idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
19.06.2026 09:15

App im Mai gestartet: Virtueller Hund „Wuschel“ findet spielerisch Sprachstand von Kindern im Vorschulalter heraus

Thorsten Mohr Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    Je früher ein Kind die Landessprache beherrscht, desto besser sind seine Bildungschancen. Seit Mai 2026 soll das digitale Verfahren WUSCHEL im Saarland im Modellversuch „Startklar Deutsch“ dabei helfen, den Sprachstand von Vierjährigen zu testen, um die Kinder bei Bedarf im Anschluss individuell beim Deutschlernen zu unterstützen – ganz unabhängig davon, ob sie Deutsch als Muttersprache oder als Zweitsprache erwerben. Die Entwicklung der WUSCHEL-App wurde im Rahmen eines langjährigen Forschungsprojekts, an dem Professor Stefanie Haberzettl von der Universität des Saarlandes beteiligt war, von der Daimler und Benz Stiftung mit 1,3 Millionen Euro gefördert.

    Wuschel, ein etwas tollpatschiger Hund, erlebt in der App eine rund 25-minütige Abenteuergeschichte, bei der das Kind ihn begleitet. Das Kind gibt dem hilfsbedürftigen App-Vierbeiner dabei Hinweise und Instruktionen, wie er die Schwierigkeiten, in die er gerät, lösen kann. „Auf diese Weise gelingt es, tatsächlich eine authentische Sprechsituation zu schaffen und herauszufinden, welche sprachlichen Kompetenzen das Kind hat und welche nicht“, erläutert Stefanie Haberzettl, die die App als Leiterin des Saarbrücker Projektstandorts mit entwickelt hat.

    Im Hintergrund analysiert ausgefeilte Technik das Gesprochene. „Die Sätze des Kindes werden weitgehend automatisiert transkribiert und durch einen computerlinguistischen Algorithmus ausgewertet, so dass ein differenziertes Sprachkompetenzprofil entsteht und ersichtlich werden kann, ob das Kind eine gezielte Sprachförderung braucht“, führt die Germanistin weiter aus.

    Sie betont, dass allem Anschein nach das Spiel mit dem tollpatschigen Wuschel den Kindern mehr Spaß als traditionellere Testformate macht und eher introvertierte Kinder oder Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die oft unsicher sind, gut zum Sprechen animieren kann. „Darüber hinaus ist die App ein Stück weit ‚gerechter’ als bisherige Testverfahren, da der Algorithmus bestimmte Abweichungen von der sprachlichen Norm, die Kindern mit Deutsch als Zweitsprache oder dem saarländischen Dialekt als Erstsprache oft passieren, nicht berücksichtigt“, führt Stefanie Haberzettl aus. Sie nennt ein Beispiel: „Die korrekte Markierung des Plurals oder die richtige Wahl zwischen Dativ und Akkusativ ist von einem Vorschulkind mit wenigen Jahren Kontaktzeit zur Zweitsprache Deutsch gar nicht zu erwarten und für eine erfolgreiche Verständigung auch zweitrangig. Mit der WUSCHEL-App können wir solche Phänomene der sprachlichen Oberfläche ausblenden und stattdessen herausfinden, in welchem Maße ein Kind auch erst begrenzt zur Verfügung stehende sprachliche Mittel geschickt einsetzen und erfolgreich kommunizieren kann“, nennt die Wissenschaftlerin einen weiteren großen Vorteil der App.

    Seinen Startpunkt fand das mit 1,3 Millionen Euro geförderte Projekt „Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ bereits im Jahr 2014 im Rahmen der Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ der Daimler und Benz Stiftung. Das interdisziplinäre Forscherteam hat in den Folgejahren gezeigt, dass man die Sprachstandsdiagnose valide, objektiv und fair gestalten kann und auf dieser Grundlage die WUSCHEL-App entwickelt. In den letzten Jahren wurde sie von Prof. Haberzettl auch schon als Instrument in der wissenschaftlichen Begleitung der saarländischen Sprachkitas eingesetzt. Mit dem spielerischen Verfahren sollen in den kommenden Monaten im Rahmen der Modellphase des Programms „Startklar Deutsch – alle Chancen für alle Kinder“ rund 2.000 Vorschulkinder getestet werden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Stefanie Haberzettl
    Tel.: (0681) 302-2937/-3559
    E-Mail: s.haberzettl@mx.uni-saarland.de


    Weitere Informationen:

    https://wuschel-app.de


    Bilder

    Prof. Dr. Stefanie Haberzettl
    Prof. Dr. Stefanie Haberzettl
    Quelle: Thorsten Mohr
    Copyright: Thorsten Mohr/UdS


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Pädagogik / Bildung
    regional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).