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13.07.2026 10:52

Zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus – Neue Studie beleuchtet Mensch-Wildtier-Konflikte in Namibia

Matthias Zimmermann Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Potsdam

    Wenn Wölfe in Brandenburg Schafe reißen, prallen Naturschutz und Landwirtschaft unmittelbar aufeinander. Ähnliche Konflikte gibt es weltweit – in Regionen wie der namibischen Sambesi-Region jedoch unter deutlich anderen Bedingungen: Menschen, Nutztiere und Wildtiere teilen sich nicht nur denselben Lebensraum, sondern viele Familien leben unmittelbar von Ackerbau und Viehhaltung. Ein Forschungsteam unter Leitung der Ökologin Prof. Dr. Anja Linstädter von der Universität Potsdam hat untersucht, wie diese unterschiedlichen Interessen in der Sambesi-Region aufeinanderprallen. Die Studie zeigt: Nachhaltige Lösungen müssen Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus gemeinsam berücksichtigen.

    Wenn Wölfe in Brandenburg Schafe reißen, prallen Naturschutz und Landwirtschaft unmittelbar aufeinander. Ähnliche Konflikte gibt es weltweit – in Regionen wie der namibischen Sambesi-Region jedoch unter deutlich anderen Bedingungen: Menschen, Nutztiere und Wildtiere teilen sich nicht nur denselben Lebensraum, sondern viele Familien leben unmittelbar von Ackerbau und Viehhaltung. Werden Felder von Elefanten zerstört, Rinder von Löwen gerissen oder Menschen durch große Wildtiere gefährdet, kann dies die Lebensgrundlage ganzer Haushalte bedrohen. Gleichzeitig sind genau diese Wildtiere ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor – Namibia zählt zu den bekanntesten Safari-Zielen Afrikas. Ein Forschungsteam unter Leitung der Ökologin Prof. Dr. Anja Linstädter von der Universität Potsdam hat untersucht, wie diese unterschiedlichen Interessen in der Sambesi-Region aufeinanderprallen. Die Studie zeigt: Nachhaltige Lösungen müssen Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus gemeinsam berücksichtigen.
    Ein Elefant, der nachts durch ein Maisfeld zieht, kann die Ernte einer ganzen Kleinbauernfamilie zunichtemachen. Derselbe Elefant ist am nächsten Tag aber genau das Tier, für dessen Anblick Safaritouristen bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Diese Doppelrolle – Bedrohung für die einen, Attraktion und wirtschaftliche Chance für die anderen – steht beispielhaft für die komplexen Mensch-Tier-Beziehungen in der Region. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, führte das Forschungsteam Interviews mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie mit Safaritouristinnen und -touristen durch. Auf Basis der Befragungen der lokalen Gemeinschaften ordneten die Forschenden die Säugetierarten vier Gruppen zu: domestizierte Arten wie Rinder, gefährliche Arten wie Löwen, ambivalente Arten mit positiven und negativen Auswirkungen wie Elefanten sowie weitgehend neutrale Arten wie kleine Antilopen.
    Die Befragung der Touristinnen und Touristen zeigte, dass vor allem ikonische „Big Five“-Arten wie Elefant, Löwe oder Büffel die Erwartungen an Safari-Erlebnisse prägen. Diese hohen Erwartungen an die Sichtbarkeit dieser Arten können bestehende Spannungen verstärken: Naturschutzmaßnahmen, die den Tourismus fördern sollen, können gleichzeitig den Druck auf die lokale Landwirtschaft erhöhen. Die Ergebnisse machen auch zwei zentrale Konfliktlinien sichtbar: zum einen zwischen Ackerbau und Wildtiertourismus, zum anderen zwischen Nutztierhaltung und dem Schutz großer Raubtiere. Während Kleinbauern Elefanten und Löwen oft als Bedrohung für ihre Lebensgrundlage wahrnehmen, sind diese ikonischen Arten für Safaritourist:innen oft der wichtigste Grund für ihre Reise nach Namibia.
    „Indem wir die Perspektiven unterschiedlicher Interessengruppen zusammengeführt haben, konnten wir zeigen, wie unterschiedlich Tierarten bewertet werden und welche Zielkonflikte daraus entstehen“, erläutert der Erstautor Magnus Dobler. „Unsere Erkenntnisse können dazu beitragen, politische Strategien zu entwickeln, die den Artenschutz besser mit den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung verbinden“, ergänzt Dr. Liana Kindermann, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe für Biodiversitätsforschung und Spezielle Botanik der Universität Potsdam.
    Die Studie macht deutlich: Erfolgreiche Koexistenz zwischen Mensch und Tier erfordert mehr als reine Schutzmaßnahmen. Entscheidend ist eine integrative Landnutzungsplanung, die die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften ebenso berücksichtigt wie die wirtschaftliche Bedeutung des Naturtourismus und den langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt.

    Die Studie online: Magnus Dobler, Liana Kindermann, Steffanie Mantik, (…) Anja Linstädter, Ecosystem services and disservices of wild and domestic mammals: Contrasting farmers' perceptions and tourists' demands in an African coexistence landscape, Ecosystem Services (2026): https://doi.org/10.1016/j.ecoser.2026.101877

    Fotos:
    2026_063_Elefanten Touristen_Anja_Linstädter: Touristen in (Beinahe-)Interaktion mit einem Elefanten. Foto: Anja Linstädter
    2026_063_Elefantenschäden_Anja_Linstädter: Elefantenschäden an Hütten. Foto: Anja Linstädter

    Kontakt:
    Dr. Liana Kindermann, Institut für Biologie und Biochemie
    E-Mail: liana.kindermann@uni-potsdam.de

    Medieninformation 13-07-2026 / Nr. 063
    Matthias Zimmermann

    Universität Potsdam
    Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Am Neuen Palais 10
    14469 Potsdam
    Tel.: +49 331 977-1474
    Fax: +49 331 977-1130
    E-Mail: presse@uni-potsdam.de
    Internet: www.uni-potsdam.de/presse


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Liana Kindermann, Institut für Biologie und Biochemie
    E-Mail: liana.kindermann@uni-potsdam.de


    Originalpublikation:

    Magnus Dobler, Liana Kindermann, Steffanie Mantik, (…) Anja Linstädter, Ecosystem services and disservices of wild and domestic mammals: Contrasting farmers' perceptions and tourists' demands in an African coexistence landscape, Ecosystem Services (2026): https://doi.org/10.1016/j.ecoser.2026.101877


    Bilder

    Touristen in (Beinahe-)Interaktion mit einem Elefanten.
    Touristen in (Beinahe-)Interaktion mit einem Elefanten.
    Quelle: Anja Linstädter
    Copyright: Anja Linstädter


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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