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07.05.2026 16:58

Diabetes Kongress 2026: Ohne „Typ F“ geht es nicht - DDG rückt unsichtbare Versorgungsarbeit durch Angehörige in den

Michaela Richter Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Diabetes mellitus wird unabhängig vom Typ nicht nur in medizinischen Einrichtungen von Fachpersonal behandelt. Im Alltag tragen die Menschen mit Diabetes selbst sowie bei Kindern und älteren Menschen auch ihre Angehörigen die Hauptlast des Managements der chronischen Stoffwechselerkrankung – 365 Tage lang rund um die Uhr. Eltern von Kindern mit Diabetes Typ 1 müssen dabei unter anderem Bildungseinrichtungen wie Kindergarten und Schule einbinden, damit die Therapie reibungslos läuft. Darauf wies die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld ihres Diabetes Kongresses 2026 hin.

    Auf der Vorab-Pressekonferenz heute stellte die DDG das für die Familie stehende Konzept „Typ F“ vor und machte deutlich: Angehörige tragen einen erheblichen Teil der Versorgung, ohne dass diese Leistung im System ausreichend berücksichtigt wird.

    Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Bei Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren ist Diabetes Typ 1 die häufigste chronische Stoffwechselerkrankung. Millionen Menschen organisieren ihre Therapie täglich selbst. „Diabetes wird nicht nur in Praxen und Kliniken behandelt. Ein Großteil der Versorgung findet im Alltag statt – in den Familien, bei Kindern und Jugendlichen auch in deren Bildungseinrichtungen und später im Beruf. Angehörige übernehmen dabei viele Aufgaben, die im Versorgungssystem bislang kaum sichtbar sind“, erklärt Professor Dr. Julia Szendrödi, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische Chemie des Universitätsklinikums Heidelberg. Diese Verlagerung hat Folgen. Versorgungslücken werden oft nicht im System sichtbar, sondern von Familien ausgeglichen. Damit verschiebt sich Verantwortung zunehmend in den privaten Bereich.

    Familien tragen die Hauptlast
    Besonders deutlich zeigt sich dies bei Kindern mit Typ-1-Diabetes. Die Insulintherapie ist komplex und erfordert eine kontinuierliche Aufmerksamkeit. Eltern kontrollieren den Glukosewert, passen die Insulindosis an und reagieren auf Notfälle – häufig rund um die Uhr. Gleichzeitig fehlen in vielen Schulen und Kitas verbindliche Strukturen für eine medizinische Unterstützung durch Fachpersonal. Eltern übernehmen deshalb zentrale Aufgaben auch während dieser Betreuungszeiten. Das hat direkte Auswirkungen auf ihre eigene Berufstätigkeit. Szendrödi betont, dass diese Situation kein Einzelfall ist. Auch bei älteren Menschen oder bei Patientinnen und Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen übernehmen Angehörige zentrale Aufgaben. Diabetes wird so zu einer gemeinsamen Herausforderung für ganze Familien.

    Beruf und Therapie im Spannungsfeld
    Auch im Berufsleben zeigt sich, wie eng Therapie und Alltag miteinander verbunden sind. Menschen mit Diabetes müssen ihre Behandlung in feste Arbeitsabläufe integrieren. Gleichzeitig fehlen häufig flexible Rahmenbedingungen. Dabei sind die meisten mit der Erkrankung Lebenden leistungsfähig und können grundsätzlich nahezu jeden Beruf ausüben. Einschränkungen entstehen oft nicht durch die Erkrankung selbst, sondern durch strukturelle Hürden.

    Technologien erreichen Familien zu selten
    Moderne Technologien wie kontinuierliche Glukosemessung oder telemedizinische Betreuung könnten den Alltag erleichtern. Doch diese Möglichkeiten werden bislang nicht ausreichend genutzt. „Wir haben heute sehr gute technische Lösungen. Doch sie erreichen viele Menschen und ihre Familien noch nicht in erforderlichem Maße“, so Szendrödi.

