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Berlin, 9. Mai 2026 · In einer Veröffentlichung hat der Wissenschaftsrat die Situation der medizinischen Fächer ohne direkten Patientenkontakt untersucht und daraus Vorschläge für Aus- und Weiterbildung in der Medizin entwickelt. Diese bestimmen maßgeblich die Qualität der zukünftigen Gesundheitsversorgung und sind daher essenziell für eine ganzheitliche Medizin. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Wolfgang Wick und der Präsidentin des Medizinischen Fakultätentags (MFT), Prof. Dr. Martina Kadmon diskutierte die AWMF bei ihrer Delegiertenkonferenz die Empfehlungen.
„Im Vergleich zu klinisch-praktischen Fächern und deren Aufgaben in der unmittelbaren Krankenversorgung sind die vorklinischen und klinisch-theoretischen Fächer in der gesellschaftlichen Wahrnehmung wenig präsent, obwohl sie ungefähr die Hälfte der Ausbildung im Medizinstudium leisten“, sagt Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF. „Der gesamte Fächerkanon der Medizin muss in Aus- und Weiterbildung enger verschränkt werden, wenn die Gesundheitsversorgung der Zukunft auf ganzheitlicher Medizin basieren soll. Hierzu gehört sowohl die Verbindung vorklinischer und klinischer Lehrinhalte im Kompetenzbasierten Lernzielkatalog (NKLM) des MFT als auch die fächerverbindende Anerkennung von Weiterbildungszeiten in der (Muster-) Weiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer“, erklärt er.
„Die stärkere Verschränkung vorklinischer und klinischer Lehrinhalte ist ein wichtiger Schritt, um das Medizinstudium kompetenzorientiert weiterzuentwickeln. Der NKLM bietet hierfür ein zentrales Instrument: Er beschreibt, welche Kompetenzen Studierende in verschiedenen Abschnitten und bis zum Ende ihres Studiums erworben haben sollten. Durch diese Transparenz kann der Katalog auch helfen, Kerncurricula, Vertiefungsangebote und Weiterbildungsinhalte besser aufeinander abzustimmen. Zugleich müssen wir im Blick behalten, dass die konkrete Umsetzung der Lehre an den Fakultäten standortspezifisch unterschiedliche Voraussetzungen hat“, erklärt Prof. Dr. Martina Kadmon.
Prof. Dr. Wolfgang Wick sieht die Empfehlungen des Wissenschaftsrates als eine gemeinsame Aufgabe sowohl praktischer als auch theoretischer Fächer in der Medizin an. „Die Weiterentwicklung des Wissens- und Methodenbestands aller medizinischer Fächer ist essenziell für eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Medizin“, betont Wick und führt weiter aus: „Die Empfehlungen zur fachlichen Entwicklung der Medizin sind auch im Kontext weiterer Empfehlungen des Wissenschaftsrats, zum Beispiel zu Prävention und Personalstrukturen zu lesen. Allein durch gemeinsame Anstrengungen aller Akteure und medizinischer Fächer sind die großen Herausforderungen im Wissenschafts- und Gesundheitssystem zu bewältigen.“
„Als interdisziplinärer und interprofessioneller Dachverband der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften setzt sich die AWMF seit langem für eine fächerverbindende translationale Forschung sowie fundierte Aus- und Weiterbildung ein – mit dem Ziel einer ganzheitlichen Medizin“, bekräftigt Treede. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur fachlichen Weiterentwicklung der Medizin unterstützen dieses Anliegen der AWMF, dem sie in enger Abstimmung mit dem MFT und den Ärztekammern nachgeht.
Weitere Informationen
Empfehlungen zur fachlichen Entwicklung der Medizin mit einem Fokus auf vorklinische
und klinisch-theoretische Fächer
Prof. Rolf-Detlef Treede
https://www.wissenschaftsrat.de/download/2025/2816-25.pdf?__blob=publicationFile...
Prof. Rolf-Detlef Treede (AWMF-Präsident) und Prof. Martina Kadmon (MFT-Präsidentin) auf der Delegie ...
Quelle: Katharina Lenz/AWMF
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Studium und Lehre
Deutsch

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