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12.07.2026 07:00

Ungleiche Besteuerung trug zum Ausbruch der Französischen Revolution bei

Harald Schultz Kommunikation
Rockwool Foundation Berlin

    Tiefgreifende Ungleichheiten bei der Besteuerung haben eine entscheidende Rolle beim Ausbruch der Französischen Revolution gespielt. Zum ersten Mal haben Wirtschaftswissenschaftler dies nun anhand von Zahlen belegt, in einer Studie, die die ROCKWOOL Foundation Berlin (RFBerlin) im Vorfeld des 14. Juli veröffentlicht hat. In Gebieten, in denen die Salzsteuern und die Binnenzölle besonders hoch waren, gab es schon zwischen 1750 und 1789 doppelt so viele Aufstände wie in Niedrigsteuergebieten.

    „Die Unzufriedenheit spiegelte sich auch in den ‚Petitionen‘ (Cahiers de doléances) wider, die Vertreter des Volkes Anfang 1789 beim König einreichten. Regionen mit höheren Steuern verzeichneten in ihren Petitionen an den König 72 Prozent mehr Beschwerden über Steuern und Zölle“, sagt Marco Tabellini, Research Fellow bei RFBerlin, Assistenzprofessor an der Harvard Business School und Mitautor der Studie.
    Die Steuern variierten innerhalb Frankreichs erheblich. In Bezirken mit niedrigen Steuern zahlten die Haushalte 2,5 Prozent ihres Jahreseinkommens für Salz. In Bezirken mit hohen Steuern lag dieser Wert bei 13 Prozent.
    „Dieser seit langem bestehende Unmut fiel 1788 mit einem besonders trockenen Sommer zusammen, auf den ein außergewöhnlich kalter Winter folgte, was die Brotpreise in die Höhe schnellen ließ und eine Welle von Hungerunruhen auslöste“, fügt Tabellini hinzu. Der König wollte jedoch Anfang 1789 die Steuern erhöhen, da seine militärische Unterstützung für die Amerikaner in deren Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten sowie seine verschwenderischen Ausgaben für den Hof in Versailles das Land ruiniert hatten. Frankreich hatte bis 1789 erhebliche Schulden angehäuft, doch der König war nicht bereit, den Bankrott zu erklären.
    Die Auswirkungen der ungleichen Besteuerung hielten während der gesamten Revolution an. Bezirke, die mit den höchsten Steuern belastet waren, waren stärker von den Aufständen auf dem Lande („La Grande Peur“) betroffen, die auf den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 folgten und die im August 1789 gipfelten in der Abschaffung der feudalen Privilegien, einschließlich der Steuerbefreiungen des Adels.
    Die politischen Folgen waren ebenso bedeutend. „Abgeordnete aus stark besteuerten Bezirken standen der Monarchie kritischer gegenüber, unterstützten revolutionäre Reformen stärker und stimmten im Januar 1793 eher für die Hinrichtung des Königs“, sagt Tabellini. „Dies geht aus den Parlamentsreden von Mai 1789 bis Januar 1793 hervor.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Marco Tabellini, 001 617 496-4614; mtabellini@hbs.edu
    Prof. Gabriel Loumeau, 0041 78 201 81 03; gabriel.loumeau@unine.ch


    Originalpublikation:

    RFBerlin Research Insight 21/26: „Did Extractive Taxation Trigger the French Revolution?”
    von Tommaso Giommoni, Gabriel Loumeau und Marco Tabellini; veröffentlicht hier:
    https://www.rfberlin.com/research-insights/did-extractive-taxation-trigger-the-f...


    Weitere Informationen:

    https://www.rfberlin.com/network-paper/extractive-taxation-and-the-french-revolu... Langfassung als RFBerlin Discussion Paper 49/26: “Extractive Taxation and the French Revolution”, von Tommaso Giommoni, Gabriel Loumeau und Marco Tabellini;


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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