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18.06.2026 16:16

Heute Shuttle, morgen Lieferfahrzeug: Ein Fahrzeug, viele Funktionen

Christian Könemann Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

    Ein fahrerloses Fahrzeugkonzept, das sich schnell und automatisch an unterschiedliche Aufgaben anpasst, haben Forschende mehrerer Wissenschaftseinrichtungen in Baden-Württemberg im Projekt U-Shift II weiterentwickelt. Die fahrende Plattform kann selbstständig verschiedene Aufbauten – Kapseln genannt – aufnehmen und wieder absetzen. So kann ein einziges Fahrzeug morgens Menschen transportieren, mittags Pakete ausliefern und abends als mobile Service- oder Versorgungseinheit dienen. So wird Mobilität künftig flexibler, effizienter und nachhaltiger. Die neueste Generation des Konzepts haben sie heute am Donnerstag, den 18. Juni 2026, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vorgestellt.

    Die möglichen Anwendungen sind vielfältig: von On-Demand-Angeboten im öffentlichen Nahverkehr über Lieferdienste bis hin zu mobilen medizinischen Angeboten oder temporären Unterkünften. Das Konzept, Fahrzeug und Funktion konsequent zu trennen, wurde am Institut für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und wird am DLR über mehrere Projekte hinweg seit mehreren Jahren kontinuierlich weiter vorangetrieben.

    „Innovation ist der Schlüssel für die automobile Wertschöpfung von morgen. Gerade deshalb ist das Projekt U-Shift II für kleinere und mittlere Unternehmen so bedeutend. Mit seinem Fokus auf den Technologietransfer und die gezielte Einbindung mittelständischer Partner stärkt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie in Baden-Württemberg im Bereich autonomes und vernetztes Fahren gezielt “, sagt Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus.

    „Wir wollen Fahrzeuge nicht mehr für nur einen Zweck bauen“, so Professorin Kora Kristof, Vizepräsidentin Digitalisierung und Nachhaltigkeit des KIT. „Ein Fahrzeug, das sich flexibel an unterschiedliche Aufgaben anpasst, spart Ressourcen, ist ein Baustein für eine nachhaltige Mobilität und schafft neue Möglichkeiten für den Mobilitätsstandort Baden-Württemberg.“

    „Im Projekt U-Shift II haben wir viele neue Erkenntnisse gewonnen, um modulare, automatisierte Fahrzeugkonzepte und die damit verbundenen Technologien voranzubringen. Mit dieser Forschung unterstützen wir den Automotive-Standort und schaffen wichtige Grundlagen, um solche innovativen Mobilitätsideen in den praktischen Einsatz zu bringen und den Transfer auf die Straßen vorzubereiten“, bilanzierte Professorin Meike Jipp, Bereichsvorständin Energie und Verkehr des (DLR).

    Ein flaches Driveboard als Herzstück des Konzepts

    Ein zentrales Element ist ein flaches Driveboard mit den zentralen technischen Komponenten wie dem elektrischen Antrieb mit vier Radnabenmotoren, den Batterien, der Lenkung sowie zentralen Funktionen zur Steuerung, Überwachung und Energieversorgung, die am Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) entwickelt wurden. Das Driveboard fährt selbstständig unter die für die jeweilige Aufgabe passende Kapsel, hebt sie an und verriegelt sie. Menschen müssen nicht eingreifen.

    „Man kann sich das Prinzip wie bei einem Wechselcontainer vorstellen: Statt jedes Fahrzeug neu zu bauen, bleibt die Technik gleich – nur der Aufbau wechselt“, sagt Dr. Michael Frey vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik (FAST) des KIT. Am FAST entstand insbesondere das Fahrwerk mit integrierter Hubeinrichtung, die das autonome Aufnehmen und Absetzen der Kapseln ohne zusätzliche Infrastruktur ermöglicht. „Im Prinzip genügt ein Stellplatz für Kapsel und Fahrzeug“, erklärt Frey.

