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15.05.2026 14:30

Michele Solimena mit Paul-Langerhans-Medaille 2026 der DDG geehrt

Birgit Niesing Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

    Prof. Dr. Dr. Michele Solimena hat am 15. Mai 2026 die Paul-Langerhans-Medaille, die höchste Auszeichnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), erhalten. Mit dem Preis wird sein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk auf dem Gebiet der Diabetesforschung gewürdigt. Die feierliche Verleihung fand im Rahmen der DDG-Jahrestagung statt.

    Diabetes entsteht, wenn die Insulinproduktion oder -wirkung im Körper gestört ist. Dabei spielen Betazellen der Bauchspeicheldrüse eine zentrale Rolle. Wie genau diese Zellen arbeiten, wie sie sich an wechselnde Anforderungen anpassen – und warum sie bei Typ-1-Diabetes versagen – gehört zu den zentralen Fragen der modernen Diabetesforschung.
    Hier setzt die Arbeit von Prof. Dr. Michele Solimena an. Der Zellbiologe erforscht seit Jahrzehnten grundlegenden Mechanismen der Insulinproduktion, -speicherung und -freisetzung. Sein Ziel: die biologischen Prozesse in Betazellen so präzise zu verstehen, dass neue Ansätze für Prävention und Therapie möglich werden.

    Pionierarbeit an den kleinsten Einheiten der Insulinproduktion
    Im Zentrum von Solimenas Forschung stehen die insulinsekretorischen Granula – winzige Zellstrukturen, in denen Insulin gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird. Seine Arbeiten haben entscheidend dazu beigetragen, deren Funktionsweise zu entschlüsseln.
    So konnte er zeigen, wie Betazellen ihre Insulinproduktion dynamisch anpassen, indem sie die Bildung neuer Granula regulieren. Zudem identifizierte er Moleküle, welche die Stabilität und Übersetzung von Boten-RNAs für Insulin und andere wichtige Proteine steuern.
    Weitere grundlegende Erkenntnisse betreffen die Alterung dieser Granula sowie deren Transport innerhalb der Zelle, also Prozesse, die maßgeblich beeinflussen, wie effizient Insulin ausgeschüttet wird.
    Mit modernsten Bildgebungsverfahren gelang es seinem Team darüber hinaus, das Mikrotubuli-Netzwerk der Betazelle zu kartieren, was als Meilenstein für das Verständnis zellulärer Transportprozesse gilt.

    Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik
    Ein weiterer Schwerpunkt von Solimenas Arbeit liegt auf der Verbindung von molekularer Grundlagenforschung mit klinischen Fragestellungen. Durch die Untersuchung von Inselzellen aus lebenden Spendern konnte sein Team detailliert nachvollziehen, wie sich die Betazellen im Verlauf der Erkrankung von einer Normoglykämie hin zu Typ-2-Diabetes verändern.
    Diese Erkenntnisse liefern wichtige Ansatzpunkte für neue diagnostische und therapeutische Strategien, etwa zur frühzeitigen Erkennung von Krankheitsprozessen oder zur gezielten Wiederherstellung der Betazellfunktion.
    Noch während er als Postdoktorand im Labor von De Camilli tätig war, entdeckte Solimena das Vorkommen von Autoantikörpern gegen die Glutaminsäure-Decarboxylase 65 (GAD65) bei Patienten mit Typ-1-Diabetes und beim Stiff-Person-Syndrom, einer seltenen neurologischen Erkrankung. Heute sind Anti-GAD65-Autoantikörper die am häufigsten verwendeten Autoantikörper-Biomarker für die Klassifizierung von Diabetes.

    Wissenschaft mit klarer Vision
    Solimenas Forschungsansatz ist von einer einfachen, aber entscheidenden Überzeugung geprägt: „Wir müssen verstehen, wie Betazellen funktionieren, denn ihr Versagen ist die eigentliche Ursache aller Formen von Diabetes.“ Diese Haltung hat seine wissenschaftliche Arbeit über Jahrzehnte geprägt – und zahlreiche wegweisende Entdeckungen ermöglicht.
    Würdigung eines herausragenden Lebenswerks
    „Mit der Verleihung der Paul-Langerhans-Medaille ehrt die Deutsche Diabetes Gesellschaft einen Wissenschaftler, der das Verständnis der Betazellbiologie entscheidend geprägt hat“, so Prof. Martin Hrabe de Angelis, Vorstand des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). „Seine Arbeiten haben die Grundlagen für neue Strategien zur Prävention und Behandlung von Diabetes geschaffen – und damit weit über die Forschung hinaus Wirkung entfaltet.“

    Zur Person
    Solimena studierte Medizin in Mailand, wo er sowohl seinen medizinischen Doktortitel als auch einen PhD in Pharmakologie und Toxikologie erwarb. Nach Stationen als Assistenz- und Associate Professor an der Yale University in den USA übernahm er 2001 eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.
    2003 wurde er an die TU Dresden berufen, zunächst als Professor für Experimentelle Diabetologie, später – ab 2009 – als Professor für Molekulare Diabetologie. Gleichzeitig war er Gründungsdirektor des Paul-Langerhans-Instituts Dresden (PLID), einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), dessen Sprecher für Dresden er ist. Seit 2015 ist Solimena zudem Direktor des Instituts für die Erforschung Pankreatischer Inselzellen (IPI) bei Helmholtz Munich. In diesen Funktionen fördert er Nachwuchswissenschaftler und koordiniert die Aktivitäten des DZD im Bereich der pankreatischen Inselzellforschung.

    Weitere Informationen
    Website von Michele Solimena bei Helmholtz Munich:
    https://www.helmholtz-munich.de/diabetes-center/ipi/michele-solimena
    Forschungs-Website von Michele Solimena bei Helmholtz Munich:
    https://www.helmholtz-munich.de/ipi/research-groups/solimena-lab


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Michele Solimena
    Paul Langerhans Institut Dresden von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden
    Fetscherstrasse 74
    01307 Dresden

    +49 (0)351 7963 6611

    michele.solimena@tu-dresden.de


    Bilder

    Michele Solimena erhält Paul-Langerhans-Medaille 2026 der DDG
    Michele Solimena erhält Paul-Langerhans-Medaille 2026 der DDG
    Quelle: Matthias Balk
    Copyright: DZD


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Personalia, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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