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Die Studie Jugend und Wehrdienst lässt junge Menschen zu den neuen Regelungen und der aktuellen Debatte um den Wehrdienst in Deutschland zu Wort kommen. Die vom Forschungsteam der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführte Online-Befragung zeigt: Egal, wie junge Menschen der Wehrpflicht persönlich gegenüber eingestellt sind – sie fühlen sich nicht ausreichend in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen.
Die erste Auswertung der vom 27. Februar bis zum 27. März 2026 erhobenen Daten greift drei analytische Dimensionen auf: Wie gut sind junge Menschen informiert, wie erleben sie politische Entscheidungsprozesse und wie bewerten sie den Wehrdienst?
Rund 4.000 Personen im Alter von 15 bis 30 Jahren nahmen an der Online-Befragung teil. Rund 80 Prozent gaben an, dass sie das Thema Neuer Wehrdienst beschäftigt. Die Spannweite ihrer Positionen ist weit: von Überforderung, einem Gefühl zunehmender Belastung bis hin zum Wunsch nach Verantwortungsübernahme für die nationale Sicherheit.
Rund 58 Prozent der Befragten fühlen sich zum Thema Neuer Wehrdienst ausreichend informiert, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Rund 41 Prozent verneinen dies. Die Einführung des Neuen Wehrdienstes finden 29 Prozent der Befragten gut, rund 54 Prozent sind ihr eher negativ bis ablehnend gegenüber eingestellt. Rund 18 Prozent sehen es teils/teils. Diese breit gestreute Einschätzung der Notwendigkeit des neuen Wehrdienstes bei jungen Menschen zeige, dass diese dem Thema ambivalent begegnen, so ein Fazit der Wissenschaftlerinnen.
„Sie machen sich angesichts einer komplexen geopolitischen Lage ernsthafte Gedanken und lassen sich nicht einfach einer eindeutigen Pro- oder Contra-Position zuordnen“, erklärt Dorothee Kochskämper vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim. Dass diese Auseinandersetzung ernsthaft und differenziert erfolge, zeigten auch die Freitextantworten. Das lässt erkennen, so erklärt Kochskämper weiter, „dass die Ergebnisse damit dem Bild von einer Generation, die politischen Fragen gleichgültig oder unreflektiert gegenübersteht, widersprechen.“
Darauf deutet auch ein weiteres Ergebnis der Studie hin: junge Menschen haben wenig Vertrauen in die Politik. Nur 18 Prozent der Befragten vertrauen eher oder voll darauf, dass die Politiker*innen die richtigen Entscheidungen treffen, über zwei Drittel stimmen dieser Aussage nicht oder eher nicht zu. Besonders ausgeprägt nehmen junge Menschen die Distanz zwischen Politik und ihrer eigenen Lebenswelt wahr. 78,5 Prozent der Befragten denken (eher) nicht, dass Politiker*innen über den Alltag junger Menschen Bescheid wissen.
Gleichzeitig denken rund 74,3 Prozent der Befragten, dass die Entscheidungen zum Neuen Wehrdienst vor allem durch die Perspektiven älterer Generationen bestimmt werden. „Junge Menschen erleben dies nicht nur als abstrakte Wahrnehmung, sondern auch als konkretes gesellschaftliches Problem“, erklärt Dr. Johanna Wilmes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik und Erwachenenbildung der Universität Frankfurt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Jungen Menschen geht es nicht nur um die Frage von Ablehnung oder Befürwortung des Neuen Wehrdienstes. Sie wünschen sich eine ernsthaft mit jungen Menschen geführte politische Diskussion um geeignete Wege für die Verbesserung der äußeren Sicherheit Deutschlands.
Dorothee Kochskämper
Universität Hildesheim
Mail: kochskämper@uni-hildesheim.de
Dr. Johanna Wilmes
Goethe-Universität Frankfurt
Mail: wilmes@em.uni-frankfurt.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler, jedermann
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Politik
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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