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Wissenschaft
Im Rahmen eines Forschungsprojekts erforscht HWK-Fellow Prof. Yaron Matras mit Oldenburger Wissenschaftlern die Sprachenvielfalt Delmenhorsts. Dabei haben sie mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) die ersten statistischen Daten zum Thema erarbeitet, die in Deutschland seit 20 Jahren gewonnen wurden.
Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs der Integrierten Gesamtschule (IGS) Delmenhorst haben im Frühjahr 2026 eine umfassende Umfrage zu Sprachkenntnissen und Sprachgebrauch in ihrem schulischen und familiären Umfeld durchgeführt. Die Umfrage entstand als Teil eines Forschungsprojektes zur Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt in Delmenhorst von Prof. Yaron Matras (HWK-Fellow, Universität Hamburg) in Zusammenarbeit mit Prof. Jan Patrick Zeller und Dr. Maxim Makartsev (Universität Oldenburg) und wurde von Nicola Sager (IGS) didaktisch begleitet.
Befragt wurden 540 Schülerinnen und Schüler im Alter von 10-19 Jahren über ihre Sprachkenntnisse und ihren Sprachgebrauch im Alltag. Durch sie konnten auch Erkenntnisse über Mitglieder ihrer Familien und Freunde gewonnen werden. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Schülerprojekts im Unterricht wissenschaftlich erfasst und besprochen. Aus den gesammelten Daten soll bis zum Spätsommer 2026 eine Hochrechnung entstehen, die Aussagen zu Sprachkenntnissen und -gebrauch der Delmenhorster Gesamtbevölkerung zulässt.
Wesentliche Erkenntnisse
Die ermittelten statistischen Daten stellen die ersten Daten über Mehrsprachigkeit in einer deutschen Stadt seit 20 Jahren dar. Es ist zudem die erste derartige Umfrage, die durch eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Jugendlichen geplant und durchgeführt wurde. Die Ergebnisse geben Aufschluss über Sprachkenntnisse und Sprachgebrauch in Teilen der Delmenhorster Bevölkerung.
Die befragten Jugendlichen sprechen im Durchschnitt 3-4 Sprachen. Neben Deutsch und Englisch sprechen sie eine oder zwei Herkunftssprachen und zuweilen eine weitere Fremdsprache wie Französisch oder Spanisch. Über 45% der Befragten gaben eine andere Sprache als Deutsch als Herkunftssprache an. Als Herkunftssprachen, die zu Hause gesprochen werden, wurden am häufigsten Türkisch, Arabisch, Russisch, Polnisch, Kurdisch, Rumänisch, Aramäisch, Albanisch, Ukrainisch and Bulgarisch genannt. Herkunftssprachen werden am häufigsten mit der Mutter gebraucht, in zweiter Linie mit dem Vater, weniger häufig mit Geschwistern und Freunden. „Wir haben gar nicht daran gedacht, dass neben der Amtssprache oft auch viele weitere Sprachen gesprochen werden. Und es gibt auch Sprachen, die zu gar keinem Land fest dazu gehören.“, so zwei Schüler der 11. Klasse zu den selbst erarbeiteten Daten.
„Die Umfrage zeigt, dass die Mehrsprachigkeit ein integraler Bestandteil des Alltags der Jugendlichen darstellt. Gleichzeitig konnten wir durch die Befragung über den Spachgebrauch verschiedener Generationen feststellen, dass der Gebrauch der Herkunftssprache zunehmend auf den familiären Bereich eingeschränkt wird, während das Interesse an Fremdsprachen wächst“, so Prof. Yaron Matras.
Bei aller Mehrsprachigkeit bleibt Englisch unter den Befragten besonders verbreitet: Über 80% der Befragten gaben an, Englisch zu können. Viele von ihnen gebrauchen Englisch im Alltag mit Freundinnen und Freunden und verwenden es im Rahmen ihrer Mediennutzung. Der Medienkonsum in den Herkunftssprachen findet insbesondere in Polnisch, Russisch, Rumänisch, Arabisch and Türkisch statt. Das weist darauf hin, dass Medienkonsum eine wichtige Rolle beim Erhalt von Herkunftssprachen spielt.
„Wir sind erstaunt über die sprachliche Vielfalt an unserer Schule. Wir wussten ja, dass wir viele Schülerinnen und Schüler mit anderen Sprachfähigkeiten haben, aber das Ausmaß ist noch deutlich größer, als gedacht. Wir sehen ein großes Potential darin. Der nächste Schritt ist, Projekte zur Nutzung dieses Potentials zu starten.", so Nicola Sager (IGS).
Das Projekt von Prof. Yaron Matras, Prof. Jan Patrick Zeller und Dr. Maxim Makartsev, das unter Beteiligung weiterer Delmenhorster Akteure aus Bildung und Integration durchgeführt und vom Förderverein des HWK unterstützt wird, wird im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2026 beendet. Eine Abschlussveranstaltung mit Präsentation der Projektergebnisse mit einem öffentlichen Podium und Pressegespräch ist für den 25.9., 16 Uhr vorgesehen.
Prof. Yaron Matras y.matras@aston.ac.uk; Prof. Dr. Jan Patrick Zeller jan.patrick.zeller@uni-oldenburg.de; Dr. Maxim Makartsev maxim.makartsev@uol.de
Schüler bei der Forschungsarbeit
Quelle: IGS Delmenhorst
Copyright: IGS Delmenhorst
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
Deutsch

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