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15.07.2026 10:11

Mit Memristoren gegen die Rechenzeit - Neuartige Chips zur schnellen Lösung komplexer Optimierungsprobleme

Silke Paradowski Science Communication Centre - Abteilung Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

    Darmstadt, 15. Juli 2026. In welcher Reihenfolge fährt ein Paketdienst seine Sendungen aus, um möglichst wenig Kraftstoff und Zeit zu verbrauchen? Ein solches sogenanntes kombinatorisches Optimierungsproblem steckt hinter vielen Fragestellungen in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Ein neues deutsch-taiwanisches Forschungsprojekt der TU Darmstadt und der National Cheng Kung University (NCKU) will solche Probleme künftig mit spezialisierten Computerchips deutlich schneller und energiesparender lösen als bisher möglich. Gefördert wird die TU Darmstadt dabei vom Bundesforschungsministerium mit knapp 1,2 Millionen Euro.

    Klassische Optimierungsprobleme – etwa das berühmte „Problem des Handlungsreisenden" (Traveling-Salesman-Problem), die optimale Aufteilung von Netzwerken (Maxcut) oder die Kanalzuordnung in 5G-Netzen – gehören zu den sogenannten NP (= nichtdeterministisch polynomiell)-vollständigen Problemen. Das bedeutet: Mit wachsender Problemgröße steigt der Rechenaufwand für klassische Computer exponentiell an, sodass selbst leistungsstarke Rechner irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Um solche Probleme greifbar zu machen, lassen sie sich als Graphen darstellen und mithilfe des sogenannten Ising-Modells formulieren – eines physikalischen Modells, mit dem sich der energetisch günstigste, also „beste" Zustand eines Systems bestimmen lässt. Eine vielversprechende Möglichkeit, dieses Minimum schnell zu finden, sind „Ising-Maschinen": spezielle analoge Rechner, bei denen die Phase elektronischer Oszillatoren die einzelnen Zustände eines Graphen abbildet, während gewichtete Kopplungen zwischen den Oszillatoren dessen Kanten repräsentieren.

    Das Problem: Mit heutiger Chiptechnologie lassen sich die dafür nötigen engmaschigen und zugleich weitreichenden Verschaltungen kaum realisieren. Genau hier setzt das deutsch-taiwanische Forschungsprojekt „MesMerIsing" der TU Darmstadt und der National Cheng Kung University an – “Memristor based Machine for rapidly solving optimization problems in the Ising form”. Die Forschenden setzen auf Memristoren, also elektronische Bauelemente, die sich – anders als klassische Transistoren – analog und dauerhaft an vergangene Zustände „erinnern" können. Direkt auf den Chip aufgebracht, könnten sie als schnelle, platz- und energiesparende Kopplungsbausteine dienen, die zudem bei Raumtemperatur funktionieren – ganz ohne aufwändige Kühlung, wie sie etwa Quantencomputer benötigen.
    Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, an dem die TU-Professoren Klaus Hofmann und Christian Hochberger vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Lambert Alff vom Fachbereich Material- und Geowissenschaften (alle Forschungsfeld Matter and Materials) beteiligt sind, sind langfristig für zahlreiche Anwendungsfelder relevant: Finanzanwendungen, Medikamentenforschung, Lieferketten und Logistik sowie KI- und Machine-Learning-Verfahren oder klassische Bilderkennung. Der gewählte Ansatz – Spezialhardware statt klassischer Prozessoren – verspricht dabei eine um mehrere Zehnerpotenzen höhere Geschwindigkeit bei gleichzeitig deutlich geringerem Energieverbrauch.

    Das Projekt stärkt das gemeinsame International Joint Research Lab (IJRL) „Memristor Technology" von TU Darmstadt und NCKU. Die Zusammenarbeit mit Taiwan als einem der weltweit führenden Halbleiterstandorte stärkt zudem die Entwicklung neuer Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie im Sinne der High-Tech-Agenda der Bundesregierung.

    Gefördert wird „MesMerIsing“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Forschungs- und Innovationszusammenarbeit mit Taiwan auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Für die TU Darmstadt stehen dafür rund 1,195 Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung; die taiwanischen Partner werden parallel und gesondert vom National Science and Technology Council (NSTC) gefördert.

    Über die TU Darmstadt
    Die TU Darmstadt zählt zu den führenden Technischen Universitäten in Deutschland und steht für exzellente und relevante Wissenschaft. Globale Transformationen – von der Energiewende über Industrie 4.0 bis zur Künstlichen Intelligenz – gestaltet die TU Darmstadt durch herausragende Erkenntnisse und zukunftsweisende Studienangebote entscheidend mit.
    Ihre Spitzenforschung bündelt die TU Darmstadt in drei Feldern: Energy and Environment, Information and Intelligence, Matter and Materials. Ihre problemzentrierte Interdisziplinarität und der produktive Austausch mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erzeugen Fortschritte für eine weltweit nachhaltige Entwicklung.
    Seit ihrer Gründung 1877 zählt die TU Darmstadt zu den am stärksten international geprägten Universitäten in Deutschland; als Europäische Technische Universität baut sie in der Allianz Unite! einen transeuropäischen Campus auf. Mit ihren Partnern der Rhein-Main-Universitäten – der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz – entwickelt sie die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main als global attraktiven Wissenschaftsraum weiter.

    www.tu-darmstadt.de

    MI-Nr. 27/2026, bjb


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Elektrotechnik, Informationstechnik, Mathematik, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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