    Technik, die sich anpasst

    Beim Aufnehmen verbindet sich das Fahrzeug digital mit der Kapsel. „Durch die flexible technische Architektur kann das Fahrzeug seine Funktion je nach Einsatz verändern“, so Professor Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) des KIT, wo die elektronische und softwarebasierte „Schaltzentrale“ des Fahrzeugs entwickelt wurde. Diese vernetzt und steuert die verschiedenen Fahrzeugfunktionen und Kapseltechnologien miteinander. Funktionen und Sensoren passen sich automatisch an die jeweilige Kapsel an, etwa wenn Personen transportiert oder Güter ausgeliefert werden. Neue Software kann drahtlos aufgespielt werden, ähnlich wie bei einem Smartphone-Update.

    Sicher unterwegs, präzise im Andocken

    Mit Sensoren wie Kameras, Radar und Laser erkennt das Fahrzeug seine Umgebung. Das Sensorkonzept sowie die Systeme zur Datenverarbeitung und zur Planung der Fahrbewegungen – die beim Andocken besonders präzise arbeiten müssen – hat die Universität Ulm entwickelt. Gemeinsam mit den am FKFS erarbeiteten Systemen für die Umsetzung dieser Fahrbewegungen gelingen so zentimetergenaue Rangier- und Andockmanöver. Ein am DLR entwickeltes Verriegelungssystem hält die Kapsel während der Fahrt sicher fest.

    Starkes Forschungsteam aus Baden-Württemberg

    Am Projekt U-Shift II arbeiten das KIT, das DLR, die Universität Ulm und das FKFS zusammen. Projektleitung und -koordination liegen beim DLR. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg hat das Projekt mit 10 Millionen Euro gefördert. Davon gingen rund 1,7 Millionen Euro an das KIT.

    Kontakt für diese Presseinformation:
    Dr. Felix Mescoli, Pressereferent, Tel.: +49 721 608-41171, E-Mail: felix.mescoli@kit.edu

    Im Dialog mit der Gesellschaft entwickelt das KIT Lösungen für große Herausforderungen – von Klimawandel, Energiewende und nachhaltigem Umgang mit natürlichen Ressourcen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, technologischer Souveränität und demografischem Wandel. Als Die Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft vereint das KIT wissenschaftliche Exzellenz vom Erkenntnisgewinn bis zur Anwendungsorientierung unter einem Dach – und ist damit in einer einzigartigen Position, diese Transformation voranzutreiben. Damit bietet das KIT als Exzellenzuniversität seinen mehr als 10 000 Mitarbeitenden sowie seinen 22 800 Studierenden herausragende Möglichkeiten, eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu gestalten. KIT – Science for Impact.


    Weitere Informationen:

    https://www.fast.kit.edu/lff/Fahrwerk_U-Shift.php Weitere Informationen
    https://doi.org/10.5445/IR/1000194478 Footage: Automatisiertes, modulares Fahrzeugkonzept im Projekt U-Shift II (Höher aufgelöstes Videomaterial stellen wir Ihnen auf Anfrage unter presse@kit.edu zur Verfügung.)


    Bilder

    Das U Shift System kombiniert eine fahrende Plattform („Driveboard“) mit austauschbaren Kapseln für unterschiedliche Anwendungen.
    Das U Shift System kombiniert eine fahrende Plattform („Driveboard“) mit austauschbaren Kapseln für ...
    Quelle: Amadeus Bramsiepe, KIT
    Copyright: Amadeus Bramsiepe, KIT

    Vorstellung der neuen Generation von U-Shift II: (v.l.n.r.) Prof. Andreas Wagner, FKFS; Prof. Kora Kristof, KIT; Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft Ba-Wü; Prof. Meike Jipp, DLR; Prof. Michael Buchholz, Universität Ulm
    Vorstellung der neuen Generation von U-Shift II: (v.l.n.r.) Prof. Andreas Wagner, FKFS; Prof. Kora K ...
    Quelle: Foto: Magali Hauser, KIT
    Copyright: Foto: Magali Hauser, KIT


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Elektrotechnik, Verkehr / Transport
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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