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Forschende des DZNE leiten ein internationales Konsortium, das für den renommierten Longitude Prize on ALS ausgewählt wurde. Das Projekt vereint führende Institutionen aus Europa, Nordamerika und Asien mit dem Ziel, künstliche Intelligenz für eine der schwierigsten Herausforderungen der Neurologie nutzbar zu machen: das Verstehen und die Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).
KI-basierter Ansatz für eine komplexe Erkrankung
ALS verläuft von Patienten zu Patienten sehr unterschiedlich, was die Suche nach universellen Krankheitsmechanismen und wirksamen therapeutischen Angriffspunkten erheblich erschwert. Das Konsortium begegnet dieser Herausforderung mit der Entwicklung eines KI-basierten Modells, das umfangreiche und heterogene Patientendaten zusammenführt – genetische, molekulare und klinische Informationen – um Muster sichtbar zu machen, die herkömmliche Analysemethoden bislang verborgen blieben.
Kern des Ansatzes ist der Einsatz kausaler KI, die über statistische Korrelationen hinausgeht und biologische Prozesse identifiziert, die den Krankheitsverlauf aktiv beeinflussen. So kann das Team biologisch distinkte ALS-Subtypen definieren und krankheitstreibende Schlüsselgene bestimmen – und damit die Grundlage für zielgerichtete Therapien legen.
„Diese Auswahl ist eine große Anerkennung für unser Team. Vor allem aber eröffnet sie uns die einzigartige Möglichkeit, gemeinsam mit herausragenden internationalen Partnern die ALS-Forschung voranzutreiben und vielversprechende Erkenntnisse in therapeutische Strategien zu überführen", so Prof. Andreas Hermann, DZNE.
Ein international aufgestelltes Spitzenkonsortium
Das ausgewählte Team vereint komplementäre Expertise aus Neurologie, Molekularbiologie, klinischer Forschung und künstlicher Intelligenz. Für das Projekt schließt sich das DZNE mit Partnern aus dem Projekt CURE-ND4ALS zusammen (der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien) und der University of Edinburgh (UK)), sowie mit den Gladstone Institutes (USA), dem University College London (UK), der National University of Singapore sowie der Universität Stockholm (Schweden).
„Der Ansatz, den wir in VECTOR-ALS verfolgen, verbindet modernste KI mit tiefgreifender biologischer und klinischer Expertise. Dies wird uns helfen, die Komplexität und Heterogenität von ALS besser zu verstehen und neue Forschungsrichtungen zu erschließen", so Prof. Sach Mukherjee, DZNE und Universität Bonn.
Zugang zu einer einzigartigen Forschungsressource
Ein besonderes Merkmal des Longitude Prize on ALS ist der Zugang zu einer umfangreichen, kuratierten Sammlung von Patientendaten aus mehreren internationalen Studien – genetische, molekulare und klinische Datensätze eingeschlossen. Solche Daten stehen aufgrund institutioneller Fragmentierung, strenger Datenschutzvorgaben und technischer Hürden nur selten in integrierter Form zur Verfügung. Der Rahmen des Prize bündelt diese Ressourcen in einer sicheren Forschungsumgebung und schafft damit für alle beteiligten Teams eine außergewöhnliche Ausgangslage.
Von der Entdeckung zur Therapie
Der Longitude Prize on ALS wird von der britischen Innovationsorganisation Challenge Works gemeinsam mit der Motor Neurone Disease Association und internationalen Förderpartnern ausgerichtet – in der Tradition der historischen Longitude Prizes. Im Verlauf eines fünfjährigen Wettbewerbs durchlaufen die Teams mehrere Phasen, von der Identifikation therapeutischer Zielstrukturen bis zu deren experimenteller Validierung. Eine unabhängige internationale Jury bewertet die Projekte nach Kriterien wie Innovation, wissenschaftlicher Qualität, Robustheit und translationalem Potenzial.
Die im Rahmen der KI-gestützten Analysen identifizierten Zielstrukturen werden anschließend in experimentellen Modellen validiert, um ihre biologische Relevanz und ihre Eignung für die klinische Anwendung zu prüfen.
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Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE ist eines der weltweit führenden Forschungszentren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Diese Erkrankungen bedeuten enorme Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen, aber auch für die Gesellschaft und Gesundheitsökonomie. Das DZNE trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer Strategien der Prävention, Diagnose, Versorgung, Behandlung und Pflege bei – und zu deren Überführung in die Praxis. Es hat bundesweit zehn Standorte und kooperiert mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das DZNE wird staatlich gefördert, es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de
https://www.dzne.de/en/im-fokus/meldungen/2026/dzne-led-consortium-selected-for-... Englische Fassung
https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/amyotrophe-lateralsklerose-als/ Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
https://als.longitudeprize.org/ Longitude Prize on ALS
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Informationstechnik, Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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