    Versorgung neu denken
    Die DDG fordert, die Versorgung stärker an den Lebensrealitäten auszurichten. Dazu gehört, Angehörige systematisch einzubeziehen und Strukturen in Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen zu verbessern, in Schulen durch Schulgesundheitsfachkräfte. „Wenn wir Diabetes wirksam behandeln wollen, müssen wir die Realität der Menschen ernst nehmen. Dazu gehört auch, die Rolle von Familien sichtbar zu machen und sie gezielt zu unterstützen“, sagt Szendrödi. Der Ansatz „Typ F“ steht damit für einen Perspektivwechsel: weg von einer rein medizinischen Betrachtung hin zu einer Versorgung, die den Alltag von Patientinnen und Patienten sowie ihren Familien berücksichtigt.

    Der 60. Diabetes Kongress der DDG beginnt offiziell am Mittwoch, den 13. Mai 2026, um 17.00 Uhr mit einer Eröffnungsveranstaltung (reine Präsenzveranstaltung). Das Kongressprogramm ist im Internet unter https://www.diabeteskongress.de abrufbar. Interessierte MedienvertreterInnen können sich online hier über die Kongress-Website anmelden. Die Pressemappe und den Mitschnitt der heutigen Vorab-Pressekonferenz finden Sie hier.
    Terminhinweis (für alle Interessierten):

    Diabeteslauf (5 km-Lauf oder -Walk)
    Donnerstag, den 14. Mai 2026 (Himmelfahrt)
    Eröffnung: 17.45 Uhr, Start: 18.15 Uhr
    Ort: City Cube, Berlin
    Eine Anmeldung direkt auf dem Kongress ist bis zum 14. Mai 2026 um 17 Uhr möglich. Eine Kongressteilnahme ist für den Lauf nicht erforderlich.

    Terminhinweis für Journalistinnen und Journalisten:

    Kongress-Pressekonferenz des Diabetes Kongresses 2026 (hybrid)
    60. Diabetes Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
    „Revolution der Mittel – Realität der Menschen“
    Termin: Freitag, 15. Mai 2026, 12.00 bis 13.00 Uhr
    Ort: Saal M6, Level 3, CityCube Berlin sowie online.
    Anschrift: Haupteingang Messedamm, Messedamm 26, 14055 Berlin

    Themen und Referierende:

    Stammzellbasierter Betazellersatz – Chancen und Risiken
    Professorin Dr. med. Barbara Ludwig
    Kongresspräsidentin Diabetes Kongress 2026, Leiterin klinische Inseltransplantation und Laborleitung, Medizinische Klinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Typ-1-Diabetes-Screening – aktuelles Positionspapier der DDG
    Professorin Dr. med. Beate Karges
    Vorstandsmitglied der DDG, Kinderärztin, Sektion Endokrinologie & Diabetologie, Uniklinik RWTH Aachen

    Fettleber, Adipositas und Diabetes – gefährliches Trio, das Schlaganfälle und Herzinfarkte fördert
    Professor Dr. med. Nikolaos Perakakis
    Kongresssekretär Diabetes Kongress 2026, Bereichsleiter für Metabolisch Vaskuläre Medizin und Leiter des Studienzentrums für Stoffwechselerkrankungen, Medizinische Klinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Realität der Menschen mit Prädiabetes: Zwischen Heterogenität, Kontroverse und neuen Therapieansätzen
    Professor Dr. med. Martin Heni
    Leiter der Sektion Endokrinologie und Diabetologie, Innere Medizin I, Universitätsklinikum Ulm

    Moderation: DDG Pressestelle


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ihr Kontakt für Rückfragen/zur Akkreditierung:
    Pressestelle Diabetes Kongress 2026
    Julia Hommrich/Stephanie Balz
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel: 0711 8931 423, Fax: 0711 8931-167
    E-Mail: hommrich@medizinkommunikation.org
    https://www.diabeteskongress.de
    https://www.ddg.info


    Weitere Informationen:

    https://Anmeldung zum Diabeteslauf:
    https://my.raceresult.com/378234/registration
    https://Anmeldung zur Kongress-Pressekonferenz:
    https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_BMFFiKRfRJ-04BN4lID0wQ#/registration
    https://Anmeldung zum Diabetes Kongress:
    https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?sub=470


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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