT


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Chemie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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