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02.07.2026 11:00

Was Unternehmen über E-Lkw erwarten und was Anwender tatsächlich erleben

Julia Wolke Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut

    Batterieelektrische Lkw werden von Transportunternehmen mit Praxiserfahrung deutlich positiver bewertet als von Unternehmen, die bislang noch keine eigenen Erfahrungen gesammelt haben. Das zeigt eine neue Auswertung des Öko-Instituts im Forschungsprojekt ELV-Live. Erstmals wurden dafür mehrere Befragungen aus den Jahren 2021 bis 2026 zusammengeführt und die Einschätzungen von E-Lkw-Pionierunternehmen mit denen der Transportbranche insgesamt verglichen.

    Erwartungen und Erfahrungen unterscheiden sich deutlich

    Die neue Auswertung vergleicht systematisch die Erwartungen der Gesamtbranche mit den Erfahrungen von Unternehmen, die E-Lkw bereits im Regelbetrieb einsetzen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen den Erwartungen vieler Unternehmen und den tatsächlichen Erfahrungen von Anwenderunternehmen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass sich die Unternehmen in unterschiedlichen Phasen der Umstellung befinden: Während E-Lkw-Pionierunternehmen bereits Erfahrungen mit dem Betrieb und dem Ausbau von eigener Ladeinfrastruktur sammeln, befindet sich ein großer Teil der Branche noch in einer frühen Orientierungsphase.

    „Viele Vorbehalte gegenüber E-Lkw entstehen dort, wo eigene Betriebserfahrung fehlt“, sagt Florian Hacker, stellvertretender Bereichsleiter am Öko-Institut. „Für den Markthochlauf kommt es deshalb darauf an, die Erfahrungen der Pioniere schneller in die Breite zu übertragen.“

    Deutliche Unterschiede bei Zuverlässigkeit und Akzeptanz

    Besonders deutlich zeigt sich die Wahrnehmungslücke bei der technischen Zuverlässigkeit. 39 Prozent der Unternehmen, die E-Lkw bereits nutzen, geben an, dass ihre E-Lkw seltener oder deutlich seltener fehleranfällig sind als vergleichbare konventionelle Fahrzeuge und 32 Prozent beobachten keinen Unterschied zwischen den Antrieben. Dagegen nehmen in der Gesamtbranche 37 Prozent eine geringere Zuverlässigkeit an und lediglich neun Prozent erwarten eine höhere Zuverlässigkeit als bei Diesel-Lkw.

    Bei der Akzeptanz durch Fahrerinnen und Fahrer ergibt sich ein ähnliches Bild. E-Lkw-Pionierunternehmen berichten überwiegend von positiven Erfahrungen und ausgesprochen hoher Zufriedenheit des Fahrpersonals. In der Gesamtbranche geht hingegen nur jedes zehnte Unternehmen davon aus, dass E-Lkw beim Fahrpersonal beliebter sind als Diesel-Lkw.

    Ladeinfrastruktur und Energieversorgung werden zu Wettbewerbsfaktoren

    Die Befragungen zeigen, dass sich die Herausforderungen mit zunehmender Marktreife verändern. In der repräsentativen Befragung der Transportbranche wird die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur häufiger als Haupthürde für die Elektrifizierung des Fuhrparks genannt als die Anschaffungskosten der Fahrzeuge. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Unternehmen bislang nur begrenzte Kenntnisse über ihre eigene elektrische Versorgung besitzen: Mehr als die Hälfte der Befragten kennt die Stromkosten am Depot nicht.

    Bei den Pionierunternehmen stellt sich die Situation anders dar. Rund 82 Prozent des Strombezugs für die E-Lkw erfolgen am eigenen Standort. Rund zwei Drittel verfügen über eigene Stromerzeugungskapazitäten, etwa durch Photovoltaikanlagen. Die Unternehmen erzielen dadurch im Durchschnitt niedrigere Strompreise am Depot als die Unternehmen der Gesamtbranche.

    „Die Ergebnisse zeigen, dass die Energieversorgung zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für den wirtschaftlichen Betrieb von E-Lkw wird.“, sagt Jonathan Schreiber. „Während viele Unternehmen noch bewerten, ob und wann sie in die Elektrifizierung einsteigen, beschäftigen sich die Vorreiter bereits mit Fragen der Energieversorgung, des Infrastrukturausbaus und der wirtschaftlichen Optimierung des E-Lkw-Betriebs.“

    Batterieelektrische Lkw setzen sich als bevorzugte Technologie durch

    Die Auswertung zeigt einen klaren Wandel in der Bewertung alternativer Antriebe. Während wasserstoffbasierte Konzepte in früheren Befragungen noch als besonders aussichtsreich galten, werden batterieelektrische Lkw heute sowohl von der Gesamtbranche als auch von Pionierunternehmen als wichtigste Alternative zum heutigen Diesel-Lkw bewertet. Die Bedeutung von Wasserstoff‑Lkw ist im Vergleich deutlich zurückgegangen.

    „Die Befragungen zeigen, dass sich die Diskussion in der Branche verändert hat“, sagt Florian Hacker. „Die Frage, welcher alternative Antrieb sich langfristig durchsetzen wird, ist für viele Unternehmen entschieden.“

    Die Studien entstanden im Projekt ELV-LIVE, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des Förderprogramms „erneuerbar mobil“.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Florian Hacker
    Stellvertretender Leiter des Institutsbereichs
    Ressourcen & Mobilität
    Öko-Institut e.V., Büro Berlin
    Telefon: +49 30 405085-373
    E-Mail: f.hacker@oeko.de

    Jonathan Schreiber
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
    Ressourcen & Mobilität
    Öko-Institut e.V., Büro Berlin
    Telefon: +49 30 405085-323
    E-Mail: j.schreiber@oeko.de


    Originalpublikation:

    Studie „Zwischen Orientierung und Optimierung: Status quo und Perspektiven von batterieelektrischen Lkw in der Transportwirtschaft“ [https://www.oeko.de/publikation/zwischen-orientierung-und-optimierung-status-quo...]

    Studie „Vom Pilotbetrieb zur Skalierung batterieelektrischer Lkw: Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des Praxiseinsatzes“ [https://www.oeko.de/publikation/vom-pilotbetrieb-zur-skalierung-batterieelektris...]


    Weitere Informationen:

    https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/albums/72177720334467542/ Infografiken zum Thema E-Lkw


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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