idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
07.05.2026 09:31

Wie wird "Made in Germany" wieder zum Gütesiegel?

Dr. Jutta Gröschl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

    Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen in der aktuellen Situation gestärkt werden? Was trägt zur Attraktivität von Selbstständigkeit bei? Auf dem Round Table Mittelstand in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik über die Handlungsoptionen für den Mittelstand angesichts der aktuellen Herausforderungen.

    "Die mittelständische Wirtschaft steht gegenwärtig vor zahlreichen Herausforderungen – von Fachkräftemangel und Bürokratiebelastung bis hin zu geopolitischen Veränderungen. Doch wir wissen auch: Der Mittelstand ist anpassungsfähig und findet immer wieder innovative Lösungen. Entscheidend dafür sind jedoch geeignete Rahmenbedingungen, die eine schnelle Anpassung an neue Anforderungen ermöglichen", mit diesen Worten eröffnete heute Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen) den Round Table Mittelstand in Berlin. Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter von wissenschaftlichen Instituten, Wirtschaftsverbänden, von der KfW Bankengruppe sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gingen bei der Veranstaltung in Berlin der Frage nach, wie der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder attraktiver werden kann.

    Nicht nur die geopolitischen Krisen belasten die Wettbewerbsfähigkeit
    Dr. Jennifer Abel-Koch (KfW) sieht große Unterschiede unter den mittelständischen Unternehmen bei der Beurteilung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit: Bei einem wachsenden Anteil sinkt aufgrund der geopolitischen Krisen, der US-amerikanischen Zollpolitik und der zunehmenden chinesischen Konkurrenz die Zuversicht, die eigene Position im globalen Wettbewerb halten zu können. Deutlich positiver blicken hingegen mittelständische Unternehmen in die Zukunft, die kontinuierlich Forschung und Entwicklung betreiben sowie Prozessinnovationen hervorbringen, die im Hinblick auf die steigenden Lohn- und Energiekosten Effizienzvorteile versprechen. Gleichwohl bleiben die bürokratische Belastung, Steuern und Energiekosten aus Sicht des Mittelstands die größten Risikofaktoren für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

    Wie sich hohe Energiepreise auf die Investitionsbereitschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ausgewirkt haben, zeigte Dr. Mathias Mainz (IHK NRW) anschaulich in seinem Vortrag auf: "Gut 41 % der Unternehmen sind der Ansicht, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit darunter leidet. Viele Unternehmen müssen Investitionen in ihre Kernprozesse oder in Forschung und Innovationen zurückstellen." Entsprechend sollten seiner Ansicht nach politische Zielkonflikte immer wieder neu bewertet werden. Auch aus Sicht von Freya Onneken und Johannes Schindler (beide BDI) könnte die Bundesregierung im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen bei den Energiepreisen und der Versorgungssicherheit in Deutschland noch nachlegen: So sei beispielsweise eine Entfristung der Stromsteuersenkung im produzierenden Bereich wünschenswert.

    Eine stärkere Prioritätensetzung in der Wirtschaftspolitik forderte Dr. Constantin Terton (ZDH), um den Standort zu stärken: "Immer neue Einzelvorschläge, was zu tun sei, sorgen für erhebliche Irritationen und Verunsicherung bei Betrieben und Beschäftigten. Insbesondere der Mittelstand braucht endlich ein seitens der Politik abgestimmtes Gesamtkonzept für Reformen: Hierin enthalten müssen die Umsetzung der versprochenen Entlastungsimpulse, das konsequente Nutzen der Sonderschulden für zusätzliche Investitionen, eine Reformagenda für die sozialen Sicherungssysteme sowie eine ehrliche Aufgabenkritik der zunehmend aufgeblähten öffentlichen Hand sein."

    Dr. Michael Rothgang und Dr. Jochen Dehio (beide RWI Essen) legten am Beispiel der Kreislaufwirtschaft dar, wie Regulierung einerseits Hindernis für den Mittelstand, andererseits aber auch Grundlage zur Entwicklung neuer Märkte für die mittelständische Wirtschaft sein kann. Sie folgerten daraus: "In der Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen ist eine konsequente Kosten-Nutzen-Abwägung nötig. Konkrete Vorschriften müssen in der Praxis erprobt und an sich verändernde Umstände angepasst werden."

    Was Selbstständigkeit fördert
    Die Attraktivität der unternehmerischen Selbstständigkeit gilt als zentraler Indikator für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer (RKW Kompetenzzentrum) vermittelte in ihrem Vortrag, wie aktuell das Thema "Selbstständigkeit" gesellschaftlich wahrgenommen wird, welche Faktoren ihre Attraktivität beeinflussen und mit welchen strukturellen Herausforderungen potenzielle Gründerinnen und Gründer konfrontiert sind: "Zwar ist weiterhin eine Mehrheit der Befragten überzeugt, dass diejenigen, denen es gelingt, ein neues Unternehmen zu gründen, hohes Ansehen und großen Respekt genießen. Doch während die gesellschaftliche Wertschätzung weiterhin hoch ist, haben sich viele gründungsbezogene Rahmenbedingungen seit 2022 verschlechtert", so die Referentin.

    Eine Möglichkeit, diese Rahmenbedingungen zu verbessern, legte Dr. Vinzenz Peters (IfM Bonn) in seinem Vortrag "Wege der Unterstützung für Selbstständige im Handwerk während der Schwanger- und Mutterschaft" dar. Eine im vergangenen Jahr durchgeführte Befragung selbstständiger Handwerkerinnen in Nordrhein-Westfalen hatte gezeigt, dass 89 % der Handwerkerinnen nicht nur während der Schwangerschaft weiterarbeiteten, sondern auch häufig unter Bedingungen, die im Angestelltenverhältnis Schutzmaßnahmen oder Beschäftigungsverbote erfordert hätten. Lediglich etwas mehr als ein Drittel reduzierte den Arbeitsumfang durch weniger Aufträge oder verkürzte Arbeitszeiten, während die meisten ihre Tätigkeit erst kurz vor der Geburt unterbrachen – und zeitnah wieder aufnahmen. Die notwendigen betrieblichen Anpassungen sowie die kurzfristigen Ausfallzeiten führten zu erheblichen Umsatz- und Einkommensverlusten. Vor diesem Hintergrund haben das IfM Bonn und der Westdeutsche Handwerkskammertag ein modulares Modell entwickelt, das sowohl die finanziellen als auch die betrieblichen Auswirkungen von Schwangerschaft und Geburt abfedert.


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Wirtschaft
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).