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Zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai rückt ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld in den Fokus, das Hoffnung für hunderttausende Betroffene weckt. Im EU-Projekt PRIMI arbeitet ein Team internationaler Wissenschaftler*innen daran, Roboter zu entwickeln, die menschliche Bewegungen verstehen und gezielt in der Rehabilitation unterstützen. Ziel ist es, Therapien effektiver, individueller und zugänglicher zu machen.
Überblick – die wichtigsten Fakten:
- Das EU-Projekt PRIMI entwickelt Roboter, die menschliche Bewegungen verstehen und nachahmen können.
- Die Technologie soll insbesondere in der Schlaganfall-Rehabilitation eingesetzt werden.
- Die Universität Bielefeld ist Teil eines internationalen Forschungskonsortiums.
„Wir stehen an einem Punkt, an dem Roboter nicht mehr nur Werkzeuge sind, sondern aktiv mit Menschen lernen und sie unterstützen können“, sagt Professor Dr. Thomas Schack vom Center for Cognitive Interaction Technology (CITEC) der Universität Bielefeld. Das Projekt PRIMI („Performance in Robot Interaction via Mental Imagery“) möchte eine neue Ära autonomer Technologien einläuten, die bei Lern- und Anpassungsprozessen in Echtzeit eine höhere Präzision und Sicherheit aufweisen. Von dem EU-geförderten Projekt fließt rund eine Million Euro in die Bielefelder Forschung.
Wenn Roboter Bewegungen verstehen
Ein Schlaganfall verändert das Leben oft plötzlich und gravierend. Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich fast 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, was ihn zur dritthäufigsten Todesursache und zum häufigsten Grund für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter macht. Betroffene müssen oft grundlegende Bewegungen neu erlernen, oft ein langer und intensiver Prozess. PRIMI verfolgt einen neuen Ansatz: Roboter sollen Patient*innen aktiv durch die Rehabilitation begleiten. Dafür nutzen Forschende sogenannte „mentale Vorstellung“ (Mental Imagery). Das bedeutet, der Roboter kann Bewegungen nicht nur ausführen, sondern sie auch „im Kopf durchspielen“, ähnlich wie Menschen, die sich Bewegungen vorstellen, bevor sie sie ausführen.
Diese Fähigkeit ermöglicht es den Maschinen, individuell auf Patient*innen einzugehen. Sie beobachten Bewegungen, passen Übungen an und geben gezielte Unterstützung. Möglich wird das durch die Kombination verschiedener Disziplinen wie Neurophysiologie, Psychologie und Künstliche Intelligenz.
Neue Wege in Therapie und Technologie
Im Unterschied zu bisherigen Robotersystemen verbindet PRIMI gezielt „Körper und Geist“ der Maschine. Das heißt: Die Software (die „Intelligenz“) und die Hardware (der „Körper“) werden gemeinsam entwickelt. Dabei entstehen sogenannte neuromorphe Systeme – Technologien, die sich am menschlichen Gehirn orientieren und besonders energieeffizient arbeiten.
Diese Roboter lernen in Echtzeit, reagieren schneller und können sich an neue Situationen anpassen. In klinischen Pilotstudien sollen sie künftig Therapien nach Schlaganfällen unterstützen, indem sie Übungen vormachen, korrigieren und motivieren.
Ende April 2026 traf sich das internationale PRIMI-Konsortium am CITEC der Universität Bielefeld, um die nächsten Schritte zu planen.
Von der Forschung in die Versorgung
Die gesellschaftliche Bedeutung ist enorm: Schlaganfälle gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für Behinderungen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an ausreichend Therapieangeboten. Intelligente Robotersysteme könnten hier eine Lücke schließen und Betroffenen neue Perspektiven eröffnen. Das Projekt hat eine Laufzeit von 2024 bis 2028. Insgesamt hat es ein Fördervolumen von fast 5 Millionen Euro.
PRIMI kooperiert mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zur Rehabilitation nach Schlaganfall und auch zu ethischen und sozialen Fragen der Mensch-Roboter-Interaktion. Forschende des Projekts sind Teil eines eigens gegründeten Expert*innen-Netzwerks zur Schlaganfall-Rehabilitation innerhalb von ISyCARE, einer Innovationscommunity für integrierte sozio-technische Assistenz- und Versorgungssysteme. Dem Netzwerk gehören unter anderem die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und die Diakonische Stiftung Wittekindshof an.
Das Projekt ist mit dem strategischen Fokusbereich AI*IM der Universität Bielefeld verbunden, der Forschung und Entwicklung zu KI-basierter Assistenztechnologie für Menschen mit kognitiven Einschränkungen bündelt.
Einschätzung von Professor Dr. Thomas Schack zum Thema:
„PRIMI zeigt, wie eng Fortschritte in der Robotik mit gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft sind. Die Verbindung von menschlichem Denken und maschinellem Lernen eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Rehabilitation, aber auch für die Zukunft sozialer Technologien insgesamt.“
Prof. Dr. Thomas Schack, Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Telefon: +49 521 106-5127
E-Mail: thomas.schack@uni-bielefeld.de
https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/sportwissenschaft/arbeitsbereiche/ab-ii... Mehr zu dem Projekt an der Universität Bielefeld
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin, Psychologie, Sportwissenschaft
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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