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11.05.2026 12:09

Bioinformatiker Andreas Keller erhält neun Millionen Dollar für internationale Parkinsonforschung

Friederike Meyer zu Tittingdorf Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    Professor Andreas Keller und sein Team von der Universität des Saarlandes wurden ausgewählt, dem Kooperationsnetzwerk (CRN) beizutreten. Damit verbunden ist eine Förderung durch die Initiative „Aligning Science Across Parkinson’s“ (ASAP) in Zusammenarbeit mit der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research (MJFF). Diese hat das Ziel, Wirkstoffe zu finden, die bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit helfen können.

    In dieser neuen Phase konzentriert sich das Kooperationsnetzwerks CRN darauf, die Heterogenität der Parkinson-Krankheit zu verstehen und zu ergründen, warum sie von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft. Hierfür soll die Forschung vorangetrieben werden, um präzisere Diagnosen zu ermöglichen und bessere Therapien zu entwickeln. Es werden neue Ressourcen geschaffen, damit die weltweite Forschungsgemeinschaft auf einer gemeinsamen, qualitativ hochwertigen Grundlage arbeiten und technische Hürden überwinden kann, die die Arzneimittelentwicklung behindern.

    Seit über einem Jahrzehnt erforscht Andreas Keller, Professor für Bioinformatik der Universität des Saarlandes, mit seinem Team neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen dabei sogenannte microRNAs, das sind kurze, nicht kodierende Abschnitte der Ribonukleinsäure. Diese steuern die Umsetzung genetischer Information in den Zellen. „Bei ihrer Analyse fallen riesige Datenmengen aus der Gensequenzierung an, die wir mit unseren bioinformatischen Methoden analysieren. Im Rahmen der jetzt bewilligten Förderung erhalten wir über hundert Terabyte Daten von Parkinsonpatienten“, erklärt Andreas Keller. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz wird sein Team diese Daten auswerten, um neue RNA-basierte Wirkstoffe zu finden, mit denen die Parkinsonerkrankung behandelt werden kann.

    „Wir werden nach unseren Auswertungen die für eine Therapie geeigneten RNA-Kandidaten vorschlagen. Diese werden dann von unseren Forschungspartner am Weizmann-Institut in Israel und der Columbia University in den USA in zellulären Systemen getestet. Im Erfolgsfall werden sie in weiteren Laboruntersuchungen an Versuchstieren erforscht, um möglichst rasch in die klinische Anwendung zu kommen“, sagt Bioinformatiker Andreas Keller, der auch am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland eine Forschungsgruppe leitet.

    Die Parkinson-Krankheit wird von vielen Faktoren bestimmt, die in einer Wechselwirkung zueinanderstehen. So beeinflussen biologische Faktoren wie Alter und Geschlecht das Krankheitsrisiko und den Verlauf, werden jedoch bisher in der molekularen Forschung oft nur unzureichend untersucht. „Gleichzeitig tragen Zelltyp, genetischer Hintergrund und Umwelteinflüsse zur Komplexität bei. Auch sie beeinflussen den Krankheitsverlauf und wirken sich darauf aus, wie Patienten auf eine Behandlung ansprechen“, erklärt Andreas Keller. Selbst innerhalb eines Zelltyps folge die Parkinson-Krankheit unterschiedlichen molekularen Mustern, die durch die genannten Faktoren beeinflusst werden. „Wir gehen davon aus, dass wir in einer großen Wissensdatenbank Muster finden werden, um individuell für den einzelnen Patienten bessere Wirkstoffe und Therapien entwickeln zu können. Wir profitieren dabei schon heute von großen Datenbeständen mit Informationen über Parkinson-Erkrankte. Diese enthalten zum Beispiel Blutproben, Analysen von Nervenwasser oder Untersuchungen des Hirngewebes von verstorbenen Patienten“, erläutert Andreas Keller.

    Mit Hilfe ihrer KI-gestützten, über viele Jahre entwickelten Methoden werden die Saarbrücker Bioinformatiker diese Parkinsondaten auswerten und mit den Angaben zu den Altersgruppen und Geschlechtern abgleichen. Daraus soll eine umfassende, frei zugängliche molekulare Wissensdatenbank für die Parkinsonkrankheit entstehen. Sie wird den Forschungspartnern im neu geförderten Netzwerk bei ihren weiteren Untersuchungen helfen. Maßgeblich daran beteiligt sind die Wissenschaftlerin Tal Iram und ihr Team am Weizmann-Institut in Tel Aviv sowie die Wissenschaftler Philip De Jager und Vilas Menon mit ihren Teams an der Columbia University in New York. Die Förderung von neun Millionen Dollar (rund 7,7 Millionen Euro) von ASAP wird zum überwiegenden Teil an die Universität des Saarlandes fließen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andreas Keller
    Tel. +49 681 302 68611
    Mail: andreas.keller@ccb.uni-saarland.de


    Weitere Informationen:

    https://www.asapcrn.org/funding/
    https://www.ccb.uni-saarland.de/
    https://www.helmholtz-hips.de/de/forschung/people/person/prof-dr-andreas-keller/


    Bilder

    Professor Andreas Keller und sein Team wollen Wirkstoffe finden, die bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit helfen können.
    Professor Andreas Keller und sein Team wollen Wirkstoffe finden, die bei der Behandlung der Parkinso ...
    Quelle: Oliver Dietze
    Copyright: HIPS


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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